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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 8 (1859) · p. Seite 30

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
8 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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strenzungcn und ©cül'jfn anfauicn. <kie erzählten den . traurigen Schinbruch unv taS Schicksal ihrer unglücklichen Gefährten. Man weifte ihnen einige Lhrancn, wie cS Gebrauch ist. Man vergaß sie alsdann, wie es auch gebräuchlich ist. Das unbeständige Hirz des Menschen ist einmal so 'geschaffen. Lange Zeit nachher, an einem Soinincrabent. rauchte ker Echaouch, der daS Seetbor zu Bona hlicere. feierlich -sein Nargvl. ohne .an Etwas zu teufen." aU' ein;tcmlid) sonderbarer Vorfall seine "fricv- Uche B'tp-cktunz störte. Er sab oder Klaubte in einiger Entfernung einen noch undeutlichen Gegenstand aus dem Wasser schwimmen :u sehen, ker ziemlich einem Kästchen an- Ebenbolz glich, Hessen Sckließbaken in der. Sonne glänzten. Der Ebaouch betrachtete mit der Geduld eines (shaouch's viel unv lange die-Sache, hr Hane sich nrchl getäuscht. eS war ein Ebenbolzkästchcn n(ir reichen Schließ» haken. Seltsam. Vas Kästchen segelt» gerate aus die Äüfic mir solcher Sichtrbeik zu, als ob es durch eine Mannschaft von Geistern, durch eine vortreffliche Bussole und ein vollkommenes Sreuerrutpr gelrilkt. würde. Dieses alles sehen, sich der Küste nähern und versuchen die Hand an daS Kiftche» zu legen, >ar für unseren Ebaouch eine Sache von kaum zehn Minuten,. obgleich er die gekreuzten Beine' bervorziehen müßte und das Ufer »uns Minuten weit enksernt war. Aberi in den« Äugenblick. wo er den Gegenstand ergreifen wollte. drebte sich derselbe mit einer so merkwürdigen Schnelligkeit unv gewann wiederdaS offene Meer, daß der Ebaouch wie-versteinert blieb.. Zehn Mal fing er Vas" Erperimem von Neuem an. das Resultat mar zebn Mal dasselbe. Kaum war daS Kistchcn außer Angriffswelle, schiffte esider Küstf wieder Ni. Versuchte man es zu erfassen, drehte cS.mcrrwäns. Man versammelte sich am Ufer, es entstand eine Volksmenge. eS herrschte gllgem.ines Erstasinen. Einer der Anwesenden erinnerte sich, er war vielleicht einer der Geretteten. der ehemals vom Groß Rabbin^n von Jerusalem geschenkten Bibel, die. in 'einem Kasten von köstlichem Holze eingeschlosscn war. Man lies za' hem Bonaer Rabbiner. man bat kbn instänkigst zur Äelle ru kommen. Die Neugierde war rege und erstickte jedes andere Gefühl. Der israelitische Priester, wenig gefaßt auf solche Anforderungen, folgte ihn,-» mit vcm besten Anstande von rer Welt, und begab fick nach dem Uferdes MeercS, gerade in dem Augenblick, wo das Kästchen \ gegen die Küste zuschiffte , in kleinen fröhlichen Spiudtln. Aber kaum hatte eS (verzeihen Sie mir. daS ffiojt) den Rabbiner auf dem Hasendamm sieben gesehen, als es eine letzte Schwenkung machte und sich fügsam urtter die Hand des erstaunten Priesters begab. Es herrschte anfangs allge- -meines Stillschweigen, dann aber, eine unerhörte Sache auf muselmännischem Boden, ertönten zweitausend Freudenruseans einmal. Rabbiner unv Bibel wurden im Triumph zur Synagoge getragen. und während einer Stunde ftalernisirten Israeliten unv Muselmänner aufs Beste. Seit diesem Tage genießt die Synagoge in Bona eines großen RufeS. selbst bei den eifrigsten Anhängern des Islam-. Die Frauen, immer vermöge deS Herzens ein wenig abergläubisch, wie AlleS was liebt und leidet aus dieser Erde, trugen dazu bei, den Ruf der Synagoge unv daS Andenken des Wunders zu verbreiten. Mehr als eine Mutter, zitternd für ibren Sohn, legte demütbig Weibgeschenke aus die Schwelle deS Gebäudes nieder, und auf diese Weise bat sich t.as Gedächtnis deS Wunders und die heilige Ehrfurcht' vor ker Bibel zu Blait-rl-Asscb von Vater auf Sohn vererbl.- DieS war die Mittbeilung von Mobamed. und wie er sie mir machte, gebe ich sie Ihnen wieder. Sr hat mir noch Vieles erzählt, der arme Mobamedi aber lange Jahre find verflossen, seit wir auf diese Weise plauderten im Angesichte Hvpona'S, beim Hauche der Brise unv dem Blicke auf das Meer. Mobamev ist tobt; ich bin alt, ach! und Bona selbst, Bona ist, wie ich cs Ihnen gesagt habe, das erste Meisterstück des Arrondissements vom Departement (Konstantine geworden. Die Traditionen verlöschen, die Djius (bösen Geister) sind verschwunden, die Bibeln schwimmen nicht mehr längs dem Ufer. eS gibt nur zwei Sachen, die sich nicht geändert haben. Die Ebaouchs sind immer noch — Ehaonchs, und man fährt von Zeit zu Zeit fort die Juden zu schlagen. L. Sevbous. 3 o r a h. Eine algiersche Erzählung. /-.'lach dem Französischen aus der Arcli. isr. de Fr.) 1 ,.(it beit eine ("»ruhe unk grabt sie au», aber stürzt selbst in die Tiete. kie er gemacht. -M. 7. I.i.1 Die Reisende, ker beim Hcraustreten aus Algier die Höben von Sabel in die Ebene der Mitiviab hinuntersteigr. siebt gegen Süden am Fuße der Berge eine weiße Masse, auf einem glänzenden Rasen sich abbebend, hervorleuchren. Diese Masse ist Blitah, die Lieblingsresidenz der allen Deys vons Algier, das liebenswürdige kleine Städtchen, wie eS auch ibr Name zeigt (Blivab, kleine Slavt. Deminutiv von Blad). Gelegen auf dem Wege nach Oran unv dem Süden, in geringer Entfernung von Algier unv dem Meere, in seinem Rücken die ersten Höhen des ArlaS, umgeben von zahlreichen" Doriern, fruchtbaren Feldern und einem Orangenbaine. ist Blidah dazu berufen, eines Tages einer der glücklichsten Mittelpunkte Algeriens zu werden. Nichts kommt der Reinheit seines Himmels, der Milde feines Klimas, dem Reize seiner Umgebung gleich. Von der Höhe der Berge, welche die Stadt beherrschen, und die von einladenden Landbäufern und prachtvollen Gärten gekrönt sind, genießt man vorzüglich gegen Abend einen der magischsten Anblicke. welche die Natur bieten kann. Dep Blick umfaßt in einem Gemälde die weite Ebene der Melivjah, übersäet mit Dörfern; den bläulichen Teppich deS Mittelmeerö, leuchtend gegen den Horizont. Die Hügel deS Sabel, die sich in der Ferne wellenförmig hinziehen, gleich einer unermeßlichen Schlanze, deren Schweif bis nach Algier reicht, „das Grab der Cbnstinn", eine alte römische Pyramide, umhüllt mit Mysterien und Legenden und auf einer -Anhöhe errietet, die sich in dem See Hallulah spiegelt; gegen Westen erscheint die imposante Maffenhaftigkeit des AtlaS und die Oeffnung der so malerischen Schluchten. auS denen der Strom der Ehissah hcrvorstürzt;

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