Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 25 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Vvlksblatt. 3« Belehrung und Anlerhatlung auf jüdischem HeKiele. Hrrav«gegrbm von '' Rabbiner Dr. Ludwig PhUippson in Magdeburg. lNo. L5. 18591 v»a dieser Zeitschrift essch«»t wöchentlich eine N»m»cr. Preis dr» 3«h> geng» 1 Lhlr. BirrtrljS-rig 7'., Rjj. »2« v»chbandl»»ge», PoftLmier und Zrttuu-«er»editt»«eu ue-me» vesteiluugen au. ^6. IsKrg. 2. HullrtÄ.^ i Jfaac Lyon Goldsmid, Daran von Goldsmid und von Palmei-ra. (Au» dem Arch. isr. de Fr.) Am 27. April diese» ZahreS verblich zu London, im Alter von zweiunbachtzig Jahren, ein Mann, der eine der Zierden de» neueren Judenthum» im Allgemeinen und de» britischen im Besonderen gewesen, Sir Jsaae Lyon Goldsmid. Baronner, Baron ron Goldsmid und Palmeira. Al» bedeutender Geschäftsmann hatte er eia kolossale» Vermögen erworben; al» aufgeklärter Philanthrop, hat er bi» an sein Ende eine Menge nützlicher Institute erhalten; al» aufgeklärter'Israelit war er einer der Schöpfer und der eifrigsten Förderer deS reformirten israelitischen Gottesdienste» zu London, der so gut auSgeführt wird, und dem e» geglückt, die Forderungen de» Jahrhundert» mit denen des Glauben» zu verschmelzen. Wegen aller dieser Verdienste genoß er die öffentliche Achtung und Gunst. Die größten Unternehmungen de» grüßten kommerziellen Mittelpunkte» der Welt. London» und ganz England», haben ihn zu ihrem Theilnehmer und zu ihrem Beschützer gezählt. Er war einer der Gründer der Dock» in London, der Affecuranzen, des GaS, der Bergwerke u. f. w. Eine seiner glücklichsten Unternehmungen war die Verhandlung über die Regelung der Schuld seiten» Brasilien» an Por» rugal. Diese geschickte Verhandlung, welche sieben Jahre dauerte, brachte ihm von Seiten der Königin von Portugal den Titel eine» Baron» zu Wege und von Seiten der Inhaber portugiesischer Schuldscheine ein prächtige» Zeichen der Dankbarkeit. ~ „Aber", sagt die Daily News in eine« Artikel vom 6. Mai, „da» Feld der Thätigkeit de» Sir Jsaac war nicht auf kommerzielle und industrielle Angelegenheiten beschränkt; er verband mit dem Sinn und dem Geschmack für Wissenschaft und Literatur den edlen Wunsch, deren Fortschritt zu begünstigen, und sehr wenige Gesellschaften und Vereine in diesem Sinne sind während de» letzten halben Jahrhundertgeschaffen worden, die ihn nicht zu ihren Förderern gezählt hätten." Schon frühzeitig gesellte er sich dem Herzog von Süsser, dem Lord Holland, dem Sir Samuel Romilly, dem Sir Jame» Mackintosh, dem Lord Brougham (heute der einzig Ueberlebende diese» edlm Siebengestirn») zu; seine Thätigkeit und seine Börse standen stet» dtefen Menschenfreunden zu Gebote. Die Emancipation der Neger, die Gründung der Handwerkerschulen, die Berbefferung der Gefängnisse, die Gesellschaft zur.Verbreitung nützlicher Kenntnisse, die Orürermty College, alle diese edlen Angelegenheiten chatten keinen etftigern Vertreter. Vor Allem aber nabm er die Angelegenheit der Emancipation der Juden in! die Hanv. Seit der Annahme! der Bill von 1829 zu Gunsten der Emancipation der Katholiken, schlug er seinen Glaubensgenossen vor, sich mit ihm zu vereinigen, um zu einem dem ähnlichen Resultate zu ihren Gunsten zu gelangen; sein Auftuf damals wurde gar nicht »erstanden; die Erziehung der Israeliten war nicht darnach angethan; die Euren fürchteten für die Orthodoxie, die Anderen besorgten da» Wiedererwachen der VorurtheUe, al» Folge einer EmancipationSbewegung von ihrer Seite. Auf seine eigenen Kräfte angewiesen, versicherte sich Goldsmid im Parlamente wichtiger Stützen, deren wir weiter oben mehrere genannt haben, denen man auch den Marquis von LanSdowne, den Dr. Lufhington u. a. m. hinzufüge» muß, und al» er den Moment günstig glaubte, erlangte er~ von Sir Robert Grant, daß er den Vorschlag in da» Hau» der Gemeinen bringe. Von da ab für I. L. Goldsmid unerhörte Anstrengungen und Kämpfe, eine'ungeheure Eorrefpondenz! E» hat fast dreißig Jahre bedurft, um diese große l^rgelegenheit zum Ziele zu führen. Goldsmid war schon sehr betagt, al» sie endlich mit Sisg gekrönt worden, aber man hat in England nicht vergessen, tafprc der Erste gewesen, der diese glorreiche Standarte aufgepflanzt. Ein wahrhafter, aber aufgeklärter Israelit, hat er diesen Namen in seinem Lande zu Ehren gebracht. Die umfassendste Toleranz spücht übrigen» auS^allen seinen Handlungen. Al» großer Landbesitzer betrachtete er e» al» eine Pflicht, die geistigen Interessen zu protegiren, eben sowohl, al» die materiellen Interessen aller Derer, die dessen bedürftig waren. Vo» einigen Jahren ginge» ihn die Bewohner seiner Domäne zu Brighton an, ihnen ein Stück Lanh, zu verkaufen, um darauf eine Kirche zu erbauen; er verweigerte k*. dasselbe ihnen zu verkaufen, aber er bat sie. e» al» ein Geschenk anzunehmen. Seit mehreren Jahrxu, wie wir schon gesagt, war der Baron von Goldsmid durch seine Kränklichkeit an sein Hau» gefesselt. In den letzten Tage» de» April», al» sich beunruhigende Symptome einstellten, verließ der Prediger Dr. W. Märk» vom israelitische» Tempel zu Margaret- Street nicht wehr sei» Bett. Am 27. April hauchte er sein Leben au». > Ein ungemein große» Gefolge geleitete ihn zur