Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 14 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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„Du sollst den Namen de- Ewigen, Deine- GotteS nichl mißbrauchen" u. s. w. Der Sohn gewann die Kraft de- Märtvrerthumwieder und streckte willig die freigegebenen Hände dem Henker wieder hin. „Entfernt den Alten, Herr Richter", bat der Jesuit, „seine Teufelei und Zauberet verheil den unschuldigen Sohn." Egeschah, aber auch am Sohn erwiesich der erste und zweite Grad der Tortur erfolglos. ES galt nun grausamere Wahrheitöerforschung-inittel. Aber waS sollte man mit dem alteren Manasse beginnen, der nach dem ersten Foltertage erkrankt war, und.bei dem der Arzt Wiederholung der „peinlichen Frage" als lebensgefährlich erklärt hatte? Man beschloß, ihn bloS zum Zeugen der Leiden seines Sohnezu machen. Und so führte man beide nach drei Tagen wieder an den beschriebenen SchreckenSort, wo dieselben. Personen und außer ihnen noch einArzt sich befanden. Der Scharfrichter schritt nun zum dritten Grade der Tortur. Er band den jungen Torre, zog ihn auf die Leiter und fing an, ihn so zu schrauben, daß man hätte weinen mögen, wie da- Protokoll sagt „daß ihm daS Herz im Leibe zerbrechen müssen." Eigentlich durfte die Tortur gegen den Jnquifiten gesetzlich nicht wiederholt werden, da er die früheren ohne Bekenntniß Überständer, hatte, aber die Richter jener Zeit wußten sich zu helfen. Sie sagten: Wir wiederholen die Tortur nicht, wir setzen nur eine unterbrochene fort. Nachdem der Unglückliche Stunden lang dieser Marter au-gesetzt gewesen, schritt man am folgenden Tage zum höheren Grade. Doch hinweg von diesen Gräuelscenen, die Feder sträubt sich, der Leser wendet' sich mit Entsetzen ab. Die kühnste Phantasie kann nicht härtere Ovalen ersinnen, alS die Justiz jener Zeiten auf jeder Seite in Stadt und Dorf, in allen Landern unbietet. Lader die entsetzliche Masse der Verurtheilten. Wenn alle Sprachen ihr Contingent an Flüchen und Verdammungen stellten, und daganze Heer derselben würdf in Furienwuth gegen die Blasphemie loSgelaffen, welche 'der gottvergessene Wahnwitz früherer Zeiten mit raffinirter Spitzfindigkeit durch die Folter Jahrhunderte hindurch beging, nicht der tausendste Theil deS Schmerz,nSmeereS eineeinzigen der Millionen Unglücklichen würde gesühnt, nicht die schwächsten Bestialitäten der Tausende von Bluthunden, welche sich Scharfrichter nannten, wären gerächt. Wehe jenen Zeiten, wo die Seufzer und daS Jammergeschrei der Gemarterten in Dorf und Stadt wie auö der Erde herauSstöhnten unv zum Leben de- StaateS gehörten wie die Ernte auf dem Felde. Heil un-, deren Richter im elendesten Verbrecher den Menschen, Gotteö Ebenbild schonen müssen!- Da die Angeklagten, trotzdem noch ein anderer Scharfrichter hinzugezogen worden, die Tortur glücklich überstanden hatten, so hätten sie freigesprochen und nach abgeschworener Urphede entlassen werden müssen. Aber ihr bedeutende- Vermögen hätte ihnen dann nicht vorenthalren werden dürfen. Da- Gericht-cvllegium hielt sie anderweit für rechtlich überführt und ordnete ihnen, da ein Dertheibiger nicht zugelaffen wurde, statt dessen den i» Capital» fällen vorgeschriebenen Correferenten zu. Dieser Letztere war ein humaner Mann. Er nahm sich der Juden mit Wärme an. „Mit nickt-", sagte er, „sei erwiesen, daß sie di« bedeutende Masse Goldeerbettelt oder gestohlen hätten. Bettlern gäbe man keine Dublonen oder man müßt» annehmen, alle wohlthättgen.Leute in Italien seien Fürsten. Esetze auch eine eigene Manie voran-, nur Gold und nie Silber zu stehlen, auch nur Geld, nie andere Kostbarkeiten. deren keine bri dep Jnquifiten gefunden worden seien. Letztere seien zwar Juden, aber egäbe deren auch ehrlicke und wenn nickt, so könne man noch nicht auf einen nächtlichen, tobe-würdigen >Diebstahl mit Waffen folgern. Der Juden Brotmesser sei'' gar nicht von solcher Beschaffenheit, um ein Stück auö einem Hemde unbemerkt zu schneiden, der Fechtmeister hätte denn im Tode-schlafe liegen müssen. Womit e- Menu wahrscheinlich gemacht, daß er/eine Menge G^olde» vorher besessen, da doch derartige Leute von der Hand in den Mund zu lehen pflegte», und wie er daschwere Gold auf der Brust habe tragen können und wozu, stntepiale.n er ein unerschrockener, tapferer Mann sei. Dan Str-aten sei zwar kein Katbolik, aber selbst wenn ein ketzerischer Christ so für einen Juden bitte, so. sei hierin etliche Bürgschaft für deren moralischen Lebenswandel nicht zu, verkennen. So müsse er denn die" Freisprechung seiner Clienten beantragen oder wenigstenderen Derurtbeilung nur zu einer außerordentlichen Strafe. Schließlich gebe er der Weisheit dehohen Rathanheim, den moralischen Einfluß eine- Vater-, zu bedenken und zum wenigsten den Sohn gar nicht oder gelinder zu bestrafen. Am Tage nach erstatteter Re- und Correlation wurde den beiden Juden vor j vollbesetzter Gericht-bank dafolgende Crkenntniß vom Vorsitzenden publirirt: „Im Namen de- König-! DaS große Banngjerickt zu Mailafih, indem eS die DertbeidigungSschrift des Correferenten Terceira verwirft, nach Anhörung de- Fi-cal- und geschehener gänzlicher Befragung der Jnquifittn, findet die Angeklagten Manasse und David Torre au- Amsterdam trotz mangelnden Bekenntnissegenügsam überführt üNd. verurtheilt sie wegen nächtlichen großen Diebstahls mit Waffen, begangen.an Raoul Menu, Fechtmqister im Dienste Sr. Französischen Majestät zum Tode durch den Strang, zu vollstrecken aus dem großen Hinrichtung-Platze vor der kort» orientale, weist die Hälfte zßrer Güter dem Kloster Sancta Maria della Grazie, die andere Hälfte besagtem Raoul Menu zu^ dock daß von letzterer zuvor 200 Piaster für deö Königö Schatz genommen werden sollen. Everdammet die Jnquifiten zu alleft Kosten de- Prozesse-, bestehlt, sie auf einer Kuhhaut zum Richlplatzo zu schleifen,, um dort gehängt zu werden, bisie todt sind und daß man ihre Köpfe auf einen Pfahl stecke zum warnenden Erempel. Von Recht- Wegen." Vater und Sohn hörten da- Urthril mit Gleichmuth an. „Gelobt sei der Herr", sprach der Aeltere, „daß er unden Händen unserer Peiniger entreißt." Da- Unheil ward am Tage nach d^r Publication erecutirt, denn die peinliche Justiz hatte in solchen Fälle» damals große Eile. Niemals hat ein Angeschuldigter den Allgerechten besser abgebtlde». aldie Delinquenten, da sie zum Richtplatze durch die wogende und jubelnde Menge geschleift wurden, so. freundlich und gelassen sahen sie au-, so sehr spiegelte sich blie vollste Unschuld auf ihrem Gefickte ab. Alle inneres und äußeren.Ovalen hatten die