Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 11 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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42 . fd-trcbte — irartn so viele Ursachen ibk glücklich zu machen., aber auch eben so viele den damischen Neid auf * idn zu laden. Hiezu kam noch der Einfluß, den er vermöge seiner Bildung auf die wichtigsten ^Gepflogenheit seiner Gemeinte wider Willen auSübte. ^So wurde er beispielsweise bei jedem an die Grunkhe^rfchaft cinzureichenden Bittgesuche nicht bloS zu Rarbe > gezogen. sondern idm zugleich auch die Abfassung und fleberreichunz, so wie die Befürwortung desselben übertragen. Er übte somit eine Art Vertretung der Gemeinde auä ohne eigentlicher Vorneber zu^cin. .lind als idn envliw der Grundherr Graf v. Erdödi derart liebgcwann. itaß tr ihn bei feiner jedesmaligen 'Anwesenheit in.Frcistaktl Gesuchen mußte -— gesellten ftdi;u dem Neide neck ankere Desürchttingen von Zeiten der Lnbodoren: er könnte ga^ leicht seinen besonderen Einfluß zur Errichtung von Schule u. s. w. anwenvcn! Hierzu gab wobl auch die Energie seines' Charakters nicht geringen Anlaß; indem crj von heiligem Ei'er für das Wobl seir^r Gemeinde andenieben, die Mißbräuche derselben gar oft zu unzart rügte und bloß« legte. j Die Folge bievon war vorauszuscbcu.l Ein wahrhafter Sturm von Verdächtigungen n. s. w. brach über den „Freigeist" — wie sie tbn titulitrc» — loS. bis er endlich sogar zur Rede gestellt wurde, raß er die Svnagoge nicht ..alltäglich" besuchte. . . WaS ibn tief in der.Seele schmerzte, war,'daß manche böswillige Per« leumdüng biS in den gräfliche» Palast drang, wodurch ihm jede Gelegenheit benommen wurde,, vpn GlaubenSblüdeiu seine fernere Dienstleistung angedeißen lassen zu können. i 1823 wurde er seines l^ren Webrmitt^ls— seines Vermögens — durch eine " Feuersbrunst bsraßbr; seine musterhaft eingerichtete und deS besten Rufes stchierrreuen-e Leimsiederei war ein Raub der Flammen geworden! Jetzt faßte er den ernsten Entschluß, den Ort. der ihm aus so mannigfache Weise verleidet wurde, zu ^verlassen und nach Komorn zu übersteveln. Als sich die Kunde seines Vorhabens in der Stadt verbreitet batte, > würden ihm allenthalben Beweise der herzinniglichsten Tßeistiahme geliesert. Der Ortsmagistrat sandte ibm ein sareinisches Documem. zu. worin nebst der Reinheit.seines Charakters vorzüglich seiner Unternehmungen zur Hebung Ver dgsigen Industrie rühmliche Anerkennung geschieht: in laboribus semper Lssistuurn..." Der greise uttv fromme Orts-Rabbi beehrte ibn mit einem MorLnu-Diplom, wahrend seine Gemeinde ibm jetzt das Zeugniß gab: „in. ihm ein gebildetes und edles Mitglied zu verlieren, daS sicherlich von jeder Gemeinde Jefchuruns mit offenen Armen empfangen und mit offenem Hefzett begrüßt wird..! , Aller Mittel beraubt, ging er (1825) stach Komorn. wo es auch seinem unteznehmendeii Geiste-ibatd gelang, im Pereine mit seinem Schwager eine großartige Lederfabrik einzurichten, und deren Erzeugnissen durch einen zehnjährigen beharrlichen Betrieb einen fast ausschließlichen Vorrang zu verschaffen. Daß er auch hier zum Frommen seiner Glaubenstrüdkr eine nicht geringe.Thatigkeir entfaltet habe, leuchtet schon aus dem Umstande hervor, daß die Errichtung der dasigen israelitischen Hauptschule, die sich aus dieser Zeit datirt. zumeist seinem Einflüsse zu verdanken ist. Trotzvem mochte er sich hier nicht allzu behaglich gefühlt haben, waS aus folgendem, derzeit an seinen Bruder Jsak gerichtetem Schreiben zur Genüge dervorgeht: „Pestb, und nur Pesth ist mein Ideal. Da. wo der Gebildete leicht seines Gleichen sinder, und die große aufblühende Handelsstadt unrernebmungstüchtigen Geistern einen weilausgedehmen Spielraum bietet..." „Wie, wenn wir nun unsere Lederfabrikalion gemeinschaftlich direct nach Pesth verlegten? Müssen wir nicht ohnehin das hierzu erforderliche Rohmaterial von dort beziehen, und das ausgearbeitele Fabrikat wieder dorthin zum Absätze liefern...?" Mebr als in seiner anfgeboienen Beredrsamkeir fand der küdne Plan in einer derzeit den Brüdern zugefallenen väterlichen Erbschaft die nachdrücklichste Unterstützung. Sie gingen auf sein Vorhaben ein und bevollmächtigten ibn, wo klnmlich allsogleick ein hierzu passendes Local in benannter Stävt aussinkig zu machen. Wir nannten dies gelinde: einen „kühnen" Plan, obgleich derselbe bei der damalige» bürgerlichen oder vielmehr nichtbürgerlickcn Stellung der Israeliten Ungarns (1835) vielleicht eher ein überstürzter oder gar leichtsinniger betitelt zu werden verdiente, als welcher er sich auch in der Folge leider nur zu bald berauSstellte. — Zur Begründung des Gesagten avird es genügen, daß erst in dcm 29. Gesetzartikel vom Jahre 1840 Erleichterungen bezüglich der Ansiedelung und Errichtung von Gewerben derselben entschieden wurden. Es beißt daselbst: „1. Daß alle jene Israeliten, die in Ungarn oder in den mit dem Lanke verbundenen Theilen geboren sind, so wie auch jene, die zun» Wohnrechte auf dem gesetzlichen Wege die Erlaubnis erhielten... im ganzen Lande und in den verbundenen Theilen frei wohnen dürfen..." „2. Dürfen di» Israeliten unter den bestehenden Dedingniffen auch Fabriken errichten. Handel und Gewerbe entweder auf ihre eigene Faust, oder mittelst israelitischer Gehülfen betreiben, darin Lehrlinge unterrichten." Da nun unser Held fünf Jahre früher, bevor erwähntes Gesetz Rechtskraft erhielt, sein Vorhaben in der königl. Freistadt Pesth zur AvSführung zu bringen beabsichtigte, bedurfte eS vor allem Anderen eines tüchtigen RcchtSanwalteS, um diesen Prozeß deS rechtlosen Juden gegenüber dem starren Zunftthume, mit Geschicklichkeit unö — Geldaufwande zu betreiben. Wohl führte unser Client zu seiner Berechtigung an: haß er sich mit einem erforderlichen Vermögensstand auSweisen könne; daß er ein Fabrikat von bestmöglichster Qualität zu liefern im Stande wäre; so und so viel Leute beschäftigen würde; der Stadt noch außerdem eine nicht unbedeutende Summe anbirten wolle u. s. w. — Allein sein Advokat schüttelte bedenklich den Kopf, indem er ihm zugleich in biederer Offenheit die sichere Zurückweisung seines Gesuchemit folgenden inhaltsschweren Worten in Aussicht stellte: „Mein Lieber! daS dürfte hier zu Lande wohl schwerlich oder gar nicht gehen — weil' Sie als Israelit auf zu viele Schwierigkeiten stoßen werden. Denn erstlich müssen Sie mit einem Gutachten von der hierortigen, Judengemeinde versehen,