Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 19 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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I 76 Völkerglückes Nickt» irircp, unb nichi finitHcfcn darf auf da» Schicksal von Millionen. l Y» gab eine Zeit, wo der religiöse Fanatismus den Völkern da» Schwert in die Hanv drücktct. Man weiß, daß diese Kriege die-schrecklichsten waren, wo der Wahn, daß man für seinen Gott kämpfe, daß die Vertagung de» Gegners ein gottgefällige- Werk sei. Daß die Verbreitung seiner Glaubenstebre mir dem Schwerte bewerkstelligt werden muffe, die Menschen beherrschte, die furchtbarsten Greuel in'ihren Augen heiligte, und eine so unendliche Wutb in ihrer Brust amstachelre, daß selbst da» Kind im Mutter'ckoße nicht versckanenswertb erschien. Wer auf solche Gemälde zstrücksckaut. dem hangt da» Her; nn Busen, daß solche Erscheinungen m der Menschheit wieder zurückkedren könnten! Wir drüaen der. Gegenwart die Hanv, daß ne dergleichen hcroorzusringen weit e)lt- >ernt ist. Sind doch selbst die orientalischen und afrikanischen Völker für die sogenannten ..heiligen Kriege" abgestorben. Dann aber gewinnr die Hornung .in uns Raum. daß. wenn auch religiöser Zelorisuzus noch lange nicht aus der Menschenwett gewichen ist, wenn er noch manchen Kampf, noch manche llnruve erreäen wirk, derselbe doch unfähig geworden, die Masse» aus Tod und Leben gegen 'einander zu hetzen, und, als ^ie fürchkerlickstea Raubtbiere, die Golteserdc zu veröden, Mensch.' bedenke den zwiefachen Greuel, den Du begehst, wenn Du i» Namen Gottes, der der Barer-und die Liebe ist. Deinem Bruder den Dolch auf die Brust gehest, das Gift ,n das Herz träufelst! , WaS bleibt also nock übrig als Moinsme der Völker« kriegr) Der s. g. Prmzipienstreit und die großen Volkerintereffcn. > Der Prinzipienstreit kann nur darin bestehen, daß entweder ein Volk so vergafft in seine Versaffung. ui oas Prinzip seiner SlaatSmaschine ist. daß es dieselben den anderen Völkern zu ihrer r^eseligung auftranzen will, unv zwar mir Waffengewalt; oder daß das .ine seine Versaffung gefährdet glaubt, wenn daS andere cne gndere annimmt, und darum dienicht dulden will. Nun können zwar (5omplicationen kommen, wodurch diese- Zusammentreffen der Krieg in die civilisirre Welt wieder dereinkommen kann, und wir sinh vor ibm auf diesem Gebiete nicht sicher: allein auf die Dauer kann die Menschheit solchen Ideen nicht anbeinngllen. Sondern -die Ansicht, daff jede Nation aus sich selbst, heraus die ihm nach Zeit und Charakter angemessene Htaatsser/assung muß entwickeln können, und daß keine Ngtivn da- Reckt bat-, eine andere zu der ihrigen zu zwiigen. oder son einer, der ihrigen entgegengesetzten abzubclren. mil einem Worte, daß es das heiligste Recht jedel Staates und Volkes ist. sich selbst, ohne andere zu »azen, zu bksiim>> men — diese Ansicht muß und wird dih Oberhand ge winnen. Allerdings sind nun der' gefährlichste Punkt, die Achillesferse an der civilisirren Menschh ir die" großen Völkerintereffcn. Wir können nickt sagen, daß dieZroßcn Nationen und Hlaaren in ihren Verhältnis en zu einander schon so geordnet sink, daß in Handele-, < sebictS-, Kolonisation-- rc. Beziehungen nickt eine solche Verwicklung Vorkommen« kann, raß sie das Sckwert auS der Scheide ziehen werden, um zu entscheiden. Hier also ist eS. wo wir leviglich darauf rechnen können, daß daS GerechtigkeitSgesikhl m den Völkern so entwickelt, daß die Friedensliebe so vorherrschend werden wirb, daß sie zu billigen Abtretungen, zu gereckten Opfern sich versieben und sich schiedsrichterlichen Bestimmungen unterwerfen werden, daß die Völker und Staaten sich zu moralischen Personen heranbilden'werden, die Nichts durch robe Gewalt, sondern Alles durch Wahrbeit. Offenherzigkeit und Gerechtigkeit erlangen wollen! Glaubt man. daß bis zu diesem Ziele.es noch weil ist — so vergesse man nicht, daß die göttliche Vorsehung nickt zögert, einer guten Sache;u -Hülfe ru kommen; daß daber die Zeit die äußeren Schwierigkeiten deS Kriegfübrens so häuft, daß die Völker gewissermaßen so lange zu ruhen gezwungen sind, biS sie den Krieg zu vermeiden gelernt haben. Wenn daber der alte Gallust e« nach langem Streite für entschieden erklärt, daß der Geist im Kriege mehr . vermag alS der Körper: so wird der noch ältere Prophet l endlich noch mehr Recht behalten, der es nach langem; Streite für dereinst entschieden erklärt, daß die Völker ' mehr durck den Frieden als durch den Krieg vermögen. ' und den leereren daher gänzlich unterlassen. ..Tie Sckwerter werden zu Semen, d^e Sperre zu Winzermessern geschmiedet. nickt mehr bebt Volk gegen Volk das Schwert, und nickt fürder lernen sie den Krieg." —; Nun — diese Ansichten sind aroch beute die unserigen.; Wir vermögen nichtdaran zu ändern. Mag also immer noch einmal und wieder einmal der Waffengewalt der Entscheid über Menschenunv Völkergkück zusteben — die Jabrbgnderte scheinen dennoch gezahlt, in denen dies noch möglich fein werde. Die israelitische Bibelanstrlt. (§. Rr. 13 d. Bl., . Tie Nr. 18 und 19 der ^lllg. Zeitung v. Juden« I thums enthalten wieder Listen der Beitrage. Die Gej ümmtfamme der Spenden zur Srereolvpirung einer bebraucken und einer hebraisck-keutscken Bibel beträgt danach: 513 Tblr. 9 Ngr. 8 Pf. Allgemeine Zeitung Ke» JudenthumS. No. 18. 1859. Leitende Artikel: Preußen. — Tie israelitische Bibel- Anstalt zur Herstellung und Verbreitung wohlfeiler Bibeln. — Literarischer Wochenbericht. Zeitung»uachrich1ea: Deutschland: Au» Bayern, au» Mecklenburg-Streliv, Fürth, Worms. Worms. Bad Homburg. . Stuttgart. — Preußen: Berlin. — Oefterreichikcher Kaiserstaal: Horic, Bolechcw. — Donaufürstenkbümer: Bukarest. — Frank« reich: Paris. — Algerim: Algier. — Türkei: Smyrna. ^87 Za beziehm durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. [ Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich * 4 Thaler. Rebst einer Beilage. 4 WfTUfl Won Bau«st3rr»er'< erantwor'licber Nedacrcur^ K. Nabe. — Drnck »on «lexenwer Wiede in Leipsift.