Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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15 dcS Gouvernement». Ohne Zweifel sind sie nicht gesetzlich constituirt; sie würden eS auch nicht wagen, Anstalten für die Wvhlthätigkeit oder den Unterricht, für Kunst over Wissenschaft zu dotiren, sie zu bereichern, sie so zu entwickeln, wie sie könnten und möchten, aber sie haben eine Anstalt, welche den Namen ..Talmudthor" tragt und 400 Thaler Rente hat. die von Geschenken und Legaten kommen. Diese Anstalt besteht au» einem Asvle für Kinder und secki» Schulen, in denen man die hebräische Sprache lehrt. ES giebt außerdem vier Schulen für da» Italienische und eine Art von Eolleg. um Rabbiner zu bilden. Die Mädchen haben nur eine einzige Schule, welche für die ärmsten bestimmt ist; die anderen werben entweder in dem väterlichen Hause durch ihre Eltern erzogen, oder in einigen besonderen Instituten. Die Gemeinte zablt 2500 Thaler für die Unterbaltung dieser1 Schulen, deren jede einen Hauptlehrer und einen Ge» hülfen hat. DieKoflen de» Cultu» und der Armenunterstützung betragen jährlich ungefähr 14,500 Thaler. Sie werden durch eine Beisteuer von 18 Bajocchi (1 Bajvcchi 1*/* Kr. rhein.) in der Wocke gedeckt, welche jeder Jude so regelmäßig al» er kann leistet. Außer dieser Abgabe, die man al» eine wirkliche Kopfsteuer betrachten kann, giebt eck. eine andere, welche die ganze Gemeinde in febr ehrenwttther Weise charafterisirt. Die Commissionäre oder Handel», Makler zahlen */* Brorent von allen Geschäften. die sie machen, und die Kaufleute 1;2 von» Tausend von ihren Käufen und 2 Procent von ihrem Gewinn. Man muß sich dabei auf die Gewiffenschaftigkeir eine» Jeden verlassen, denn c» tarirt sich nicht allein Jeder selbst, sondern e» siebt ihm auch frei, feinen Beitrag direct für Unterstützung der Armen zu verwenden. Die Steuern werten mit einer skrupulösen Gewissenhaftigkeit gezahlt. Aber wie haben sich die Juden organisirl. um ihre Brüder zweckmäßig zu unterstützen? Sie haben nach dem Beispiel der Römer Arten von Associationen oder Brüderschaften gebildet, welche ihr besondere» Mandat haben. E» giebt eine, welche die Kosten der Schule der jungen armen Mädchen bestreitet, eine andere, welche jeden Samstag Prot an die Dürftigen vertbeilt. Anderesorgen für die Alten, liefern Kleider. Wäsche, Betten, Arzneien. Speise, und verschaffen den Kranken die ärztliche Besorgung. Sie haben kein ckgentliche» Spital, aber sie legen ein große» Gewicht darauf, für alle Bedürfnisse ihrer Glaubensgenossen paffend zu sorgen; sie wollen nicht, daß ne genötbigt seien zu betteln oder sich in eine» der Spitäler von Rom bringen zu lassen. Sie betrachten die Zulassung eine» ihrer Brüder in diese Hospitäler al» ein »vahrcS Unglück, sobald sie Opfer der Malaria sind oder ihnen an irgend einem öffentlichen Orte ein etwa» schwerer Unfall begegnet. Die römische christliche Liebe, die sich für eine universelle auSgiebt, weiß noch nickt den Glauben Derer zu achten, welchen sie wegen körperlicher Uebel beisteht^ Wenn ein Verwundeter oder Kranker nicht.Katholik ist. setzt man ihn bei Seite, man behandelt ihn wie einen Ercommunicirten und belagert ihn oft Tag und Nacht, um ihn zur Abschwörung seiner Irnhümer zu zwlngletr. Die Juden sind vielleicht noch mehr verachtet und verfolgt, wie die einfachen Schismatiker oder Ketzer. Alle diese officieüen, legalen (!) Bedrückungen, und viele andere gänzliche individuelle und gelegentliche, haben diesem Tbeile der Bevölkerung von Rom etwa» Demürhige». Herabgewürvigte» ausgedrückt. Man kann einen Zuven leicht an der Manier, erkennen, mir der er gebt, -* spricht, um sich sieht. Alle» an ihm verkündet die Lift und da» Mißtrauen. Er macht sich so unscheinbar ater kann, er beobachtet sich mit der größten Sorgfalt, um nicht» zu rdull'. nicht» zu sagen, wa» ihn bloßstellen könne; und dabei ist er doch noch ein ganz anderer, al» er vor einigen. Iabren gewesen. Seine Lage har sich seit der Einnahme und Besetzung Rom» durch die Franzosen fast gänzlich geändert. Sie wußten nicht, welche Folgen die Revolution - für sie haben würde; sie erwartet,n viel Ueble», welche'Parrei auch siegen mochte, obgleich sie selbst sich.in nicht» gemischt hatten; die Vergangenheit mußte e» ihnen klar machen, daß man von allen Seiten an ihnen Unrecht finden würde. Im Augenblick al» die Soldaten der ftanzösischen Republik in den alten Umkrei» der römischen Republik drangen. bereiteten sich die Juden zür Feier ihre» Osterfeste». Sie hielten sich ruhig im Ghetto, aber der Ghetto selbst wurde dagegen von einer großen Anzahl , Soldaten ausgesucht. ES waren Juden, welche do» Fest mit ihren Brüdern zu feiern kamen. Jever wollte einen an seinem Tische haben, die Rtlchcn wie die Atmen; man machie sie einander streitig und .sie waren allentbalben sehr willkommen. Wadr ist e». in diesen Festtagen sorgt die Gemeinde sehr freigebig für die Bedürfnisse der Armen. Sie giebt ihnen alle» ungesäuerte Brot, wa» sie essen können, ne vercheilt ~ reiche Almosen .an sie;, sie will, daß sie ordentlich Fest kalten; und man weiß, wie die Armen die» Ibun.j.wenn sie können unv dazu ermutbigt werden. E» -bedurfte nicht mehr, um*dre Juden von Rom in ihren eigenen Augen zu erheben, um sie bi» zu einem gewissen Punkt in ihrem eignen Bewußtsein zu rehabiliriren. Aher die» war nicht Alle». Von dieser Zeit an waren die Juden wirklich nicki mehr jenen Demütdigungen. jenen Recht»« entziehungen auSgesetzt, welche die Gebrauche und die Gewohnheiten de» alten Rom» gleichsam geheiligt hatten. .ES wurde un» der Vorfall der inngen französisch^, Jüdin erzählt, welche ihr Kind behielt, trotz der Taüfe durch eine Hebamme, trotz der Gendarmen de» Papste». . Au» dieser einzige^ Thatsache kann man erkennen, daß e» eine neue Aera für die jüdische Gemeinde war. Aber ich selbst habe, der Feier ihre» Gottesdienst beiwohnend, da» Gefühl der Erhebung kiese» Stammes von Israel erfahren. Im Aeußern bat da» Gebäude, in dem sie sich versammeln. nicht» BemerkenSwerthe». E» ist kein gewöbnljche» Hau», e» ist kein Tempel; man könnte leicht Vorbeigehen, ohne nur seine Bestimmung unv seine Wichtig- - keit zu vermuthen. An dxr Tbür befindet »Ich eine kleine Fonraine, wo man vor dem Eintritt seine Abwaschungen machen kann. Wir folgten unserem Führer und gelangten mit ibm, den Hut aus dem Kopse, in einen großen Saal ganz voll von Männern, die saßen, bedeckten Haupte» und die Schultern umhüllt mit einer Atz blauen Tartan», mit einem Sack zum Zeichen der De- % müthigung und de» Schmerze». Zu unserer Rechten aus einer Tribüne sengrn junge Leute in Hebräisch einen