Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 25 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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de) Ruhestätte; man bemerkte unter demselb Alrerman DaviV Salomons, Mitglied dcn Baron Antonv von Rothschild, den lixpS, die Herren Montesiore, S. M. S SalomonS u. Der Ha1h des Univer ebenso wie die Körperschaft der Professors treten, der erstere durch M. Atkinron, Secre die lateren durch die Professoren Kev, leamson u. s. w. , Ter Baron von Goldschmiv war Mit« lieb der könig> lichen Academie der geologischen Gesellschc ft u. s. w. Er war decorirr mit dem Schwert- und Thuftmorden (Perlen den Herrn Parlament-, Allderman Phiamuel, P. 3 sstätScollegiums, n waren rer- Lr deS RarbeS, 'Korgan, Wiltugal), rem Orden der Rose (Brasilien) urtd deS Medidja (Türkei).! Er befaß, .wie wir! schon erwähnt,;ein ungeheures. Vermögen, bewegliches ünd unbewegliches; außer anderen bedeutende Zänkereien ut Hampshire, Ke»r. Süsser und Midkleser. Er dinrerläßt eine.Wittwe. zwei «Zöbne .und, fünf TöLlcr-, einige Glieder Dieser edelsinnigen Familie haben sich schon einen ähnliches Namen erworben, sei es in der Literatur, sei es auf der» Wege der Mcns^enfteunvlichkeit. Sein" ältester Sohn!, Sir Francis Henri Goldsmid, der Erbe seines Titels.! und jetzt im Alfer von fünfzig Jabren, ist der erste englische Israelit, det eine Stellung im Richteramt bekleidet j unb der erste biS jetzt, der mir dem aikcl „Rath der Königin" beehrt wprden ist. Sir FranciS ist.auch wobl jbekannr als Verfasser der besten Brvchure, die über die Emanciparionsfrage der Israeliten erschienen ist. Er bar sie in einem Alter! von kaum einundzwanzig Zabren verftlßt. im Iabre 1880, und sie besteht immer noch als eisi Muster der Logjik, Beredsamkeit und Mäßigung. „Studien" die er über!die intellektuelle Tbärigkcit der spanisch jarabischen Juden veröffentlichte, bauen ebenfalls einen großen Erfolg und lassen bedauern, daß cin Mann, der so schön renkt und schreibt, die Literatur nicht zu feiner hauptsächlichsten Beschäftigung macht. Eine der Töchter ksS Sir Isaac, Miß Anna Maria Goldsmidbat sich finjit Namen in der! israelitisch-englischen Literatur verschafft, unter anderem,durch die lieber» sctzunz des Werkes von! Or. Pbilipvson ^lieber die Entwicklung der religiösen Idee". Miß Gokksnüd besitzt zugleich einen äußerst entwickelten Geist unh eins der edelsten Herzen. Der geklärte Gottesdienst,- die Sittlichkeit, die Milvrhätigkeit. das* sind die Angelegenheiten, denen sie cin seltenes Talent ustd eine unermüdliche Beharrlichkeit .gewidmet. Miß Anneu ist eine der intfreffantesten und originellsten Erscheinungen des modernen Judenthums. DaS ist eine Seele,-würdig der Höhe ittteS Vermögens, die Einfachheit in der Größe. Eine andere Tochter des Barons bat l|m ehrenwertben Grafen Henri Avigdor^ eines der ausgezeichnetsten Mitglieder deS sardinischen ^Parlaments, gehchrathet. DaS Testament des »erstorbenen BaroNS von Goldsmid,' ist noch nicht eröffnet; uian kennt seine letzten Verfügungen noch nicht, und man zweifelt durchaus nicht, daß er aufs XSroßmüthigste nach seinem Tode die mildtätigen Institute, die er bei seinen Lebzeiten beschützte, sowie auch die Synazöge zu Margaret-Strett bedacht habe. Sobald die Einzelnheikeo in dieser Bezifhung bekannt sein! werden, werden wir sie unseren Lesern zukommen laffenf Wir werden somit eine neue Gelegenheit finden, auf diese bedeutende Persönlichkeit zurückzukommen, von der der Menschheit so viele Wohlkharen zugefloffen. auf diesen merbvürdigen Mann, der ebenso ein Freund der Intelligenz, als ein gescheiter Finanzmann war, den wir persönlich zu kennen die Ehre hatten, und der ein so nachahmungSwürbigeS Beispiel hinrerlassen hat. Isidor Cahen. Drei Mische Prozesse. Folgende Berichte über drei, Juden betreffende Prozesse werden in ihrer Gegensätzlichkeit inrcressiren. Wir entnehmen sie den „Arch. isr. de Fr.“ Der erste Prozeß führt unS nach' Warschau. Die Warschauer Zeitungen lieben es, ihre Spalten mit Schmähungen auf die Juden zu füllen, wobei sie eben so oft dem guten Geschmack wie der Wahrheit Hobn sprechen. Mnige junge Glaubensgenossen von diesen Beleidigungen rief.verletzt, hatten von deren Urhebern Rechenschaft verlangt, und sahen sich von diesen niedriger Weise bei der Obrigkeit als schuldig der Provocatron zum Duell denunzirt. Eine so unwürdige Handlung, die jedes für die Ehre nur etwas empfängliche Gemüth empören muß, hat vor dem Gericht in Warschau einen Erfolg gehabt, der einen anonymen Correspondenten zu einem Briefe veranlaßte, dem wir Folgendes entnehmen, indem wir zu gleicher Zeit dem Verfasser deS Briefes als auch dem Journal, daS ihn abgedruckr, der „Nord", unser Compliment maiben. „Dir Angeklagten", ist darin gesagt, sind verurtheilt die Einen zu drei, die Anderen zu zwei Monaten Tefängniß. Meine Achtung für eine richterliche Entscheidung unterdrückt den Ausdruck der Gefühle, die sich bei einem solchen Urtheil in mir erheben. UebrigenS ein Prozeß dieser Art gehört auch dem Unheil der öffentlichen Meinung an. Sie ist eS, die in letzter Instanz urtheilt, und sie hat.sich über diesen Gegenstand schon lauter erhoben , als ich es hier zu thun im Stande wäre. Ich will Ihnen, mein Herr, nur einige wichtige Beobachtungen zu Ihrer und des Publikums Erbauung mittheilen. ES kommt mir nicht zu-, ein regelrecht ertheilres Ur» theil für ungesetzlich zu erklären. Indessen muß ich bekennen, daß daS Tribunal, daS die Derurtheilung der jungen Israeliten ausgesprochen, fich von den Formen und der gewöhnlichen Gerichtsordnung unseres Landeentfernt und zum Nachtheil der Angeklagten eine der kostbarsten Garantien der Unparteilichkeit und der Gerechtigkeit bei der gewöhnlichen Verhandlung vernachlässigt hat. 3ch weine die Öffentlichkeit der Verhandlungen, durch Kaiser NicolauS eingefübrt und sicherlich nicht durch den Kaiser Alrrander abgeschafft. Indem eine so delicate Angelegenheit bei verschlossenen Thüren verhandelt wurde, haben die Richter den Verdächtigungen und der Beschuldigung der Parteilichkeit freien Spielraum gegeben, und daS Urtheil des Tribunals in zweiter Instanz, bei welchem unmittelbar nach der Derurtheilung Appellation eingelegt worden, wird ohne Zweifel einen Beschluß reformiren, der auf einer so schweren Verletzung der durch daS Gesetz befohlenen RechtSformen beruht. Inzwischen glaube ich der treue Dolmetsch der öffentlichen Meinung zu sein.