Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 22 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
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im Besitz der. Begriffe llnendlickkett und Ewigkeit., im VoHniiuß aller seiner geistigen ürstfte. denen er die ganze körperliche Welt qegenübcrsteben' füMt, kann er nicht ander-. als sein Dasein über di^ Marken diese- Gebens au-gerehnr denken. Indessen ifi eS nicht Jedermannßacke. sich die Fortdauer des leistein einer so idealen Weise-rorzustellcn. wie dies in!unserer Zeit gewöhnlich ist. Dieses unmittelbare Versetzet .in den Himmels dieses unmittelbare Hintreten vor C>oti, diesefofottiop Gelangen rur „ewigen Seligkeit" lat zuviel Romantisches, als daß es allen Völkern und Denkern zustrqe. Man verlangt nach einer positiveren Gestalt. Der Mensch, wie er in «einen Unvollkommenheiten. in seiner fragrtzentarischen Entwickelung, in seinenlrrtbümern und Kehlern, Sünden und Lastern stirbt, er ckeint Vielen noch nickt geeignet, einer höchsten geistigen L)elr anzugebören. Da- Leben auf Erken will ibnen rnr einen Mmehustand, gleicksam eine Zwiickenstanon b dünken, der eine lange Entwickelung voranqing und eile noch längere Enlwickn der WendepunSt. Die gre. glaubten mm dieses cser Erde vor sich gebend bre von der Seesenwanee erst gefaßt, so arbeitet lung nacksolgt Hierin liegt m alten Inder, und wer ibnea so Vor- und Nacklebcn auch aus d und kamen so lelckt zu ibrer L derunq. Ist aber eine solche I sie rer schwärmerische Geist basd in so ausschweifender Weise auö. nie sie uns unser Freund aus vew BudvbaismuS berichtet bat. Abges ben hiervon un'^sen wir letocl' gesteben. daß die Lebre >on der Sc.lenwankerung neck rtcl mebr geistiae Mome ne bietet, als \\ B. der Glaube der allen Deutschen, da; die im Kamps« gefallenen Helden ihre nnsterbliche Fe nkauer darin sinken, daß sie. ihre irdische Lebensn'kise soctsetzenk. täglich tenselbni Eber erlegen, der über 'Nackt leieder lebendig wirr, und ähnliche Vorstellungen, wie si« bei Völkern im zustande gesunden werken. W c gesagt, ist die Wanderung aus dem Bestreben, bervorgcgangen. scheu Arbeit in der Univernrähsstakr bleiben w welchen ich die > bcanr« Narur- Serlenrie grosirn Fragen nach dem Vorder sind Nachher. realistisch an l die Wirtlichkeit unseres Lebens airknüpsrnp worren." Die freundliche Dame vei beugte sich tanke mich, und c.\\c Blicke wandten Iti die ganze Wichtigkeit seine, Bause seine Erzählung begann ..Er war drei Tage vor nach welcher ich noch eiue Zei >d gegen m'nd N.. Rolle ruh lenk, stach einer sich mm aus Freund N.. meiner r.ocrorp omorreu. lang bebu's eine literari- Ute, al£ ateinische ich mit meinen Freunden, will Dispuranon vorbereirere. in eist einfaches Kaffcct ius ging, unS. wie wir oft tbaten, durcks einige -Panicen Nillard zu ergötzen. Es ist Sitte, wenn! man eine solch« beginnt, seinen Namen auf ein schwanke Brett, das m Saale autgebängl ist.;u schreiben, wodurch man sick d s Anrecht aut drei Panieen sichert. Dhsckon Niemand m Saale anwesend war, beobachtete ich doch diese Vorsichtsmaßregel. Wir batten die erste noch nickt beendet^ als ein lärmender Hauten junger Leuw eintrat, die ossknbar von eurem Gelage kamen, das fif zum KrühstückeugebaUen. Sie schienen unangenebm so«, unserer Gegenwart berührt, laben zwar einige Minuten rsthig unserem Spiele zu, als sie aber gewährten, daß es; cmlich lange kauern würde — denn, obschon ich leihenfd aülid* Billard liebte, war ich niemals ein Held darin — begannen sie zu lärmen, und der Eine, etwas älter schon und der angesehenste von ihnen, wie eS schien, bob an: „Die Juden trifft man doch überall auf unserem Wege! WaS haben die Judenjungen zu schaffen hier, wenn wir svjelen wollen?!" Diese Beleidigung traf unS wie ein Donnerschlag. Ich trat. daS O-ueue in der Hand, hervor, und frug: „Gilt diese Beschimpfung uns?'« Der Gegner antwortete: ..Ja wohl. Und Alle die mich hindern wollen, ,ctzt Billard zu spielen." Es entspann sich ein heftiger Wortwechsel. deffen Schluß war. daß ich, nach dem SlukenkenauSrrucke. ihn „einen dummen Jungen stürzte", und cs zu einer Herausforderung kam. und zwar so gut wie aur Leben und Tov. Es versteht sick . 'daß wir unser Spiel forksrtzlen, und eS nunmehr. rheils^ auS Zerstreuung, theilS absichtlich, um so langsamer sprelren. Unsere Gegner, die jetzt ganz still geworden, verloren di« Geduld und entfernten sich. Unter denselben war mir. trotz der Aufregung, ein junacr Mann ausgefallen, der eine ganz eigentbümliche Rolle spielte. Kaum batte der Anführer sein ..Jude" und „Judenjunge" berauSgepolrert. als dieser junge Mann bleich wie der Tod ward, und doch konnte ibn. seinem ganzen Aussehen nach.'Niemand tut einen unserer Glaubensgenossen ballen. Als nun der Wortwechsel sich anspann, war er in einer beständigen Unruhe; sprach ich und einer der Mcinigen, so sprang er auf unsere Seite, und wieS unseren Gegnern die Fronte; sprach mein Gegner, so war er aut der anderen Seite und erhob gegen uns die Faust: und ohne büß er an dent Hader selbsttbätigen Anrbeil nahm, schien er aur'S heftigste davon bewegt und stets zwischen den Parteien bm- und bergeworfen. Tiefes Benagen machte ibn nur auffällig: dock versank er nach Beenbigunß deS Zwistes fast in Bewegungslosigkeit und entfernte sich mit den übrigen, so daß der Gedanke an ibn sich rasch verlor, ta die Beobachtung ja so nur sehr stückng gewesen. Wir waren Herren deS SLlachrSr'eldes geblieben, und so lange wir daber zusammen waren, amen Mutbcs. Allein nach meinen, Zimmer zurückgekebrl. kam die Ueberlequng. und eine sehr schmerzliche. Vier Jabre hatte ich aut der Akademie zugebracht und nie.einen Streit, oder gar ein Duell gehabt. Ich batte studirl in wahrem Sinne des Wortes, und nur studirr: keinem Vergnügen nachgejagt. keinem gesellschaftlichen Leben, außer dem Umgang mit Studiergenossen gehuldigt, war jetzt daran, die akademische Würde zu erlangen, ußd jetzt — ein Duell auf Leben und Tod! So rubig mein akademischer Tag und am Abend spät solch ein Sturm? Ein klarer, hinrollender Dach und eben vor der Mündung solck ein Sturz! Welche Betrübniß für die Meinen, die so zufrieden mit mir waren! Welcher wird der AuSgang sein, wo rer günstigste Fall der Mord meines Gegners und meine Flucht fein konnte! Wie stürmte eS in meiner Brust, und nur der eine Gedanke erhielt mich aufteckt. daß ick nickt die Veranlassung gegeben, daß ich gar nicht anders gekonnt. Ich batte von jeher von einem würdigen israelitischen Jüngling verlangt, daß er sich von allen Gelegenheiten fern halte, die leicht;n Zwistigkeiten seiner Abstammung wegen führen konnten., dann aber kübn. unerschrocken. todesmukbiq für dieselbe einzusteben. wo er die Veranlassung nickt zu vermeiden vermochte. Wollen wir ren Neckereien unk Verhöhnungen ein Ende macken, so