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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 5 (1859) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
5 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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, l qit sorgenvollem Aufdrucke im Gesickr, „nur mußt Du „Air verspzccken, mir, Deinem zweiten Vater, die volle L^abrbeit zu gestehen." ..Wann habe ick Dir. geliebter Bruder. kiS Wabrbcit vorentbalten?" fragte daS überraschte Matchen^ ..Nun so tage mir, meine Liebe, wie kommt eS, daß ich seil einiger Zeit Dick keine Minute so harmlos frob* lt* gtsebcn wie sonst. Eine Befangenheit liegt -auf Dcrncrw. sonst unschuldigen Gesichte ausgeprägt, wie ich siel noch nie.bei Dir bemerkt. Hs scheint ei» geheimer Kümmer an Deinem Herren zu na^en. DaS frische Rod ist von Dkin-n Wangen gewichen, und ich kaust mir von dct Belrübniß, die Dein Gcmüth erfaßt, gar kdine Rech, urpig geben. Du weißt, daß ich zu jeder Stunde bereit brji, Deinem vernünftigen Verlangen zu willfahren. daß iäs keine L^ps-.r scheuen werte, Tein künftiges Geschick sichern, öffne mit also Dein Herz, wie Du <s unserer ÜJijuticr, seligen Andenkens. getban haben wüvkest; viel» leicht siebt es in meiner $^(61 Deine Unruhe zu zerstreuen. unk Dir Deirz trüberes fröhliches Wesen znrück-;u jeden." „Wenn Du. lieber Bruder, aut mich nicht vngebaltrn sei r.wirst." .sagte daS Märchen, indem eine Schamröthe wie mit eiueMxVurpur den zarten Teint idreS Gesichts überzog, -^knd nr^h. keine träumerische Schwärmerin schelten •Ü»--ro will ich Dir die reine Wahrheit gestehen." ..Kmd". gagte der Bruder. ..ick bade Dich ja um Aufrichtigkeit gebeten, und wann batte ich Dich eine träumerische Schwärmerin gescholten?" I..Nun". versetzte das Mädchen. ..seit einiger Zeit erink mir allnächtlich unsere Mutter, Gott Hab«; sie selig, fordert mich flehentlich aus. Dich zu bitten, mir den llrtmltbm keS Rabbi Gbaint zum Manne zu geben, da eS vom Himmel fo beschieden sei; sie thut eS >mil einer so ttndrinqlichen Stimme, so stebentlich. daß! ich nicht we ß. was davon zu denken. Ich kenne, lieber Bruder. D< ine Denkungsweife in dieser Beziehung, rnd weiß, das Du bierru nie Deine Hinwillizung geben rnrft, und sebr mich also in die traurige Lage versetzt, entweder Dib. »»eiuem zweiten Barer, oder unserer seligen Mutier ungehorsam zu werten, daher der Kummer, der an mei» netz» Herren nagt, daher die Betrübniß. die meine Seele erstißl" l ..Wie p.ärrii'ch", vusetzte der Bruder nach k«rzem De»' restkcn. „Du kennst ja das Sprichwort: Träume find Schaume. Du mußt modl wachend cft schon an diesen Gcdülten res Rabbi Ebaim gedacht baden, daß Dir Deine Phantasie im Schlafe das vorspiegelt, pomit sie sich wachend so gern beschättigr." j ..C nein", ries das Mädchen errölhend aus, „nie bähe ick an ibn gedacht-, kenne ich ihn ja kaUm; wobl bähe ist', ibn ein Paar Mal Vorbeigehen sehen, aber ohne mindeste Interesse." . E „Nun, liebe Schwester", sagte der Rabbi mit mildem l>r»ste. „schlage es Dir nur-aus dem Sinne,! so wirst sehen, daß auch die närrischen Träumereien schwinden ren. Wie wäre eS denn möglich, baß unsere selige Mütter da? Unglück ihres Kindes wünschen sollte? Du wr ßt, ich will Dir ein beffereS Loos bereiten, als eS die» sei arme Ignorant rbun kann. Wie sollte »och dazu Vieser grobe ungeschlachtere Mann für meine schöne keine Dst w>- Mirjam Pasten? O! daraus kann ja nic^tt w^den. darum nichts mebr bievon." Der Bruder aber hatte gut reden. Das Mädchen sah den Unrerlehrer in ganz anderem Lichte; fie fand fein AeußereS keineSwegeS so abstoßend, und daher betrachtete sie di, Träume alS Eingebungen ihrer seligen Mutter von jenseits. Als sie aus dem Studierzimmer ihres Bruders ging, war sie bekümmerter und trostloser als sie gekommen, Kaum war sie hinaus, erhob sich der Rabbi von seinem Sitze, und sing an sein Zimmer mir hastigm Schritten zu messen. Wunder, dachte er bei sich, wie kommt es. daß Rabbi Meier, dieser sonst so kluge Mann, -der doch meine Absicht mit meiner Schwester sehr gut kennt, cs gestern wagt«; diesen Israel mir zun» Schwager .vorzuschlagen. sollte er von diesem Grobian bestocken worden -fein, und dieses Mädchen, die Unschuld selbst, sollte sie bei der ganzen Sache die Hand mit im Spiele haben, und diese Träume nur ein erlogenes Märchen sein, um mich zu Hinterlisten und in die Falle zu bekommen? Sollten alle drei mich zum Besten haben, und ein längeres Derständniß hier obwalten? Bei diesen Gedanken rölhete sich die hohe weiße Stirn dieses rechtlichen frommen Mannes vor Zorn, und Falten deS Unwillens durch» furchten die Glätte derselben. DaS muß ick doch herausbringen, dachte er weiter, und so schwankend von einer Dermutbung zur anderen, sagte er endlich: Nein, ich kenne meine Schwester besser, so ries, midi zu belügen und zu betrügen, kann sie nicht gefunken sein. Könnte die Unschuld selbst einen besseren Stempel haben, als es der aus ihrem Gesichte ausgeprägte war. da sie mir Rede stand? sie ist gewiß unschuldig, und die ganze Last fällt bier. nur auf den verschmitzten Israel. Aber diese Träumerrien? sind gewiß nur eine Folge ibreS Dichtens und Trachtens, zu dem sie vielleicht von Rabbi Meier verleitet worden ist. der fick mit seinem Anträge eher an sie als an mjck gewendet haben mag. Den Tag darauf ließ Rabbi Verschon den Letzteren rufen, und nachdem er ihn in -ein besonderes Gemach geführt, hob er an: „Ich muß Euch Abbitte tbun. daß ich Euch neulich wegen eine- Antrags hinsichtlich meiner Schwester hart angefahren. Nach reiflicher Erwägung sab ich ein. daß ick Euch Unrecht gethan. In solchen Dingen sollte man sich eigentlich gar nickt ärgern, weil es bock in unserer Macht, steht, nach Willkür zu handeln. Im Grunde mögt ibr wobl bei der ganzen Angelegenheit wenig berhei» ligt und zu Euerm Schritte nur vom Unterlehrer beschwatzt worden sein. Mir liegt sehr daran, den Sachverhalt zu wissen, gesteht mir die reiste Wahrheit und wir wollen auch ferner Freunde bleiben." Rabbiner Meier hielt ein Weilchen an sich, dann sagte er lächelnd: „Ich sehe, Rabbiner Gersckon, Eurem Scharfblick kann nichtS entgehen. Ihre Vermuthung ist ganz gegründet. Vor einiger Zeit kam der G,hülfe Rabbi Cbaim s zu mir, und bar mich mit ihm einen Spaziergang zu machen, da er mir erwaS Wichtiges mitzutheilen hätte. AlS wir im Freien waren, begann er mir Vieles zu erklären, was mir schlichtem Manne, die Wahrheit zu gkstehen, zu hoch und also ganz unzugänglich war. Dennoch überraschten mich nickt wenig seine Worte, da ick ihn für einen

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