Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 11 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 von Seilen der Regierung tolerirt sein, Wanderbuch, Lehr- und Wanberjahre haben; und zweitens muß die Pesther Lederinnung Sie als Meister aufnehmen, welches wohl Jahre lang fich hinziehen dürste../' So kühn und ausharrlich er in seinen sonstigen Ent« würfen unö Planen immerhin zu sein pflegte, sab er doch ein, baß er diesmal etwas UebergroßeS gewagt, sich zu viel zugelraut habe. Dabei hatte er noch von Glück zu sagen, daß seine würdigen Brüder, Jsak und Joachim, weit ent« fernt, ihre mißliche Lage ihm zum Borwurfe zu machen. Vielmehr tröstend und austichlend auf ibn einzuwirken bestrebt waren. Aber auch der kühnste Schiffer muß endlich die Segel streichen, wenn er aufblickend zum trüben Himmel, sieht, daß denselben kein Strahl durchbrechen will; und seinen Blick wieder niedersenkenb, Vas fortwährende Loben der Slurmfluthen mit den bangen Seufzern seiner bleichen Umgebung in eine schauerliche Harmonie sich vereinen hört... , Selbst die alte, herzinnigliche Theilnahme des Juden für den Glaubens- und Leidenöbruber — der Hafen,, zu dem jeder unglückliche Israelit von jeher seine Zuflucht zu nehmen gewohnt war — schien ihn diesmal getäuscht zu haben. So oft er mit einem Pesther Glaubensgenossen über feine Angelegenheit Rücksprache geiwmmen, wurde er als ein Sonderling bedauert, weil er „als fremder Jude auS Slovaken so mir nichts dir nichtwagte, nicht nur in Pesth ansässig zu werden, sondern zugleich ein zünftiges Geschäft betreiben zu wollen!" — WaS der eiserne Käfig für den himmelanfiiegendey Avler. baS schien jetzt das ersehnte Ideal, Pesih, für unseren Bernhard Löwy zu sein. — Endlich lud er seine Brüder zu einer endgültigen Berarhung ein, wobei er selbst auf daS schleunige Verlassen dieses Ortes drang: „Ich habe nachgedachl, meine Brüder" sprach er in bitterlich gereiztem Tone — „und gefunden, baß wir von! hier fort, bald fort müssen! Wozu Zeit, Kraft und Geld in einem langwierigen, vielleicht gar unnützen Kampfe ' vergeuden? . . . Lasset uns aber darob nicht verzweifeln. Brüder! Sollte eS nicht in der Nahe PesthS Grundherr- > schäften geben, die uns mit aller Bereitwilligkeit aufj nahmen?... Ich habe bereits Erkundigungen eingeholt" — futy er nach einer Pause in gehobener Stimmung ' fort — „und sehet! man sagte mir, daß sogar in der; nächsten Nähe PesthS die Grafen Kärolyi. dieselben, I auf deren Grund unsere Fabrik zu Nagy-Surüny gestan« : den, Besitzungen von Dörfern haben, zu denen Palota | gehört, wo bereits seit Jahren ein Pesther Jude NamenS! K... eine Tuchfabrik errichtet hat..."! Nach erhaltener Einwilligung seiner Brüder fuhr er : noch am selben Tage in Begleitung deS Jüngsten nach Palota, wo er sich, sogleich dem gräflich Kurolyischen | Güterdirector verstellte. Wie groß war da seine freudige! Ueberraschung, als er in dem Güterdirector keinen andern I als Herrn v. Bürg erblickte, der früher zu Nagy«Suranv j als Beamter fifngitte und daselbst nock in gesegnetem! Andenken fortlebte! Dieser, .der Löwy'S verstorbenen; Dater hochschätzte, nahm auch den Sohn desselben freund- > lichst auf, willigte in fein Verlangen mit dem Bemerken , «in: sich sogleich auf Burg'S Verantwortung einen für eine Fabrik geeigneten Platz in Palota auszusuchen, indem er die fernere Bürgschaft bezüglich deS Grafen gern übernehme. Bald fanven die Ärüber in der That einen ihrem Zwecke vortrefflich entsprechenden Platz auf. glaubten jedoch — um nichts ohne.Sjnw lligung ihres, Bruder Jsak zu unternehmen — vorerst e.ne Rückreise nach Pesth antreten zu müssen. Auf halben Wege, um bei dem sogenannten „Notärwirthshau^e" 'inige Erfrisü ung zu nebnien, inne haltend, leistete ihnen der zuvotkrmmende Wirth Gesell-- schast, wobei sich unter ihm und seinen Gästen bald ein freundschaftliches Gespräch entspann, auS welchem wir Folgendes für unseren Zweck hervorheben: Bernh.: „Wie weit Würfle wohl der Pesther Hotervon hier auS sich noch erstrecken?" — Wipth: „Nicht weiter als dieses HaufeS Länge und Brette." — B.: „Und von da. weiter binaus?" — W.: „Don da' sangt schon der gräflich Käro« lyische Grund, ve Küpoßtäs-Megyeri.Pußta an....^ Nun gingen )ie Brüder hinaut, überblickten die Orts« über die als hätte ihn eit armte sodann griffenekr-Bruder „Hier .. . mein «geliebter Bruder. läge. .. Mit tieft nnendem .Haupte und schmerzverschkeiert;m Blicke stand daö. Iwackere Brilderpaar einige Minuten lautlos da — se sollten hier üb'r daS Geschick dreier : Fav»ilien rntsc leiden! Endlich klärte sich der bisher weite «vandfleppe hinsch seifende Blick Löwy'S, e höhere Eingebung überkommen — itf eine entzückende Freudigkeit.auf.! Von einer eigenkhüm«^ lichen Rührung.Irfallen, schaute <: aufwärts und um* seinen immer nod im Nachdenken be« mit den männlich entschlossenen Worten: auf dieser S°rätt,e hier wollen wir unseren Herd gründen, hier unsere Fabrik anlegen . Bleiben wir hier ... mein heuerer Bruder", fuhr unser Held, seinen Bruder ermutigend fort. „Dieser^ Ort hart an der Donau und an lier Hauptstraße gelegen, die von Pesth nojck Waizen führt, sdabei kaum eine halbe Stunde von der Hauptstadt entferüt — ist er bricht vollkommen für unser Vorhaben geeignet? Wohl ist er öde, sehr öde; aber bald werden wir diele Leute heranziehen, die bei uns Beschäftigung finden sollen und die wir sicherlich durch gute Behandlung an UNS fesseln werden. Die Oedigkeit wird schwinden und wir werden mitten unter Freunden leben. So soll eS undi muß eS sein. Und so helfe uns Gott...!" .; Die Brüder reichten sich die Hände und kehrten sogleich wieder nach Palota um. > Ohne Scheu und Bedenklichkeit, von innerem Feuer beseelt, wenvete sich B. vertrauensvoll ar seinen alten liebenswerthen Bekannten v. Burg, ihm I ie Vorstellung eröffnend: er beabsichtige in der Nähe deS Pesther Hoter-WirthShaufeS feine Fabrik anzulegen... D r Direktor lächelte und. sah ihn anfangs wunderlich an; »ailligte jedoch, nachdem er den entschlossenen Ernst seine- Freundes gewahrte, endlich mit der über alles Erwarten g ünstigen Bemerkung ein: eS dürfte d ieser Plan Sr. chrcellenz dem Trafen noch willkommener sein. ' Vier Wochen nach diesem Vorfälle erschien auch der dritte Bruder, Jsak, an bezeichnetem Orte, und nachdem auch er Alles, für äußerst gut und zweckentsprechend befunden upv seine Deistimmung ertbeilt hatte, wurde der „Vertrag", sogleich mit der Herrschaft abgeschlossen, und eingedenk dev PsalmworteS: Wie ist eS fo schön und i I vT'