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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 14 (1859) · p. Seite 54

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
14 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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54 Die Fensterläden waren geschlossen. Vor eiffem großen ovalen Tische auf einer im Hintergründe des Saalehestndlichen Estrade saßen sieben Richter, qn einem kleinen Tische seitab rechts der FiScal, links der Gerichtsschreiber. TaS platte Licht, welchezwei vom Plafond nieberhangende venetianische Ampeln auf die Gesichter der Richter fallen ließen — unter ibnen befand sich auch der Inquirent — erhöhte da- Unheimliche und Düstere der Scene. „Tretet näher", befahl der Vorsitzende. Trabanten schoben die beiden' Juden bis: vor einen kleinen Tisch, auf dem als UeberführungSgegenstLnbe ein Leinewandlappen, ein Messer und eine Rolle 'Dublonen lagen. „Manaffe und David Torre, hört den Spruch de- Gericht-"/ fuhr der Präsident fort. Der Gerichtsschreiber trat auf und laS mit grabe-dumpfer Stimme: „Im Namen de- König- Philipp des Fünften. Einte* mal Manaffe und David Torre de- BetkelnS' und der v LandKrricherei und vieler während derselben verübten Diebstähle dringend verdächtig und durch daS beschworene Ze^lgtllß de- Radul Menu, Fechtmeisters in Diensten Seiner Majestät des allerchristlichsten Königs Ludwig XIV., für genugsam überführt zu achten find, daß sie in der Rächt vom 1. aut den 2. Mai des Zabres 1702 nach der Geburt unseres. Heilandbesagten Fechtmeister, herbergend in der hiesigen sogenannten Weltkugel, mit Waffen in der Hand gemeinschaftlich in. der Art bestohlen haben, dqß sie dem Damnisicaten im Schlafe aus feinem Hemde! dasjenige - Stück geschnitten, worin derselbe belchwornermaßen 62 Dublonen eingenähet unv verborgen harte, in Anbetracht der Schwere dieses peinlichen Verbrechens, des in ihren Ranreln aufqefundenen genau zu dem fehlenden Stück des Raeul Menu'schen HemdeS raffenden Leinwandstrockes, eines ihnen gehörigen scharfen Brotmessers, womit die Thal vollbracht ru fein scheint und der von Raoul an der Jahreszahl und anderen Merkmalen als die seintzen aner-! kannten bei den Juden saisirren Dublonen und Pistolen, gestalten ferner die beiden Miffelhäter der vorhandenen schweren Anzeigungen ungeachtet zu freiwilligem- Geständnisse nicht zu bewegen sind, so verordnen wir: ts find die beiden Jnauifiren nochmals gemeinschaftlich in Güte, jedoch im Beisein des Scharfrichters mit seinen Marterwerkzeugen, rum Geständniß der reinen Wahrheit unter dem erforderlichen Verwarnen zu vernehmen und zu befragen, und ist, wenn sie bei ihrem frechen Läuznen beharren sollten, mit der Daumenschraube, und wenn diese fruchtlos sein sollte, mit dem spanischen Stiefel und sonst weiter wider sie zu verfahren. Jbre Geständnisse sind am dritten Tage vor unserer GericktSbank bei Strafe abermakger und schärferer Tortur zu wiederholen. Ergehet darauf, und wenn solches geschehen, die Jnquifiten auch mit ihrer Verteidigung ,gehört worden, ferner waS Recht ist. Don Rechtswegen." .,Juden", redete fie der Präsident wieder «n, „man wird Euch gemeinschaftlich diese Nacht in einer besseren Zelle verwahren. Wollt Ihr ein Geständniß ablegen, so sinder Ihr einen Klingelzug. Zu jeder Zeit der Nacht dürft Ihr nach dem Jnquisttionsrickter unsere- Ratbeschellen. Tie Anschuldigung de- VarerS gegen den Sohn und. umgekehrt wird uns albeweiskräftig erscheinen. Tretet ab!" - t Keine Klingel ertönte während der ganzen Nacht. Der Gefangenwärter kam am frühen Morgen und führte die Gefangenen über den von hohen Mauern umgebenen Hofraum nach einem riefen Keller. Hier lag die Marterkammer. Der Inquirent und der FiScal in ihrer AmtStrachl, der Scharfrichter in blutrothem Gewände und der 'Jesuitenparer waren anwesend. Der- Richter wandte zuvor die Territion an. Cr suchte sie durch Vorhaltung der wider sie vorhandenen Anzeigen und Bedrohung mit der Tortur zum Geständniß der Wahrheit zu bringen, während der Scharfrichter ibnen die vorhandenen Marterinstrumente und die Art und Weise, wie sie angewender werden, auSeinanderfetzte. „Gesteht. Unglückselige", sprach der Priester, „die Kirche wird dann unter Bedingungen Euer Leben retten." „Wir sind unschuldig", rief der junge Torre enttüstet und fürchten die Qualen beS Körpers nickt, foltere Du nickt unsere unsterbliche Seele." Wiederholt drang der Priester auf ein Geständniß, während der Büttel nun die Realterrition in der Weise mit den Jnquisiten begann, daß -er ihnen den Manerkittel und die Marterinstrumente, jedoch ohne Schmerzen zu verursachen, anlegte. Vergeblich, sie schwiegen. Richter und Fiscal besprachen sich leise — plötzlich rief der Erstere: „Marterkneckt, thut EureS AmteS und beginnt mit dem Alten" — jeS ist diegegen den Gebrauch). Dieser ergriff die zitternden, dürren Hände deS GreiseS und legte den Daumen jeder Hand der Länge nach zwischen zwei eiserne Stäbe, welche durch eine Schraube mir einander verbunden sind, dann zog er die Schraube an, preßte und quetschte, daß die Knochen krachten. Der Greis verlor das Bewußtsein und fiel in Ohnmacht. Nach einer .kurzen gegönnten Erholung, wahrend welcher vergeblich auf ein Bekenntniß gewartet war, schritt der Martern zum zweiten Grade. Er nahm, ein breite-, eisernes Band in der Gestalt eines Steigbügels, in welchem fick gleichfalls eine Schraube befand, und legte es in der An um die Wade deS alten Mannes, daß ein eiserner Querriegel über das Schienbein lief. Nun zog er die Schraube an, man nannte das „die spanischen Stiefel schnüren" und quetschte Waden und Schienbein. Töne deS Grausenunv Entsetzenließkn sich hörest, aber st^verstummten bald, durch Auflegung der „Birne" auf dm Mund deS Gefolterten. Bon Zeit zu Zeit wurden die Stiefel geöffnet und dann um so fester zugezogen, wobei der Henker mit einem Hammer aus den Riegel klopfte, um den Schmer; zu erhöhen. Diese Tortur batte eine Stunde gedauert, der Richter mußte aufhören lassen. Zerschlagen, ein Bsld des Jammerwurde der halbtodt gequälte Mann in eine Ecke der Kammer gelegt. „Laßt den Sohn nun Klavier spielen, wir wollen dock sehen, ob er wie sein Dater ein Dirruoist im Spielen de- LügenthumeS." Der Scharfrichter applicirte dem jüngeren Torre die Daumenschraube, ganz wie vorher beschrieben ist. Der Gefolterte, von zartem Gliederbau, schon zermalmt durch den Anblick der Qualen-seine- DaterS, rief im Entsetzen de- Schmerze-: „Mein Gott, mein Gott, ich will ja Allegestehen!" Da hob der Alte in der Ecke sein Haupt und stöhnte isthebräischer Sprache:

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