Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 12 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4908862-5999350-6000898--1311-4909891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
47 Schlafes angeben; Sie werden dieselbe als Ermüdung. 'Abspannung. Absorption der Kräfte während teS Wachenkennzeichnen. Aber waS eigentlich in unserem Geist und Körper rorgebt. wodurch denn daS Selbstbewußrsein. und .n Folge dessen die BewegungSfahigkeit und die (Sm* pfÜnglichkeir der Sinne verloren gebt, das Ihnen zu sagen. >Ü weder der Naturforscher noch der Philosoph im Stande und so bleibt für uns der Schlaf ein Rätbsel." ..In der Thal wundere ich >nich immer, wie die Natur- 'orscher zu dem Hochnnud kommen, mit welchem ne fich namentlich in unserer Zeit über die höchsten Fragen der Menschheit abznutlheileu getrauen, wahrend sie die gewöhnlichsten . im^rerfolt u»d bei Allen wicvclkebrendcn Vorgänge nicht zu erklären vermögen. ttebrigcnS ist «S doch ein Zeichen der großen Schwäche unserer Natur, das; wir. nach kaum einigen Stunden der Tbätigkeit, un« aufhaltsam einem solchen Zustande der Ohnmacht anheim» falten, und derselben bedürfen, um nur unsere Geistes, u.ld Körperkräfle aufrecht zu erhalten. So und so viele Stunden nstbt zu leben, um wieder einige Stunden leben;u können, zeigt, daß der Faden unseres Lebens noch sehr eäune gesponnen, und den Menschen abermals belehren, daß es Wesen über itm geben müsse, die dieser Schwäche ircnigrr oder gar nicht nnttlworsen sind. Doch kommen wir wieder zu unserem Gegenstände, Erklären Sie den Sälas für ern Rärhsei. so werden Sie den Traum für er.r noch größeres ballen müssen?" ..Doch nicht ganz. Wir können oft den Tbcil eines Ganzen begreifen, während uns VaS Ganze weniger erklärlich ist. Sie sagten selbst, daß wir wahrend deS Schlafes vaS.Selbsthtwußtfein verloren haben; kieS setzt ..her doch noch pid't voraus, daß bicrnrit jede Thätigkcit des Geistes aufhöre. So wenig wie verschiedene Funeironen deS Körpers, B. Atl'mung, Verdauung, Kreis, lauf des' DlureS. wäbrcnd teS Schlafes unterbrochen werden, obschon sic sicherlich in gemäßigterer Weise vor sich gehen, eben so wenig braucht die Thätigkcit VeS Geistes während des Schlafes gänzlich zu feiern. Die Verrichtungen deS Körpers, welche ini Schlafe fortvaucrn, und die unwillkürlichen, die dem Willen des Menschen gar nicht oder nur in sehr gerin-em Maße unterworfen sind. Unser Wille kann eine kurze Zeit das Arbmen -ufhalten. aber nicht lange; über Verdauung und Blut, umlauf verrnag er gar nichts. Wir können ebenso sagen, daß der menschliche Geist in ununterbrochener Tbätigkeit ist, wie der Körper, unD daß diese Tbätigkeit nicht ganz unserem Witten unterworfen ist. NichlS denken ist den» Menschen uniuöglich. und so schwach und unbedeutend es .uidv. oü sei» mag. mit Etwamuß der Geist imnwr beschäftigt sein. DaS, was der Willkür des Geistes nicht ganz unterworfen ist. das ist die sogenannte Zdeenverbin. tuug. Durch eine Wahrnehmung unserer Siime, oder durch ein Bild. daS innerlich im Geiste heraufgekommen, wird dieser unwillkürlich an andere Bilder und andere Gedanke» gebracht, die oft nur den unbedeutendsten Anknüpfungspunkt an die vorangegangcnen besitzen. Der wache Geist vermag allerdings durch seinen Willen diese Id.enverbinduug zu beschränken, indem er seine Ausmerk. samkeit kräftig und angestrengt aus einen bestimmten Gegenstand lenkt; sonst aber wird diese Ideenverbineung ganz unwillkürlich sein. Wohlan, der Traum ist die ordnet. beschrankt und ihrcS Inhalt-! Sie recht verstanden, müßte die gänzlich unwillkürliche Tbätigkeit unseres Geistes, bei welcher das Bewußtsein! daS Spiel-der Bilder in fcincvici Weise beherrscht, bewußt wird." „Hiernach, wetn ic Frage, ob wir n!ähre^d d^L, ganzen SchlarcS rräumen, oder nur zu Zeikeiz, bembendVnzschi^den wexden? .Aller» bingS, und die Lbatsar^e bestätigt ^ieS, daß möge» wir zu welcher Zeit d» SLlafeS es wolle geweckt werten, wir immer gerräußit haibenl SS l!omrnt nämlich darauf an. wieweit das ^?cwußrseiü plötzlich und lebhaft-in den Schlaf einkritl uNv d, nselben unterbricht oder langsam schalen deS Sü'lafeS allmalig hineinsein Licht in die mischt, um zu bl wirke r. dass das Bewußtsein sich noch der letzten. Bilder ftcfl TraumeS bemächtigt, um zu wliien daß wir geträumttatcK, oder gar [sich deS Inhaltdieser letzten Traumbilde; klar zu 'erinnern. Demungcachret ge ö cineS'TrauuttS länöchst aüffallvirder oder um sich) niä'l bald zu einer beim Erwachen nsichl noch viele Umschiebk cs sehr se kcn. daß wir un gere Zeit erinnern (st muß von l tieserichüiternker '.ln.gewesen sein, verwischen, auch wenn wir uns klar erinnerten." ,,8"3 scheinen mir für,Ihre *2 stände zu spreche r; Werden nicht die Träume auch oft auS unserer Gen ürhsstunmung, *«ius unserer GeiftcSbe» schäfligung wäbrcnd tfjä WachenS.1 werden, sie »üchl auch auS bcsoiidern Srsnrmungen unsere-Körpers sich herleitLN müssen?" ..Sehr richtig Wer.bypochoiidirifch leidet, oder wessen Blut entzündlich paUt[oder stockt.'dessen Träume nebmen sicher eine dumzfe. düstere oder rasche. leideTrschafiliche Nichlung an. L essen!Geuu'llh mH Trauer erfüllt, wessen Geist roll Sorgcn isii. dem wirh die Traumwelt nicht minder Erscheinungen ähnlicher Ark'h.rvorbringen. Daher kommt eS. daß wir in; der ersten Zeit nach dem Verluste eines tbcuren Minschcn oü von ipm »äumcn, während sich ticS später; erlievr. Indessen läßt sich daS Lebens deS Geistes, un) nanientlich in^ dieser unwillkürlichen Sphäre nicht na;) einseitigen Regeln scftstcllen. In der menschlichen See e ist!tie Reactio^ ein Grundgesetz. Die Trauer verlangt ßebiekerisck Freudq, wie eine übermäßige Freude Schmerz;! nicht allein die Sehnsucht verlangt Be» friedigung. sonders auch die Befriedigung nach einer netten Sehnsucht; die Sorge spielt am! liebsten mit der Hossnung, während [Die Hoffnung »cJr der Täuschung b.mgt und den Gedanke^ an diese ^csthast. So mag unL auch die Traumwelt osr genug niit ihrem Spiele necken, und die Trauer unserer Seele mit luftigen Bildern des Glückes unterbrechen. .und! den Hochmuib heS GlückeS nnt tüsteru Gemälden der Verzweiflung beschatten. „Dies bringt mich denn zu ^iner Frage, welche ich nur mit Scheu an Sre richte, aler die ick kmuod>nicht zu unterdmckcn [vermag. WaS hallen Sie denn von ' Träumen? -! ' ' r Mein Freund crwicdcrte lächelnd: .^Lotten Sie sich nicht deutlicher a.^uSdrücken?^' I „Je nun, oh Sie glauben, ob Träumen eine Bedeutung ' beizulegen sei, über nicht? I Oder vielmehr, ob eS Träume giebt, dÄe unSl einen Dli^ in die Zukunft werfen lassen, oder nicht,? Träume, die pnS von ganz bestimmten Ereignissen, welche gleichzeitigpter entfernt von unS,