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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 19 (1859) · p. Seite 75

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
19 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 tcc Erkenntniß des Ewigen, wie die Wasser da- Meer bedecken." Also sprechen die Propheten; dann aber war eS schon der Traum vieler edlen Seelen, die alle Völker Hand in Hand die große Dahn des Leben» und der Entwickelung mitsammen wandeln sahen obne Streit und Hader. So weit wir in die Geschichte der Menschheit zurückblicken, ist noch kein Krieg geführt worden um Völkerbeglückung. Entweder der Ehrgeiz der Machthaber, die Herrschsucht der Fürsten und Völker, die die anderen Nationen zu ihren Füßen erblicken, den Schweiß der anderen genießen wollen, oder der Wahn, den Menschen mit dem Schweute das aufzudrängen, waS ihnen religiöse Wahrheit schien, und zu vertilgen, die sich diese Wahrheit nicht ausdrängen lassen wollten — dieS waren immer die Ursachen dcS Krieges. Auch bat der,Krieg noch nie ein Volk beglückt, nicht daS siegende, und nicht daS besiegte. Denn wenn auch die göttliche Vorsehung selbst ouS blutiger Saat in der Folge der Zeit Gutes herrorlprießen läßt: der Krieg an sich bewirkte es nicht, daS Gute wäre anderweitig dennoch gekommen, und die Millionen Brüder wären gerettet gewesen. Sollten wir nicht glauben, daß die Wahrheit, sobald e» diese ist, sich von selbste» Bahn brechen werde unter den Menschen? Dürsten wir nicht umgekehrt behaupten: welche Lehre erst mit dem Schwerte weiter getragen, verbreitet und befestigt werden muß. daS sei keine Wabrbeil? Sind noch keine Wahrheiten gefunden worden, die ohne Schwertstreich sich die Welt erobert haben? Man denke z. B. an daS Kopernikanische Weltsystem — und die Lebre von Gott, vom Rechte und von der Liebe sollte der Tegenspitzen und Kanonenschlünde bedürfen? — Auch daS ist nur sebr tbeilweife wahr, daß der Krieg zur Entwickelung der Menschheit Vieles beitrage, daß er die Geister in Bewegung sehe, und dadurch zu vielen Entdeckungen und GeisteSthatigkeiten veranlasse. Wenn dieses auch stattfindet, so sind «S zufällige Dortheile, die durch den Schaden, den er verursacht, niemals ausgewogen werden. Im Gegentheile stört er die Entwickelung sehr nachdrücklich, wirft die Menschen in sittlicher uyd materieller Beziehung zurück, und wendet ihre Aufmerksamkeit von innen nach außen. Wie? traut man dem GenluS beS Menschen so wenig, daß er von selbsten, ohne äußere Veranlassung, nicht auch seine großen Erfindungen und Vollendungen zu Stande bringen werde? DaS Höchste leistet der Mensch nur, wenn ihn sein Genie von innen treibt und von innen begeistert, wenn er weder Lohn noch Roth vor Augen har. sondern nur die Wahrheit und die Anstrengung. Und gerade daS vermehrte Drängen und Treiben der Menschen im Frieden, wenn die Geister Raum haben, aufeinander zu platzen, schärst die Gewalt deS GenieS und spornet den Geist an. Ja, eS wird eine Zeit kommen, wo die hellen Gestalten der KriegeSfürsten und Feldherren in der Geschichte verbleichen und zu dunkelen Schatten werden; wo nur die Kampfhelden den Kran; de- Ruhmenoch tragen werden, welche zur Bertheidigung ihre- Volke-,;um Schutze ihre» Vaterlandeda- Schwert ergriffen und da- Leben geopfert haben. Der Titel „der Große" wird denen genommen werden, welche lediglich, um Völker zu bezwingen und Länder zu erobern, Schlachten geschlagen und gewonnen haben: diese wird man verabscheuen ai- Geißel» der Menschheit, ob fir den civilisirlen Griechen und Römern. oder den rohe» H»nnen entsprossen; und je «ehr man die Kraft ihre- Geiste» wird anerkennen müssen, desto mehr wird man sie bedauern, da fie sie so übel angewandt haben. So wird gerichtet werden/ wanur mit roher Gewalt da- Hlück ganzer Generationen jcr- »rümmernd, gewirkt hat, 'und anstatt fie dem Gedächiniß der Jugend schon mit großen, aber falschen Worten ein» zvprägen. wird man sie lieber der Vergessenheit übergeben, als unwürdige Söhne de- Menschengeschlecht-. Man wird, wie man den Herostratu» verabscheut, weil er den Tempel zu Ephesu» au- Ruhmsucht anzündete, alle die verabscheuen. welche die Fackel der Zerstörung in Paläste und Hütten der Völker warfen au- Ruhmsucht und Herrschsucht. Man wird die Bosheit nicht mehr nach dem Erfolge beurtbeileii. und den großen Erfolg zum Ruhme anschreiben, sondern -bera,ll nach ihren Bewegungsgründen. Die Leidenschaften werden nie ersterben in der Brust de- Menschen, seine ganze Natur ist darauf angelegt. Warum sollen aber die Völker als Ganzenickt moralische Personen! werden können, die keiner Leidenschaft unterwarfen sind? ES bandelt sich darum, ob ein Volk alein moralische- Ganzenickt die Leidenschaften und kleinlichen Ansichten soll vermeiden und ausich entfernen können, denen die einzelnen Menschen unterworfen sind. Sind aber erst die Leidenschaften audem Verkehr der Dölker untereinander gewichür: so steht man nicht ab, wie der Krieg zwischen ihnen entstehen .soll, da die Gerrchti^keitöliebe, Ünparteilichkeit und gesunde Vernunft wahrlich! lnicht out allzugroßer Mühe die Gegenstände der Streitigkeiten auf den rechten Standpunkt zu bringen vermögen. . ES gab eine Zeit, wo die Dölker den Beruf in sich fühlten, die ganze Erde sich zu unterjochen. ES geschielt diestets nur, wenn die Völker voller Kraft, aber noch auf der Stufe der Kindlichkeit befindlich find. Denn die Dölkerstämme der.Menschheit sind so verschieden in ihrem Wesen, daß sie nur kurze Zeit durch äußere Gewalt zusammengehalten werden können. Don Nimrod und Sesostri- bis zu den Römern. von Karl dem Großen bis zu Napoleon, sah man die Weltreiche nur kürze Zeit bestehen.^und dam» mit desto größerer Zerttümmerung au-einanderfallen. Vielleicht wird diese Idee auch noch in neuester Zeit von diesem und jenem 'Volke gehegt, vielleicht wird noch dßnn und wann in den kommenden Zahrhunderten ein Versuch gemacht werden: au» dem größten Theile der Menschenwrlt ist dieser Wahn gewichen, man*ist zu der Erkeimtniß gekommen, daß nur der Staat eine wirkliche Dauer haben kann, der au» gleichgearteten Dolk-theilen besteht. ES gab eine Zeit, «o eine verfehlte Etikette, ein fürstlicher Witz oder eine, an sich unbedeutende Scholle Erde den Krieg hervorbrachte. Die Völker mußten e-' blutig büßen, daß ihre Herrscher vom Geiste der Kleinlichkeit beherrscht waren. Diese Zeit ist vorüber. Fürsten und Dölktt haben eingefehen, sind davon durchdrungen, daß ein Streifen Erde mehr oder weniger, daß ein Titel oder eine Reverenz mehr oder weniger in der Wagschale de»

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