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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 11 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
11 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem ZeKiete. HrrauSgegeben von | Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. a -» Bon Pttftr BtuFd'Hft rrfArini »ötintlich »in« «iimmrr. jdbrrn cv ■ IWf» 11. IHätf.l *««• ' Tdlr. «McrtdMhrid 7'/- 9i*r. «ll» *u<t'l>anflunti«,.i. ■i&iM.Jm I y. 1. WllÜklÜi. I I-E * unk Zeiiunfttiroktition/n neb-nen i>»üellun>«n qn. ' > *- » ' * -• Löwy Bernhard, der Stadtgründer. *) Ein Stadtgründer auS dem Volke! Und zumal ein jüdischer Stadtgründer! Eine Zunft spricht ihm den Gemeinsinn ab, bannt ihn auö ihrer Mitte — und er geht hin, legt eine Kolonie an, anderen, Mitte er die Zunft ausschließt; und die Ansiedelung durcb die Borrrefflichkeit seiner „Statuten" gedieh so herrlich, daß sie in einem Zeiträume von kaum 20 Jabren zu einer der fabrikreichsten und gewerbfleißigsten Vorstädte PehstS sich emporgesckwungen! Wir meinen daS bereit- 1700 Einwohner zählende, und neuester Zeit durch den daselbst unternommenen k. k. Hafenbau zur besonderen Wichtigkeit gelangte Neupesth! Gar Mancher, der mit den Verhältnissen diese- Ortegenauer vertraut ist. wird wvbl schon oft die Fragen an sich gestellt hoben: Welcher Geist vermochte eine öde Pußta, «ine wüste Eandsteppe, die ihrem Eigenthümer weder Nutzen noch Freude brachte, so schnell in ein blühendes Städtchen umzuzaubern? Wer wagte eder Erste hier seinen Herd zu gründen? WeShalb besteht hier gerade vollkommene religiöse und bürgerliche Gleichstellung? Woher die Veranlassung? Hier können nicht bloS Nichtmeister ober „Störer" ungehindert ihr Gewerbe betreiben, ja edürfen eigentliche Zünfte niemals gebildet werden. Selbst die Grundherrschaft hat hier ihren Gerechtsamen in der Freigcbung ihrer Rcgalbenefizien von Schank-, Fleischbank- und Gewölbrechte u. s. f. entsagt — welcher schöpferische Geist mochte nun hier gewaltet und die Zukunft diese- Orteso schön und fest begründet haben? Bernhard Löwy au- Nagy-Suräny im Ncutraer Comitat (1793^ gebürtig, war der erstgeborene Sobn gotte-ft'irchliger Eltern, welche eine nicht unbedeutende Sohlenleder-Fabrikation betrieben. Schon frühzeitig einen munteren Geist verrathend, wurde er in seinem siebenten Lebensjahre bereitzum Talmudstudium angebaltcn, wobei sein talmudkundiger Vater trotz seineau-gebreiteten. den Tag über der anstrengendsten Mühewaltung erheischenden Geschäfte- — allabendlich die Eorrepetitorstelle bet seinem lieben Kinde vertrat. Bald gedieh dessen Erziehung so weit, daß der zwölfjährige Knabe (1805) auf die derzeit zu Szerdahely bestehende berühmte „Jeschiwah" geschickt werden konnte. Von hier ging er (1808) nach Preßburg. und endlich nach Trebitsch in Mähren, wo bereitda- *) Au- Ignaz Reich: ,Heth-El, Ehrentempel verdienter ungarischer Israelit«." Heft H. Pesih. 1859.? * talmudiscke Wissen desiebenjährigen Jünglingeine ebenso allgemeine Anerkennung als Auszeichnung gefunden. Hier machte er die Bekannt^aft einegeistesverwandten Jünger-, mit.welchem er nur zu bald ein innige-Freund» schaftSbündniß schloß. taS den wohlthätigsten Einfluß auf ihn auSübte. Löw Schwab, später Oberrabbi zu Pehst, den er hier kennen lernte, munterte ihn zur Erlernung anderweitiger „Nebensachen" auf. - Der Funke zündete ... Bald begann er die hebräische Sprachwissenschaft regelrecht, zu betreiben, die ihn derart für- Sprachstudium einnabm, daß ti esogar später wagte: auch „Deutsch zu lerpen!" — „Ich bin Talmudist", beißt eS in einem 1809 au-Trebitsch datirten Schreiben, wo er seine neue Beschäftigung zu motivireu suchte — „ick bin wohl Tälmudist, aber auch nichtaldaS. Wer siebt eaber nicht ein, daß selbst da- Talmudische einegründlichen Wissen» der hebräischen. Swache bedürft? Und endlich warum soll ich nicht auch Deutsch, meine Muttersprache lesen und schreiben können? Spricht der R a m b a m (MajmonideS) nicht auch von großen fremden Philosophen? Mußte er nicht selbst fremde Sprachen verstanden haben? Ja, wer weiß, ob er je so groß geworden, wenn er selbe nickt verstanden hätte...?" Und er wartete durchaus keine Antwort auf seine aufgestellten Fragen au- Suräny ab, sondern ließ bald darauf ganz unverhofft dem erwähnten Schreiben ein zweiteähnlichefolgen auS Prag... Er durchwachte Nächte an seinem Studiertischchen, wo um den großväterlichen Talmudfolianten zuerst die hebräische und deutsche, bald jedoch auch di« lateinische Grammatik, unversehens sogar Mathematik und .Geographie wie so 'viele liebkosende Enkelchen sich au-nehmen mochten. Drei volle Jahre lebte er so der Wissenschaft stetseinem angestrebten Ideale sich nährend, alder zwanzigjährige Jüngling mit der Nachricht überrascht wurde: eS habe fein treuherziger Vater' bereiteirft reiche und liebenSwerthe Wahl für ihn getroffen. 1817 dem väterlichen Rufe Folge leistend, fand er in der Tochter^deS frommen und wohlhabenden Hr. Mark. Friedmann au- Freistadtl an der Waag da-Angehoffte bewährt.! Die volle Kraft und Lust, womit er sein neuerrichtete- Geschäft (eine t Leimsiederei) leitete und zur Dlüthe brachte; die Würdigung, die seinen Kenntnissen allgemein gezollt wurde; die Achtung, deren sich die Biederkeit seine» Charakterallenthalben erstellte, und vorzüglich die freudige Jnnigltchkeit, die seinen gegründeten Herb um-

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