Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 18 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
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70 Zufällige ntjrf in von Gott eingesetzten Ordnung.gebildcr.^tnd nicht bloö das Allgemeine, sondern auch jcdrS Besondere nach der bestimmten Zdee Gottes genormt worden. Daber baden tic Berge und Tbäler auch nuri die Räume, eingenommen, welche Gott für sie bestimmte (D. 8). Babei spricht der heilige Sänger aus. kaH diese Weltordnung eine ewige sei, so daß dalrbaos. «aus welchem Gott die Erde, d. i. die Welt, bervorgchen ließ, niemals' wieder rurückkebn. Nunmebr ward die Erde in allen ihren Theilen zum Aufenthalte und zur Erhaltung don GtsckLbfen geeignet. Zuerst die Niederungen. I in.-(Jr sendet CutUcu in die Tbaler. - Sie rieseln zwischen den Bergen dick 11. Sie tränken ali' Gcrvilt des Feldes, Kaldekel loschen ibren Dursi;! 12. An ibnen wohnen die Kogel des Hichmels, Und singen zwischen den Zweigen dervcr. ^b aurd Gon die Gewässer von der Erde zurückgezogen dar, ließ er doch so viel davon zurück, uri die Bedürfnisse der Geschöpfe zu befriedigen; das Gew ld deS Feldes unr^rie Vögel r.s Himmels erfrischen sich!an den durch rie Tbaler rieselnden O-uellen; an ibren ll^ern steben die Bäume, in deren, Gezweige die Vögel mil» weilen und durch das Wasser sich rum Zwitschern und Singen erfrischt 'üblen. Wiv-gber so taS Niedrige, Kleine. Einzelne, so lat auch Gon die Höben und rie ganre ärde versorgt, r.'.mik leytere all' ibre Geschöpfe ernäbren kmne. 13. Er tränkt die Berg' ans seinem Bde-gemack, ' Die Erde sänigl sseb von seiner Werke Frucht; k4. l^ra» läßt er irrießen für das Kieb. .»traut mr tps Menschen Brauch. Brel bringend aus rer Erd' hervor, k.'>. Und 'Wein erfreuet des Menschen Gi mülh, Daß mein denn von Belc sein AiMiiz :ralän;t, ' Und Svene stärker de» Menschen Ger >ürd. iie Bergeschlucken aus der höheren l utzregion un- ^uucibar die Feuchtigkeit ein. die ganze Eide ttbälk ibre Bewässerung aus den Wolken, so daß iür^Viell.(Haustt'iercj. unk Menschen das verschiedene Bed^irfniß Befriedigung erhält. Wir baben bier von der einen Seite Tbaler und Berge, dann Bäche und Regen.?on der andern Seite Gewild. Vögel, Hunslbicre. Mensch u autfteigsnder Vintf. Unübenresslich debr der Sänger nuii den Menschen in das geistige Gebiet, indem er von dessen ..Herzen, Geuülb" spricht, des Menschen ..Her;" Bedürfnisse baben .äßr. unk binsichrlich des Menschen nickt m«ckr bei Hunger unr Dürft sieben bleibt, sondern auck am die Freude, die Belebung seines Herzens und die Slarkunc zur Dollsüb- -.una seiner Lbaren binweist. Der Mensch . ls die Stillung des Hungers, und — ..uck mehr gegeben. Die Zweckmäßigkeit rn der Schöpfung .-uck darin, daß Jedes feinen Zweck nick! sondern rugleich auch für ein Anderes bar.!>:. Es läu gen fick die Bäume de« Eckigen Libanons Zedern, die Er gepfian;>: Da nisten Bogel, Der Storch, Zypressen sind sein Hms; 18. Die boben Berge sind für Gemsen, Tie Krisen Zuflucht für BergmLusf. So klenen rie Baume zum Aufenthalte ler Vögel, die i ohen Berge für Gemsen, die Felsen fük Decgmäuse. Aber der Sänger weiß noch einekh unübertrefflichen Nebenzug btnemzubringen: wie in rer Schöpfung Go res Las Höchste bedurfte mehr, es ward ibm zeigt sich aber blos in fick, mit dem Kleinsten. daS Erhabenste mit dem Geringsten in unmittelbare Verbindung gesetzt worben ist; die Berge, die höchsten, bis in die Wolken sich thürmenden Berge sind zum Wohnen bestimmt — für die Gemsen, die Felsen. §us dem härtesten Granit ansteigend — für die Bergmäuse! Und dennoch erklettern die Gemsen die Berge, und die Mäuse nagen sich in die Felsen hinein. (Schluß solzt.) Plaudereien aus Paris. Paris, 12. April. Fragen, nichtals Fragen! und wenn die Erlebnisse des lausenden Jahrhunderts zu ihrem Abschlüsse kommen, werden die Geschichtsschreiber, wie die Schulmetster. nichts als Fragen vor sich haben, die ibnen jede- Jabrzednt in Form von Broschüren an LeniHalS geworfen.- Die orientalische, die italienische, die römische, und weiß Gott, welche Namen auf -sche die noch kommenden Fragen haben werden bis wir 1900 zählen. Und die jüdische Frage, unter welche die Kammern noch die und ha daS geschmeidige rabbinische Vrrs “srcs versetzen und vorläufig in den Papierkorb werfen? Auch diese ist häufig genug aufgclaucht, und wird sich auch fürderbin geltend machen, gewaltig, doch ohne Sturm; die Veit ergreifend, ohne welterfckütternv zu sein. So oft so eine europäische Frage, in hochtrabender barrosse, anajestälisch über den Erdball rollt, bangt sich ibr hinten rie schüchterne jüdische O-uestion, als überzählige Zofe mil an; da lugt sie durchs kleine Wagenfenstercheii, bewundert den herrlichen Aufwand der feing,puderten Dame im Wagen, und ruft leise: „Madame la Marquise, je voos suis!“ Die gaffende Menge siebt sie nickt vor Staubwolken, und hört sie nicht über das Rasseln der Räder, aber ist man am Ziele, da bemerken erst Wagen- 'lenker und Laguaien, wen sie mugebrachk, und die Marquise betrachtet erst jetzt daS Zerrbild ibrer Doppelgängerin. Da fallen denn auch der jüdischen Frage einige Pfennige zu; freilich nur Berttelpfennige und ES ist so schwer betteln zu müssen. ,.1/Eglise catholique, que je respecte sjocerement ge compose de 139 millions d'indiVidus, saus compter le petit mortara.“ Dir C-ufflioit Morrara Hai gegenwärtig ibren jüdischen Charakter verloren, sie ist getauft und beißt „Qaestion Romaine.“ DaS klingt doch ganz ander-. Die Morrarafrage konnte als solche nickt gelöst werden, denn eine Großmacht arbeitet nur en gros, alle Detail- und Kleinkrämerfragsn sind ihrer unwürdig, und eS wäre widersinnig, verlangte man, daß der Löwe oder der Adler sich mit Infusorien in einen Kampf einlasse. Ich war gleich anfangs der Meinung, daß sie vorläufig in den Schub komvlt; nun kommen aber sämmtliche Groß» Mächte, um den römischen Seeretair zu revidiren, und wenn, ne das Alphabet dnrchstöbern, werden fie wobl den Buchstaben M. nickt unbe'achter lassen. Dem europäischen Areopag biettr aber diese Question ein geeignetes Mittel, bevor er an *ie Losung der italienischen Frage geht, gleich dem Könige Salomo, ein Pröbchen seiner Weisheit und Gerechtigkeit an den Tag zu legen.