Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 8 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Indisches BolMlatt. Zur Belehrung und HnlerQaftuiU] auf MVischem Gebiete. Herautgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. IM. 8. L88S.I Bon tiefer Ze,»strikt erktbein» wSidrntlit rin, Stummer, Brei» des Ittrgang« i Ldik. 'LierteljLdri^ 7% Stgr. Alle 4>>t<l>dandh»nüe». i<VoS»»»«r und geiiungsrrpevlnoaeu »edme» <t>«nellu„k«n k6. Iahrg. L. Gllarlal.1 Die Bibel von Bona. (Eine Legende.) *) Dlaid d Hasstb ist der arabische Name für Bona, eine ver reizendsten Städte unseres jetzigen Algeriens, die heule prosaischer Weise Haupton deS ArronviffemcniS und Sitz eineS Tribunals erster Instanz und tutti quanti geworden ist. So gehen die Sachen dieser Weil. Die Touristen, die in. diesem Augenblick den östlichen Tdeil unserer Desttzungen im Norken Afrikabesuchen, sind er» staunt, dort eine so frische, so glänzende Stadl jh finden, wo eS ehemals nur Trümmer. Gemäuer und erbärmliche kleine Festungswerke, einen häßlichen und abstoßenden Anblick gab. Bona ist umgcwandelt durch die Hülfe Frankreichs und rer Civilisarion. Aber diewar im! Jahre 1832 noch nickt der Fall, einer Zeit, wo ich;nm j ersten Male daS Land sab, und ich muß es sogen, unter; einer Gestalt, die nicht- Anziehendes batte. Der Ärieg war darüber hinweggegangen; Bona war nicht» als eine wette Ruine, und Diejenigen welche wie ick rerurtheilt waren, diese verwüstete Stadl zu bewohnen, hatten, um sich ein wenig über ihren unfreiwilligen Aufenthalt zu trösten, nur zwei Hülf-quellen: daS Studium und die Sonne. Jedoch wird man am Ende auch der schönsten Sonne der Welt überdrüssig, so daß sich diese beiden Hülfsquellcn auf eine höchstens beschränkten. Ich sammelte Legenden. Einer meiner eingeborenen Freunde, Mobamcd Bel Argih, war vornehmlich mein Großlieferant. Ungeachtet seiner gewöhnlichen Schweigsamkeit war der alte Mobamed, einmal auf seine localen Ortßtraditionen gekommen, unerschöpflich. Inden, wir auf den sogenannten Straßen der Stadt (welche Statt damals und welche Straßen) hin- und herschlenderten. fiel mir eine bizarre Erscheinung auf, deren Deutung mir vollständig abging. Niemandem ist die tiefe Verachtung der Muselmänner gegen die jüdischen Namen unbekannt. Seit der franzöfischen Eroberung zeigte sich diese Verachtung. noch mehr und steigerte sich biS zum Haß. Ich babe (man wird mir kaum glauben) maurische oder türkische Ämter israe» litische Greise ansprien gesehen, die nicht mit genügendem *) Nach dem Französischen im Xuoitevr de la ColonUation und in dm Arch. i-sr. de I r. Eine Lbnlicke Lesende enftirt in Mainz. Respekt hei ihrer» Vorübergehen zur Seile »raten. „Die Christen", sagten,die Araber, „werden in dieser Welt glücklich sein und unglüchlich in der anderen; die wahren Gläubigen können bin unten unglücklich, werde« aber glücklich dort oben sein. Die Juden werden hier mrd dort unglücklich fein." Und . während dem die armen Teufel ihr LeidenSkheil in der Hölle erwarten sollten, sahen ste dieselbe schon auf der Erde durch ibre Oberdenen verwirklicht. Angesicht» einer so ausgesprochenen und wenig verhehlten Abneigung wird «an die Ueberraschung begreifen können, die ich empfand, als ich die Svnagvge zu BoNa als einen Gegenstand einer Art von Verehrung §ab. einer besonderen Achtung zum wenigsten von Seiten der Bonaer Muselmänner. Die Eifrigsten sprachen von ihr | nur mit den Zeichen wahrhafter Verehrung. Ich konnte mir diese Sache nicht erklären und theilte mich darüber eines Abendmeinem Freunde Mohamed mit. Vr lächelte ernst, streichelte feinen Bart und! erzählte mir Folgende»: Vor vielen Jahren lief ein Schiff von Bona aus. beladen mir Pilgern, die nach Mekka wollten, um daS Grab deS Propheten zu besuchen. n>ie dies jeder wahre Gläubige, mindestens einmal in seinem Leben thuw muß. Auf demselben Fahrzeuge, und durch besondere Vergünstigung. erlaubte man fünf Israeliten und einem Rabbiner die Reise mitzumachen. Diese da waren gleichfalls in Begriff eine Pilgerfahrt anzurreten; ste begaben sich nachher heiligen Stadt, der Mutter der Städte, Jerusalem. Die Ueibersahrk war glücklich und jededieser Häuflein wandte sich vom Bord deS Schiffes zu dem Ziele ihrer weiten Reise. Tag« vergingen und al-dann Monaje. Die HadjiS (Pilger) verrichteten ihre Anbetung in der ÄhabLa. . Die Israeliten besuchten Jerusalem. Im Augenblick der Abreise machte, der Groß-Rabbiner von Jerusalem dem - Pabbiner von^ Dona ein Geschenk mit einer Bibel, doppelt werkhdoll durch ihren authentischen Ursprung sowohl, alS durch die Art ihrer Ausführung, und die er für die Synagoge der alten Blaid el Haffeb bestimmte. Die Pilger beider Setten fanden sich wieder äuf demselben Kayrzeug zusammen, daS nach Dona unter den bestmöglichste» Bedingungen von Wetter und Reer seine Segel lüstete.' Aber die Wellen sind veränderlich. Zwei Tage nach ihrer Abreise wühlte ein furchtbarer Sturm die Waffir b.eö MittelmeerS auf.. DaS Schiff strandete; die Mannschaft und die Passagiere kamen alle um. mit Ausnahme zweier Muselmänner, die endlich daS Land gewannen und in Bona nach allen Arten von An»