Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 14 (1859) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
14 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999350-6000900--1319-4909897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Indisches BolkSblatt Zur ' * Leiehrung und Anterhattung auf jüdischem ZeKiete. SerauSgegeben von - - Rabbiner Br. Ludwig Philippson in Magdeburg. Mo. 14. 18SS1 von dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich eine Nmmner. Preis tes^Iahr. gangs l Tylr Lierteljihrig 7',, N>r. >Ne Bnchhaudlnnqe», Postämter und Zeirnnz-exveditione» »eh«r» vestelnnge» an. [6. AMg. 2. Quartal] Jüdische Criminalgeschichten. I Erzählt vom Rechtsanwalt vr. Calm. - I. fr Ein Stückchen Leinewand, l Schliß.) Am vierten Tage früh weckte der Schließer den Sohn, entledigte ihn der Keffeln und brachte ihn inst HefLngniß! deS Vater-, den man schon Abendvorher entfesselt hatte. Beide sanken sich in die Arme, der Vater sprachlos, der Sohn unter dem Ausrufe: „Vater, Väter, weh mir, weh, ermattet ist meine Seele, den Würgern fallen wir in die Hände'/' t Der Greis erwiederte: „Vertraue auf Gott, mein Sohn, und fürchte ihn, dann bricht hervor wie die Morgenröthe Dein Licht und Deine Genesung wird schnell gedeihen, und vor Dir her' geht Dei:r Heil und die Herrlichkeit Gottes beschließt den Zug." Der Gefangenwärter brachte zwei Taffen Meskolade und setzte sie den Gefangenen freundlich vor. Sie tranken nicht davon. Der Wärter ging hierauf mürrisch ab, und eS trat ein Vater de- Zesuirencollegii Brera ein. Er machte daS Zeichen deS Kreuzeauf Stirn und Brust, dann grüßte er freundlich. ,Luden", redete er sie in der Sprache ihres Landes mit mllder Stimme an, mich schick» der bochwürdigste Herr Erzbischof, bei dem van Sttaaten für Euer Leben gebeten bat. Nehmt daS Sakrament der heiligen Taufe — und das Leben soll Euch erhalten werden." Keine Antwort. „Schrecklicher Tod ist Euch hier gewiß und ewige Der« dammntß dort, wählt daS Leben." Sie schwiegen. .Senkt der furchtbaren Marterwerkzeuge der rächenden Strafgewalt!" Die Gefangenen zuckten unwillkürlich und fuhren er« schreckt zusammen. Manaffe Tone richtete sich aber alsbald hoch auf und sprach im bitteren Tone: „Welches Wort des Herrn gebietet und erlaubt Euch den Fluch dieser Folterqualen?" „Jude, Dein und unser Gott, er sprach durch MofeS, seinen Gesandten: „So wird in sie kommen daS Wasser, daS fluchzeugende, zur Verbitterung, ihr Lauch schwillt» ihre Hüfte schwindet und daS Weib wird zum Fluch in der Mitte ihres Volkes." Die-, so sagen mit Recht unsere AnSleger deS göttlichen Worte-, ist die Vorschrift der Tortur. Roch einmal, ich bitte und beschwöre Euch, werdet Christen. Du insbesondere, mein lieber Sohn, beim Anblick degebrechlichen Vater-, wende Dich von der Irrlehre ab, bekehre Dich, Du rettest Dein: und Deine- DarerS Leben, denke daheim der Mutter und Geschwister." Der Sohn antwortete nicht, er warf sich wit Ungestüm an die Brust de- Vater-, der ihn segnete und dann laut sprach: „Diese- Mailand ist die Stadt der Heimsuchung, denn eist nichtals Bedrückung darin, wie audem Born! die Wasser quillen, st entquillt ihr die Bosheit — Gewalt und Frevel wird da gehört vor seinem Angesicht, beständig Schmerz und Wunde»." Der Priester ging erzürnt. Man trennte nun die Unglücklichen wieder, nachdem dem Vater, Angesichtseine- Sohne-, eine eiserne Stange vom linken Fuß nach der rechten Hand angelegt und die darum geschlungene Kette fest an die Krampe gezogen war, die an einer Wand de- Kerkersaß. Ebenso geschah dem Sohne, sobald er in seine Zelle zurückgefübrr worden. So standen sie über einen Tag und eine Nacht, während die Haut um Hand» und Fußknöchel von dem schmerzhaften Druck roth anlief. Man hatte sie Heringe essen lassen — und vergeblich schmachteten sie nach einem Trunk. De» Durste- Fieberhitze durchglühte ihr Gehirn, wie Vorbotin de- Wahn« sinne-. Am Mittag. deS anderen Tagewurden sie von ihren Keffeln befreit. Man führte sie einzeln jeden in einen besonderen Raum deS Parterregeschoffe». Hier waren die Zimmer de» UowrsuchungSrichterS. Mit voller Gluth strahlte die Sonne durch die großen, unverhängten Fenster de- Gemache». Ihre Augen, an» Dunkel gewöhnt, wurden von den Sonnenstrahlen wie von tausend Nadeln durchstochenrund wie von giftigen Pfeilen durchschossen, thränten und traten roch au» den Höhlen. Derselbe Richter, der sie verhaftet hatte, verhörte sie einzeln, je im besonderen Gemache, so daß sie von einander nicht wußten. Dann ließ er jedem ein Ola» Wasser, reichen. da-.fie begierig verschlangen. Sie wurden al-bald wieder 4» Zwischenräumen jeder nach seiner Gefängnißzelle gebracht, aber nicht gefesselt. Die Hoffnung, die einzig« Freundin der Unglücklichen. täuschte sie mit dem Wahne, daß man von ihrer Unschuld sich überzeugt habe. Aber schon um die 21. Stunde Abend» wurden sie abermals audem Kerker durch lange Gänge in dapveite Stockwerk de- Haufe» geführt, wo man sie beide auf dem Eorrivor wobl eine Stunde stehen ließ. Doppelte Bewachung verhinderte jede Unterredung unter Hen Inculpaten. Endsich klingelte e» von innen, man führte ste in einen großen, hochgewölbten Saal.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.