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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 23 (1859) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
23 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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ries ist. Herr Rtdacwur, der wahre Ursprung dieser Anklage. unv, wir könnest es mit der ^«schickte sagen, die Christen wurden aus verfolgten leider unsere Verfolger!. Sie hat^n die tr< urige Erfahrung »er Schmerzen, die ihnen oder ibren Po fahren diese Anlage verursacht hatte, qemackl und ste beeilten sich hiestlben Beschuldigungen zu bewahren und andere Verstlben Art zu schmieden gegen die Juden, die kürzlich nech ihre Rivalen waren. Wenige Jahrhunderte später Wat; daS Chrifienrbum auf alle Tbrone Etzropas gestiegen. Jetzt war es nictn mehr die Nebenbuhlerschaft, wohl aber die höchste Grausamkeit, welche die christlich gewordene Bevölkerung gegen die unglücklichen Juden ausreizte. Die Verfolgung ging so weit, daß der Hhf zu Rom davyn bewegt wurde und man sah die Papste die Juden gegen die Christen beschützen; hier könnten wir einige von ihnen anführen, die Bischöfen, ja sogar Königen Verweise! gegeben. Das Schicksal der Joden war noch viejl schlimmer im 13. Jahrhundert; damals war es überhaupt, wo die Anschuldigungen. Kinder zu lödten. eine große Ausdehnung gewannen, um s» größer, da sie in denselben Protest ganze Städte unk ansehnliche Vermögen verwickelten. Aber eS ist nickt ein, Studie über tic: Geschickte dieser Verfolgungen im Allgemeinen, die ich j»iet die Absicht bäte niederzufckreiben; ich will bier nur die Frage des Lfterblutts behandeln und ich will ste mit den Männern behandeln, die uns dis Hand drücken, und zu gleicher Zeit uns der Menschenfresserei anklagen, oder die sich einbilden eine Handlung her Toleranz zu begehen, wenn sie unsere Personen begrüßet, obgleich sie unsere Religion beschuldigen. Ick trage ne, ob einer der in dpr Derrbeidigung der ersten Christen dmck St. Justin, den Marlvrer, AchenagoraS, den christlichen Philosophen^ und TertuÜian, den Pertbeidig:r dcs ChristemhumS, ausgestellten Gründe mckl seine ganze Kraft zu Gunsten der Juden behalt? Wahrend--der 13 Jahrhunderte, weiche die Gesetzgebung Moscheh's von der Geburt Jesus Christus trennen, baben die Israeliten ior Lstern geteier». Wie konnten sie nck ckvstltchen Blutes bedienen? damals gab es noch keine Christen. Ihre Religion, ihre im Talmud ausgezeichneten Traditionen verbieten ihnen Blut zu essen. Fünf Mal ist dasselbe^verbot in den Büchern Moscheh's wiederholt und die Äibbincr, die Zufammensetzer b,S Talmud«, haben die- Verbot bis aufck Aeußerste bestärkt. AlleS dieS läßt sich leicht bewahrheiten: unsere religiöse Literatur ist wenigstens inS Lateinische übersetzt und übrigenist ja auch die hebräische Sprache kein Geheimniß für die meisten christlichen Gelehrten!. Auch fehlt ,S uns nicht an Letauftei» Juden, welche - gewöhnlich nicht die besten Freunde ihrer ehemaligen Glaubensgenossen sind und die sich glücksich schätzen würdcht, wenn sie eifrig das anzeigen könnten, waS den Israeliten feindlich sein könnte, und dennoch kein Beweis, kein fllazeichen verleiht dieser Eeremooie die geringste Wahrscheinlichkeit. Habt ihr gegen unS Tharsachen vorzubringen k Wohl oft wurden die Juden leider zum Tode, zur Verbannung, zur. EinziehungIhrer Gül^r verurtheilt oder sie wurden ohne jede Proceßform durch die. Bevölkerung hingerichtet, uuf den Glauben an eine^ niedrige Anschuldigung, ohne daß die gerichtlichen Urtheike oder die voreiligen Hinrichtungen jemals etwas Anderes. als die Nichtigkeit dieser Anklage und so vieler anderer, welche ibren Feinden als Vorwand gedient haben, beweisen konnten. Haben die Juden JefuS Christus gekreuzigt? Wer ein wenig Geschichr, kennt, wird wissen, daß daS Evangelium wenigstens „Nein" sagt; und dock, welche Mordthaten wurden im Namen dieser Anschuldigung, besonders während der Krruzzüge. verübt, um sich mit Gewalt daS Gelb zu einem so rntfernten Kriege zu verschaffen. Haben die Juden die Brunnen und Quellen, während der Pest im Jahre 1348 vergiftet? Tie vernünftigen Menschen, an die ich mich wende, werden diesen unsinnigen Satz nicht unterstützen. Wieviel Israeliten sind aber auf diese einzige Beschuldigung hin ermordet worden. Die schreckliche Anklage, die durch das heidnische Rom gegen die Christen erhoben wurde, ist durch daS christlich gewordene Rom gegen die Juden fortgesetzt; aber sie kann sich dort nickt halten. Die Päpste verlheidigen, beschützen die Lpfer. Die Anklage geht von hier nach Spanien über, wo die Inquisition und die Jesuiten Päpsten daS Gesetz vorschreiben und keineswegs den schützenden Vorschriften gehorchen, welche die Päpste zu Gunsten -der Juden erließen. Sie gebt von Spanien aus mit den erilirten Juden, un» zeigt sich eben so heftig in Frankreich, in Deutschland, in Polen u. s. w. In Frankreich wagt ste seit der Herrschaft der Aufklärung nickt mehr auszutreten, und man hat dort nur noch ein Journal, das nicht diese Verleumdung bekämpft. Seit dem Anfang deS achtzehnten Jahrhunderts erachtet Abb« Fleurv diese Anschuldigungen für zu unwürdig in einem ernsten Werke behandelt oder bekämpft zu werden. SckoN vor dem hat der Papst Urban IV. zu Gunsten der Juden Polenintervenirt, die vom Volke immer unter denselben Vorwänden verfolgt wurden. Im achtzehnten Jahrhundert hatte ein polnischer Jude, segensreichen Angedenkens, den edlen Eifer, nach Rom zu geben und den Papst Benedict XIV. anzusteben, eine Untersuchung über diesen Gegenstand zu eröffnen. Benedict XIV. — man muß eS zu seiner Ehre gestehen — nahm die Bitte gütig auf und errichtete auch drei Commissionen, die alle beauftragt waren. die Schriften und Manuscriple der Juden zu studiren. Alle Mitglieder dieser drei Commissionen gehörten der Congregalion zur Verbreitung deS Glaubens an. Diese Studien dauerten mehrere Jahre'; sie wurden durch drei Berichte -der drei Commissionen geschloffen, die einstimmig das Nichtige und Abgeschmackte der Anklage bestätigten. Auch Clemens XIII., der inzwischen Benedict XIV. auf dem päpstlichen Tbrone gefolgt war. beauftragte den Nuntius DiSconri dem polnischen Hofe von der Meinung seiner Heiligkeit Mittheilung zu machen. ' Indessen wagte im neunzehnten Jahrhundert diese Beschuldigung. die auS Italien, Frankreich, England und Deutschland bereits verbannt war, in Rußland ihr Haupt zu erheben. Die hartnäckigen Feinde der Israeliten glaubten in den religiösen Verordnungen des Czaaren Nicolaus und in der Unwissenheit der Masse der Bevölkerung Verbündete zu finden, die mächtig genug für die Erfolge ihrer verbrecherischen Pläne wären. Aber sie wurden bald in ihrer Hoffnung enttäuscht; kaum war diese Anschuldigung bei den Tribunalen durch mehr alS obscure Personen übergeben, als der Czaar eine besondere

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