Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 j« Gunsten seine- Volke-. Und am vierten Tage reinigte er seinen Aörper, bekleidete sich mit seinen schönsten Gewändern und gefolgt von Jusses und allen Gliedern stiller Familie, begab er sich in da- Hau- Aron-, um die Hochzeit seines Sohnezu feiern und ibm selbst den ehelichen Segen zv ertheilen. Ruhig und voll von Hoffnung. richtete er fortwährend Worte de- Trostes an die Betrübten seines Volkes, und als ob keine Gefahr die Israeliten bedroht hätte, wollte er. daß die Freude und der Frohsinn bei der Vermahlung vorberrschten, um den Muselmännern zu zeigen, baß der Eckrecken nichts vermöge auf Diejenigen, die auf den Gott-.Israelhofften. Gegen Mitte det LageS erschien Zorab. angethan mit dem schönsten Putz vor Manasse mit ihrem Bräutigam, von den» sie de» Trauring empfing und zugleich den Segen des ehrwürdigen Greise-. Und beim Niedergang der Sonne bot Man, trotz der das Land verheerenden HungerSnotb, in dem Hause Aron- Fleisch, Früchte und Brot in Ucberfluß, und ein Jeder aß und sättigte sich nach seinem Wohlgefallen. Nach dem Mahle begannen die jungen Mädchen, die Freundinnen Zorads, zu singen und zu tanzen vor ihr und Freude herrschte in dem Hause. Schon bereiteren sich die Matronen vorr die Neuvermählte in ihr Braukgcmack zu führen, alsich plötzlich ein gewaltiger Lärm von Waffen und Pferden, .vermischt mit wülhendem Geschrei in der Straße ver- ^nehmen ließ, und zu gleicher Zeit drobnten heftige Stöße gegen die Thür de- HauseS. Alsobalb verwandelte sich die Freude in Schrecken und die Gesänge der jungen Mädchen in Angstgeschrei. Die Thür wurde mit Geräusch geöffnet und Brabim. der Kalifa, gefolgt von Bewaffneten, stürzte in den Saal. Er fuhr wüthend auf Aron los und ihn am Arpre ergreifend schrie er: ..So also gehorchst Du den Befehlen des Sultans? Heute ist eS, daß Du mir Deine Tochter übergeben sollst und heute feierst Du ihre Hochzeit, um den Willen - MohamedS zu höhnen. Geh' augenblicklich auS.diesem Hause und folge mir mit Deiner Tochter zum Sultan, der dich nach Verdienst bestrafen wird/' Vergebenwar eS, daß Aron, Zorah und ihre Freunde sich zu seinen Füßen warfen, um sein Mitleid durch ihre Thronen und ihre Billen zu erregen. Brahim blieb unbeweglich. Sodann schritt Manasse. der allein ruhig inmitten deö allgemeinen Schreckengeblieben war, zu dem Kalifa vop und sprach: „Herr, diese Heirath ist auf meinen Befehl vollzogen, weil Zorah als die Braut meine- Sohnenicht in da- Haueine- Muselmannes eintreten konnte. So will edaS Gesetz Israels. Du bist groß und mächtig und wir sind in Deiner Gewalt; aber der Herr, unser Gott ist mit den Unterdrückten, und derjenige, der David von der Wuth der Löwen errettete, wird unS wohl gegen unsere Feinde zu vertheidigen wissen." Sogleich bemächtigten sich die Soldaten audem Gefolge Brahimauf dessen Befehl Aron- und Manasse-, banden ihnen die Hände und brachten sie audem Hause hinweg. Zwei von ihnen ergriffen Zorah, und trugen sie zu einem Palankin, der auf dem Rücken eine- Pferbeangebracht war. Die beiden Greise folgten dem Zuge zu Fuße. Manasse schritt erhobenen Haupte- und immerfort zu Gott betend, und seinen Freund tröstend., In dem Palaste de- Sultanangekommen. warf man beide in ein dunkles Gefängniß, während Zorah in ein präch- " tigeS Gemach geführt -und den Händen dienender Frauen übergeben wurde. Der Sultan schickte ihr. um fie zu trögen und ihr Herz zu gewinnen. Gewänder von Gold und Seide. äUeinpdze'n aind Wohlgerüche, ^llber nichtkonnte die Traurigkeit Zorahs verfchenchen. noch ihre Tbranen trocknen. Sie wiebeharrlich alle Geschenke zurück, indeiu sie! sagte, baß sie Niemandem angehören würde als ihrem Galten und verlangte daS Gefängniß ihres Vater- und Manasse'S zu theilen. um mit ihnen zu leben oder zu sterben. Mohamed, weit entfernt sie anzubören, ließ ihr wissen tbun, daß sie am folgenden Morgen vor ihm.erscheinen müsse zu dem großen Feste, welches er-für tjic Häuptlinge .der Stämme .bereitete, damit er ihre Anmuth und Schönheit bewundern könne; daß, wenn sie seinen Wünschen widerstände, Aron und Manasse von der Höhe des PalastthoreS auf spitze-Haken geworfen und ihr« den Vögeln des Himmels zur Speise bienen würden. . | ' ' VI. . | Am ankeren ^Morgen strömten alle Oberhäupter der Stämme und alle Großen re- Reichein den Palast deS Sultans zusammen. Eine Tafel, beladen mit Wasen von Gold und Silber und den ausgesuchtesten Speisen, war in den Garten unter dem Schatten von Orangenbäumen ausgestellt. Der Sultan, bedeckt mit prächtigen Waffen und Gewänderki mit Gold und köstliches Steinen geschmückt/ setzte sich auf einen reichen Divan, zu seiner Neckten Brabim her Kalifa, her stolz war auf seine Handlungen und auf die Gunstbezeugungen, die seiner warteten. Alsdann! wurde Zorah, gelehnt auf die ^Lrme zweier Negerinnen, -ihrer Dienerinnen, vor den Sultan geführt, der sie esnluk.,sick ihm gegenüber niederzosetzen, sich zu belustigen und zu speisen nach ihrem Verlangen. Das arme Kind, zitternd vor Furcht, schlug alle Speisen auS, die man ihr anbot. weil ihr Herz traurig war und - daä Gesetz ihrer! Väter ihr-verbot, davon zu genießen. Und als die Negerinnen. auf ^Befehl Mohamed--. für einen Augenblick^ ihren Schleier, der ihr Haupt verhüllte, zurückschlugen, damit.der Sultan ihre Schönheit bewundern könnte, konnte Jedermann ihr liebliche- Gesicht, gebleicht vom Kummer und ihre Augen in zwei Thränenquellen verwandelt seben. Verwundet in ihren KeuschheitÄgefühlen wärf sich Zorah zu den Füßen MohamedS nieder und sprach mit einer vom Schmerz gebrochenen Stimme:. 1 „Herr, wenn ich Gnade gefunden vor Deinen Augen, habe Mitleid mit Deiner armen Magd. Gieb Zorah ihrem Gatten zurück, von dem mich zu trennen, mir mein Gesetz verbietet,' und, gestatte, daß Mänaffe und Aron, mein unglücklicher, blinder Vater auS dem Gefängniß gehen. Gott wird Dich für Deine Barmherzigkeit -belohnen und der Ruhm MohamedS wird dadurch wachsen/' Aber, alS fie fah^ daß der Sultan, anstatt davon gerührt zu werden, sie mit einem wüthenden Blicke ansah, ließ die Arme, vpn Schmerz' überwunden, da- Haupt auf ihren Busen finken und fiel fast leblos zu den Füßen Mohamedum. , Und der Sultan, boa dem Widerstand der Jüdin in Gegenwart der Großen seine- Hofever-