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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 18 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
18 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolkshlatt. * Zur Belehrung und Unlerhattung aus jüdischem ^eviete. l Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. ’L [3to. 18. 1859.] Boa dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgang» i Tblr vierteljährig 71, Ngr. Alle Buchhandlungen. Postäfnter und Zeitangsexpedilioae« nehmen Bcftrlluagea an. > [6. 3lahrg. 2. Quartal.] Der hundertundvierte Psalm. Den Griechen und Römern bar in auffallender Weise das tiefere Gefühl für die Naturschönheiten gefehlt. JuliuS Cäsar ist zweimal über die Alpen gegangen, und kein Wort in seinen Commentarlen verräth, daß die überwältigenden Schönheiten diese- GebirgeS irgend einen Eindruck auf ihn, sein Heer und dessen Führer gemacht. Wie anders bei unseren Borvätern. Die gemüthliche und liefe Auffassung der Schöpfung als Manifestation der Gottheit, die Beschauung der Narur, als wo wir die Eigenschaften Gottes erkennen können, als wo uns der unsichtbare Gott sichtbar wird und anbetungswürdig — das finden wir schon in den ältesten Schriften der Hebräer, daS legt sich unschon da herrlich verarbeitet in'S Herz. Darum vermissen wir überhaupt bei den Griechen und Römern Liebe zur Natur, zu den Naturschönbeilen, gemüthlicheS Leben in der Natur. Ihnen wehte aus allen Gebilden der Natur der Geist GotteS nicht entgegen, es fehlte ibnen der Bezug deS Stoffes zu der geistigen Welt — sie sahen überall nur den Menschen. in Gott und Welt. Ganz anders erscheint es uns in der Schrift. Allerdings bietet sich in den prophetischen und historischen Büchern seltener Gelegenheit dar. auf die äußere Schöpfung und daS Walten der Gottbeit in ihr zu kommen — obgleich in JesaiaS herrliche Worte hierüber gesprochfn werden — desto lebendiger und herrlicher mach! eS sich Bahn in den poetischen Büchern. t Neben den Hiob tritt hier der 104te Psalm alvollendetes Meisterwerk hin. Die ganze Natur, wie sie entstand, und wie sie bestebt, wird in einem großartigen Gemälde als Werk und Aeußerung Gottes und seiner Eigenschaften dargestellt. GotteS unbeschränkte Macht, GotteS unergründliche Weisheit und Gottes unerschöpfiiche Güte — diese Drei werden vom Dichter in den großen und kleinen Werken und Einrichtungen der Natur geschaut; jedennoch aber die Schöpfungen der Natur wieder als eine Verherrlichung GotteS angesehen. Dadurch entsteht eine solche Verschmelzung GotteS und der Natur. eine solche Vereinbarung deS Schöpfer- und deS Geschaffenen, daß wir Gotte niemals naher gerückt waren, daß wir Gott m allen Höhen und Tiefen unmittelbar fühlen. Auf die glücklichste Weife wird so die Betrachtung und die Empfindung verschmolzen, daß auf diesem doppelten Boden daS Bewußtsein der Gottheit sich unS unerschütterlich aufbaur. l.iPreise, meißle Seele, den Ewigen! Ew'grr, mein Gott. Du bist sebr groß. Kleidest Dich mir Pracht und Glan;! 2. Hüllend sich in Licht wie ein Gewand, Spannend den Himmsl wie Zelttepsfich, . 3. Ballt' er njit Wassern sein Obergemach, Machet Wolken zu seinem Wagen. Wandelt aus dm Schwingen des Windes; , 4. Winde macht er zu seinen Boten, . I Feuerflainmrn zu seinen Dienern. ' Der Sänger will zuerst Gott als Naiurgolt. als den in der Natur wallenden Gott zur Anschauung dritsgen, und mit jener glücklichen Naivetät, die.wir nur bei den Alten finden, bringt er dies zum Gefühl, indem er die ganze Natur als das Hau-, daS Zelt, die Wobnungf Gottes zeichnet. Da staden wir denn daS Gewands, die Zeltteppicbe. daS Obergfmach, bas Gespann, die Boren und Diener, und sehen unjS-so in die Wohnung einehochgebietenden EmirS versetzt. Aber welche- EmirS! — Das Gewand ist das, hie ganze Welt erfüllende Ltthr. die Zeltteppicbe find die Himmel, daS Obergemach ist auS den oberen Wassern — der Hebräer denkt sich oben und unten eine Wasserfläche, zwischen beiden die Ausdehnung oder den Himmel, auf der unteren die Erde — gebildet, daS Gespann find die. Wölket, die Boten die Winöe, die Diener die Feuerfiammen. Iei mehr hiervor *ic Macht des Menschen zusammenschrump!st, desto größer wird (dadurch Gott gestellt; immer aber dieser wieder uns nabe gebracht, da die Vergleichspunkte aüS dem Leben' deS Menschen. entnommen find. — Dafilit aber all' dies Gotte nicht gegeben scheine: muß der! Dichter in die Erinnerung ruren, daß Allenur Werk GotteS sei. 5. Er hat die Ltd' auf ihr« Besten gegründet, " Sie wanket nicht in Ewigkeit. » 6. Du hattest mst Flmh wie Gewand sie bedeckt, - Auf Bergen standen GewLffer — 7. Bor Deinem ^Dräuen ftohm sie, Bor Deiner Donnerftimm' emeiltm sie; 8. ES stiegen Berge, sanken Thaler Zum Raum, den Du für sie gegründet; 9. Du fetztest Sireuzen. sie überschreiten sie nicht, Nicht kebren si t wieder, die Erd' zu bedecken.— Diese Schöpfung bidcutei dem Dichter, daß das (allerdings auch von Gott yettübrende) Chaos durch, von Gott festgestettte Gesetze in reine strenge Weltordnung 6» wandelte, wobei sowohl!die Weisheit Gottes, welche diese Ordnung erdachte, als auch die Macht GotteS. welche sie auSführte, erkennbar wird. Wir werden hierbei zu zwei besonderen Bemerkungen angeleitet: 1) wie das Größte sowohl als daS Kleinste nach GotteS Willen geschehen ist. 2} wie auch daS scheinbar Richtgeordnete, das scheinbar

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