Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 25 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
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100 3 sich loben Darf. Sprüche 31, 30. Zwei Kaufleute reiften nack einet SlaDr j»r Messe, nachdem sie ihre Waaren dorthin befördert. - Der Eine hatte: ein bedeutend größere- Waarenlager. jedoch nicht sein*i$en, er hatte daS Meiste auftEredit genommen. Am Marktplätze batten sie ihre Buden nicht weit von einander, der stark Ausgerüstete war aber weit davon entfernt, ohne- Miß« gunst auf den Absatz de^ Anderen zu sehest. Er .zog sei, nen ruhigen Nachbar in >Gegenwart Mehrerer öfters auf: ..Du scheinst mit mir eonrurriren zu wvllen, laß doch einmal hören, wie hoch.Dein Erlös gestern war, ich bin neugierig, ob er den hundertsten Tbeil vo» dem meinigen macht." Der öfteren und öffentlichen Neckerei überdrüssig erwiederte der Gelaffenet „Hierum Orte steht mein Ge» winn freilich nicht so ho^h, a!S der seinige, doch zu Hause wird sich seine Prabkerii legen. Ich bin mir meinem Verkauf ganz zuftieden. rp kann nur im Ganzen zufrieden sein." ..Wie ist dieses gemeint?" frugeff die zuhörenden Geschäftsfreunde. „Deujtlich gesagt, meist Nachbar nimmt viel Geld mir nach Haüse, und wird ftine' Gläubiger, von deren Waaren er bwr mit einem kleinen Gewinn.für sich verkaufte, befriedigen! können, ich habe zu Hause Niemanden zu befriedigen als meine Kaffe. — Anmurb und Schönheit beruhen auf fremden Gaben. Gottesfurcht auf sich selbst; Annehsnlichkeit und Schönheit.fistd ein Schmuck, den man mit der Zeit qblegen muß. Gottesfurcht bebalt ihren Werth; Annehmlichkeit und Schönheit haben daS Glück. daS Lächeln auf jden Lippen, Gottesfurcht bat in sich die Ruhe, den Frieden und die ewiqt Heiterkeit.!(AuS dem Werke -ps"» .Vi?) Einen Menschen frenjeer Nation, lehre» die ‘pm, fc(T 'in jetziger Zeit Jude werden will, frage man zuerst: Hast Du Dir überlegt Deine» gewagten Schritt? Weißt Du nicht, daß die Juden von den Völkern, »nter denen sie leben, beherrscht Werdens Antwortet er, ich kenne Liefen politischen Druck und ich füge mich darein, gestatte man ibm baldigen Zutritt. Dann unterrichte man ibn einigermaßen in der Religion Und mache ibn aus die S^wierig» keiten aufmerksam, die «it der Erfüllung der gesetzlichen Pflichten verbunden sind. Wisse, als Isrüelit mußt Du zuvörderst der Noch DefneS Nebenmenschnr durch Gaben von Deinem Erwerb zu steuern suchen; ajs Israelit giebt eS für Dick verbotene Speisen; als Ifräelit darfst Du den Sabbath durch keine Arbeit, welche hie Schrift al- Sünde bezeichnet. entweihen; die Uebettretung solcher Verbote bat göttliche strenge Strafe zur Folge. Wisse ferner, daß die Vergeltung der Handlungen, die Beloh« nung der Frommen erst sn einer zukünftigen Welt erfolgt. Wenn daS Auge im Tyke brickt, die Welt nicht mehr erkennt, das Irdische z»m tobten Staub zusammenfällt, dann eröffnet sich der Hammel ewiger Fremden, dann entschleiern sich die Gebeim»iffe deS Weltalls vor den Blicken deS Gläubigen, und Seligkeiten, für die hienieden kein Namen gefunden wirb, liegen für den Tugendhaften auf« bewahrt bei dem Allervdllkommensten. Unterhaltungs-Pillen. Bon I. R. in B. Ein nicht jüdischer Gelehtter hörte von den herrlichen GeisteSblütheneines jüdischen Knaben und bat ihn zu sich. Der kam und folgende- Gespräch fand Statt. „In der Eile habe ich vergessen, Dir meine Wohnung zu bezeichnen. Wie so wußtest Du Dich zu mir zu finden?" „Ich that, waS man gewöhnlich thut. um etwas zu erfahren, man fragt nach." „Hast Du einen ober Mehrere grfragt?" „Mehrere. Einer, dachte ich. kann sich irren, wenn Mehrere, ein und dasselbe sagen, ist eS richtig." „Du sprichst verständig. Sei traulich, Knabe! Du lernst gewiß Religion und Geschichte; außer Deiner Religion, dieweißt Du wohl, giebt eS auch andere Religionen. Welche Religion ist die auSgebreitetste? Welche- Volk ist daS größte?" „Die Schrift bekundet: Nicht weil Ihr die Mehrzahl wäret von allen Völkern hat Euch der Ewige begehret und Euch erwählt, denn Ihr seid die Minderzahl von allen Völkern. 5. B. M. 7, 7.“ „Du bist bewanden. Ich lege Dir jetzt eine Frage vor. zu deren Beantwortung ich Dir Zeit lassen will, damit Du sie mit Klarheit und Folgerichtigkeit lösest. Du hast so eben gesagt, wenn Viele ein und dasselbe behaupten, ist es wahr. Das Volk, dem Du gehörst, ist daS wenigste an Zahl unter allen Völkern. Viele Völker haben einen von der jüdischen Nation ganz abweichenden Glauben.; Du bist Jude und willst vermuthlich auch Jude bleiben, j Merkst Du den Widerspruch, worin Du Dich befindest?" , „Ich verstehe den Vorwurf, den Sie mir machen und! freue mich, daß Sie mich zu einer Rechtfertigung auffor« j Dun. Ich widerrufe keine meiner Aeußerungen, weil jede mit der Erfahrung uno Einsicht stimmt. Die Beseitigung | deS Widerspruchs gebe ich deutlich: Ich verlasse mich nur dann auf die Stimme der Meisten, wo ich einen Zweifel! habe. Daß mein Glaube der vernünftigste und richtigste : ist, daran zweifle ich doch gar nicht, dies ist mir sonnenklar, und brauche keine Richtschnur der Menge." Diese schneidende Antwort schnitt jede fernere Discusston ab. Ein Rabbiner stattete auf seiner Reise einem frühem, wohlhabenden Schüler einen Besuch ab. Dieser empfing ihn ebrnbietig und bestürmte ihn mit den Fragen: „Womit kann ich Ihnen auswarten, mit^einem GlaS-Wein? Mit gutem Backwerke? Mil schmackhaftem Obst? Oder wollen Sie mich beehren und bis Mittag bei mir verweilen?" Der ' Rabbiner, der nur etwa- Genießbareverlangte, um sein! augenblickliches Herzweh zu vertreiben, erwiederte: „Wie Eie! wissen, esse ich von keiner Der Schülu vustand seinot Lehrer, reichte schnell eine Erquickung und erhielt die Beruhigung: So ist eS “res. i Allgemeine Zeitung des Iudeuthum». No. 24. 1859. Leitende Artikel: Da« NationalitL^princip. — Die iftae« litikche Bibelanstalt. — Literarischer Wochenbericht.! Zeitungsnachrichten: Dentschland: Au» dem württember-! gischen Franken, Fürth. — Oesterreichischer Saisersiaal: St. Georgen, i Daitzen. i Lorrespondenz: Die Sams»»» schule r» Wolsenbüael. (Schluß.) I Verantwortlicher Redactenr: it Stäbe. 9er(«C |m ««■■iStlicc'» BittaMing «, 8ei**i*. — »n< Mi «It;«abet »it»« i,