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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 9 (1859) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
9 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 seines Hause». Er rauchte. indem er ein wenig schwarzes, grobes Brot, seine einzige Nahrung seitdem die Hungers« uorb die Menschen plagte. in Kaffee tauchte^ seine Pfeife. Aron war Winwer. von Jahren und Leiden! gebeugt und seit langer Zeit durch Gott seine- Augenlichteberaubt. Er wandelte dem Grabe zu und erbat vom Herrn nur die Gnade, so lange zu leben, um ber Verhtiralhung seiner innigst geliebten Lockrer beizuwohnen. . Zorah ehrte ihren Vater nach den Borschristen Mofe'S;, sie begleitete ihn überall bin, seinen von rer Last der Jatrc gebeugten Körper stützend, seine Schritte in seiner Finßerniß leitend und' sich an ihn fesselnd, wie RzUb sich an Nacini fesselte. Und wahrend Aron sich mit' seiner Lock er unterhielt, schritt plötzlich ein Mann, mit einem reuflisben Angesicht aber reich gekleidet und von zahlreichen Dienern gefolgt, auf da- HauS zu. Dieser Mann war Brabiw. der-Kalifa de- Sultans und der Feind der Juden.' »krön. zitternd wie ein Espenlaub, ließ die Pfeife und I ie Lasse aus seinen Händen gleiten» und Zorah, von Schrecken erstarrt, verbarg sich binrer der Thür des Hauses. Der Kalisä ^mhcne sich Aron und sprach zu ihm: ..Ter Friede sei mir Dir, Jebuta; fürck e nichts und höre die Befehle MohamebS, des Beherrschet der Gläubigen." .! „Was soll ich fürchten! oder bossen". ernffederre Aron-, ..dieweil Du mich Deine- Besuches würdigst:? Das Heil sei mit dem Sultan und mir seinem Dienen, undmöge Gott daö Auge des Ehithan (bas Ange des Saarns) von mir und meinem Hause abwenken." > Und der Kalifa sprach zu.ihm: „JL koßime zu Deinem Besten und nicht zu Deinem Unglücke. ,Der Sultan, mein Herr, har gewürdigt seine Augen auf Deine Lockrer zu werfen und die Schönheit Zorahs hat das Her; des. großen Mohamed getroffen. Uebergieb also Deine Tochter meinen Händen, damit sie n»ir zu Lcm Paläste meines Herrn iolge. wo sie glücklich sein wird, wie ehre Sulkanin. Ter Hunger verfolgt Dich und der Tod ist! vor Deiner Thür. -Diese Sacke voll GolkeS, welche weine Neger, tragen, sollen Dein sein; Hu wirst Dich unt^tie Deinigcn bereichern. Du wirst Drökraufen und Dich sättigen." Darauf warf sich Aron zu den Füßen Brabim's und rief:",.Herr, ich bin gesättigt an Jabren und' Leiden! Im Namen deS Gotte» Israels und Deines Gottes, habe Mitleid mit einem schwachen Greise, entreiße mir Zorah nicht, mein einziges Kind, den Trost meines! Lebens, den Stab meine- Alters. Zorah ist die Verlobte Juffef's, Sohns de- Manasse. der sie in einigen Tagen ehelichen soll. Sie ist kostbarer ihrem Vater und ihrem Dräütigaur alS alle Schätze des Sultans. Nimm mein Leben, wenn es sein muH, aber laß Zorah ibrem Gatten. Eine Tochter Israel» kann sie nickt in da» HauS eines Muselmannes eintreren und der glorreiche Mohamed wird' genug Frauen im JSlam finden, schöner und anmuthiger alS die arme Tochter Aron»." Der diesen Worten zeigten sich die Zornesabern in den Augen Brahims: „Höre auf, so zu Hilten", sagte er, „Hund von einem Juden und fürchte, länger den Befehlen deS Sultans zu trotzen. Ich habe versprochen. Deine Tochter in den Palast zu bringen, und der Wille meine- Herrn wird geschehen. Wenn vier Tage und vier Mächte verstrichen sein werden, werde ich in. diese- HauS zurückkommen, und wenn Du mir dann Zorah nickt auS« lieferst. so zittere für Dich und für Dein Volk, denn Mohameh ist groß und Brahim weiß sich zu rächen." Wohlan. Zorah mußte mit Jussef an demselben Tage verbunden werden, an welchem ihrem Vater geboten war sie dem Sultan auszuliefern. Hinter der Thür verborgen' batte daö arme Kind allegehört, was der Kalifa zu ihrem Vater gesprochen. Traurig und verzweifelt, fing j sie bitterlich an zu weinen, schwörend, daß .sie ihren 1 Vater niemals verlassen würde, daß sie ihm folgen würde, wo er hingebe, unlk sterben da. wo er enden würde. Und -die Jfräclikem in Blidab, von diesen Ereignissen in Kenntniß gesetzt und den Zorn deS Sultans fürchtend, begannen zu fasten und den Gott Israels anzuflehen, auf daß er die Nrbcrbleibsel seines Volkes schütze. Aron zerriß seine Kleider zum Zeichen der Trauer, und gestützt auf den Arm seiner Tochter, ging .er von. HauS zu HanS, weinend an den 39ufcn jfiiiet Freunde und lange Schmer» zensschreie ausstoßend. V. < Unter den Freuden Arons war auch Manasse, der Pater des Verlobten Zorahs. Manasse war ein im chesetze kundiger Greis, wandelnd in den Wegen des Herrn und verebrt wie ein Barer unter den Seinen. Er verbrachte seine Tage, das Gesetz Mose's zu studiren, zu Gott' zu beten, die Armen und Kranken zu besuchen und am Abend, wenn Jeder der Ruhe genoß, wachte Manasse allein, Hingegeben dem Studium der heiligen Schrift. Die Vorübergehenden hörten ihn mitten in der Nacht beten, und, wie man sagte, mit den Engeln und Geistern verkehren. Hirt und Richter seiner Brüder, bildeten seine Ansichten, die immer gereckt unv versöhnlich, daS Gesetz bei den Israeliten. Die Unglücklichen riefen die Hülfe i seiner Gebete in den Tagen der Trübsal an. und viele i Kranke batten ihre Heilung den magischen Worten, die er über sie gesprochen, oder den AmuletS zu danken, welche er, mit heiligen Versen versehen, um ibren Hals gehängt. Und als Aron und Zorah ihre Klagen über daS sie bedrohende Unglück vor Manasse austteßen, sagte er ihnen: „Trocknet Eure Tbränen, meine Freunve und stärket Eure Herzen, denn dies ist, womit der Herr die Ueberbleifel Israels prüfen will. Hoffet auf seine Hülse und feine Gerechtigkeit; er weiß, wie der Prophet, sagt, die Kleinen zu erhöben und die Großen zu erniedrigen, um sie in die Hände der Schwachen zu liefern. Gedenket DavidS. deS Besiegers Goliaths, der, Judith, Deborah und Esther, deren schwache Hände Israel retteten. Geh' in Frieden. Aron, und Du Zorab, Braut meines Sohnes, kehret zurück in Euer HauS, rufet zu Gott und demüthigt Euch vor ihm. Die Heirath Juffess und ZorahS soll an dem von unö bestimmten Tage gefeiert werden, damit sie, verbunden im Namen unseres GotleS, der Böse nicht mehr trennen kann. Ich werbe in Eurer Nähe sein, um Euch durch meine Gegenwart und meine Gebete zu unterstützen, und der Herr wird die Stimme der Unterdrückten erhören." Und von diesem Augenblicke an biS zu dem zur Heirath bestimmten Tage, ging Manasse nicht mehr auS seinem Hause. Angethan mit dem Dußhemde und fastend jeden Tag. hörte er nicht auf. in den heiligen Büchern zu lesen, um seine Seele zu starken, und Gott anzuflehen

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