Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 23 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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Commisfion von Christen ernannte, um die hebräischen Bücher und Manuskripte zu studiren. Die erste d.r dieser Eommtsston vorgelegten Fragen war folgendermaßen formulirt: „Bedienen sich die Hebräer im Allgemeinen, oder eine ihrer Secten. wie die Chassidim z. B.. zu ihren Ceremonien de« Blute» von Chrtstenkindern oder erwachsener Christen?" > Der Berichterstatter erwiederte unter eidlicher Versicherung. nach einer motivirten Darlegung: ..Diese Ansicht ermangelt aller Begründung und verdient keine Berücksichtigung." Seit diesem Augenblicke sind die russischen Juden vor dieser Anschuldigung geschützt. Aber der Fanatismus gewiffer Leute har noch nicht sein letzttt Wort gesprochen. AuS Europa verbannt, ist er nach Asien übergestedelt. In Syrien, damals unter der Herrschaft Mehmed-Aii'ö. zog zu Damaskus da» Verschwinden des Parer Thomas und seine- Diener» die Tortur mehrcr jüdischen Greise und einiger hundert Kinder nach sich. In Europa erhoben sich die Presse und die Tribüne dagegen. Aber vor Allem bildeten die Juden aller Länder, mit denen von Damaskus in religiöser Hinsicht zugleich mit angeklagt. Commissionen in den großen Mittelpunkten und im Monat August 1840 kamen die Herren Montefiore und Löwe au» London, Cremieur und Munk auS Pari» in Alerandricn an, wo sie schon eine Commission in Thätigkeit fanden, bestehend ad hoc auS einigen europäischen Konsuln auf Befehl deS BicekönigS. Zn weniger alS einem' Monat erhielten sie «inen Firman, der die in Damaskus verhafteten und eingekerkerten Juden in Freibeit zu setzen befahl. Der Secrerär de» BicekönigS, erzählt un» Ubicini -in „seinen Briefen über die Türkei" (II. Th.), fügte, indem er den Herren Cremieur und Montesiore die Copie deS Flrman» übergab, hinzu: „Politische Umstände gestatten unS nicht, daS Betragen der OnSbehörden einer strengen Untersuchung zu unterziehen, namentlich in dieser beklagenSwcrthen Angelegenheit; auch wollen Eie sich wohl, meine Herren, für den Augenblick mit dem Ferman begnügen, der nicht auf dem Wege der Gnade, sondern aus dem Wege der Gerechtigkeit und in Berücksichtigung der genauen Nachforschungen an den betreffenden Orten selbst angestellt, erslossen ist." Fast zu derselben Zeit lieferte das Verschwinden eine» griechischen Kinde», auf der Insel Rhodus, den Fanatikern eine neue Veranlassung, ihre Feindschaft gegen die Juden an den Tag zu legen. Glücklicherweise wurde die hohe Pforte allsobald von dieser Begebenheit unterrichtet und berief die Sache vor den großen Rath der Justiz in der Hauptstadt. Dieser Rath fällte ein Urtheil, durch welche» die Juden entlastet wurden, nach einer umfassenden und sorgfältigen Untersuchung, von der Anschuldigung, die von den Griechen gegen fft geschleudert worden, sich ein,» jungen griechischen Knaben bemächtigt zu haben, in der Absicht, ihn zu morden und sich seines Blutes zum Osterfeste zu bedienen. Die Pforte ihrerseits constituirte eine Commission auS unterrichteten und in der hebräischen Theologie eingewethten Männern bestehend. Nach dem Resultat dieser neuen Prüfung, daS den Juden ebenso günstig war. veröffentlichte die Regierung deS Sultan» am 12. Ramazgn 1256 oder am 6. November 1840 einen Ferman, begleitet vonleinem kaiserlichen Hatt-i scherif, durch welchen er bei Androhung der strengsten Bestrafung die Wiederholung der Verfolgungen gegen die Juden, die Unterthanen seine» Reiche», untersagte. Die Uebersetzung diese» Documentes ist mitgerheilt in Ubicini „Briefe über die Türkei", II. Th. S. 463. * Da» war ein außerordentlicher Trost für Israel und für. die Feinde diese» abscheulichen Dorurtheil», da» aus un» lastete, diese Anschuldigung bekämpft und vernichtet zu sehen von ganz Europa und bi»'zur astatischen Türkei. Aber hier hat die Justiz der Regierung nicht viel Einfluß auf da» Volk, da» gewöhnt ist, blind zu glauben, was seine Vorfahren geglaubt und da» diejenigen e» glauben lassen, die, wäre e» auch nur au» Menschlichkeit, e» auskiären sollten. Wir selbst waren vor drei Jahren gar Zeuge eine» ähnlichen Skandal» in dem Viertel von Djudali, wo wir mehreren Personen begegneten, die. weit entfernt unsere Verbündeten zu sein, wie wir e» erwarteten, in der Menge, der Wahrheit zuwider, da» erzählten, wa» in ihren Augev nicht einmal wahrscheinlich sein konnte. Glücklicherweise diente unsere bescheidene Intervention und die eine» Detafchement» von franzöfiscken Soldaten, die Juden diese» Viertel» gegen jede weitere Mißhandlung zu schützen. Wir konnten, beehrt durch die wohlwollendste Aufnahme von Seiten Sr. Erellenz de» Herrn Thouvenel und der Behörden der hohen Pforte, mit der tbätigen Unterstützung de» seligen Herrn L. de Castro und der erfahrenen Mityülfe der Polizei nach zweistündiger, eifriger Nachforschung diese» Kind entdecken, welche» man durch die Juden erst de» Blute» und dann de» Leben» beraubt sagte, und zwar ganz wohlbehalten und spielend in der Wobnung feine» Onkel» ln einem entlegenen Stadtviertel. Und dock, ungeachtet aller dieser übereinstimmenden Tharsachen, har e» in diesen Tagen hingereichr, im Judenviertel zu Smyrna einen unglücklichen Franzosen ermordet zu finden, um gleich zu sagen, er wäre von den Juden dieser Stabt zu ihren Osterkuchen während de» gegenwärtigen Feste» verwandt worden. Ungeachtet aller dieser Gegenbeweise findet dieser Haufe fremder Banditen, die zu Galotz den Namenötag de» Märtyrer» de» heiligen Justin feiern (den 13. April), indem sie die Juden mißhandeln und berauben, Leute, die geneigt scheinen, sie zu entschuldigen, fast sie zu loben. Hoffen wir, - daß die noch offene Untersuchung über diese beiden Attentate 'strenge Strafe herbeiführe, daß sie die wahren Schuldigen entlarve und noch einmal eine Religion entlaste, die nicht genugsam gegen diesen Jrrthum vettheidigt werben kann. Indem ich Sie, Herr Redakteur, bitte, mir gefälligst die Spalten der nächsten Nummer ihre» Blatte» zu öffnen, wiederhole ich, wa» der heilige Justinü» vem Senat zu Rom in der Einleitung zu seiner Bercheidignngsrede für die Christen. die angeklagt waren. Menschenfieisch zu essen. Menschenblut zu trinken und jede» Jahr ein Kind für' die Ceremonie am Osterfeste zu schlachten, sagte: „Also bitten wir Euch, unsere Bertheidigung mit einer von Eurer Seite ausgehenden Billigung zu veröffentliche« damit alle Welt über unseren Wandel unterrichtet und Alle von diesen irrthümlichen Meinungen und der Unkenntniß deS Guten befreit werden, damit alle Menschen