Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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14 sowie ibre Kinder, ein elendes und sebr kraftloses Aussehen. Mehrere scheinen mir mit Gebrechlichkeiten behaftet, wesche bald oder spät dabinraffen, und vor der Zeit gealtert. Ich bat um die Erlaubnis. in ein von wohlhabenden Israeliten bewobnres Haus zu treten. Mein Cicerone wandte sich an Handelsleute, welche für reich Kelten, und vje mich in das PalaiS führten, daS sie außerhalb des Ghetto bewohnen. Die Zimmer waren groß und sebr luftig, daS Ganze reinlich genug und wobl geballen, aber sehr einfach, sebr bescheiden. Ick bemerkte einige Gemalte und zeigte sie mu dem Finger dem Herrn des LogiS. gleichsam um idn darüber zu fragen, wie er ibre Anwetendeit in feiner Wohnung mit dem Gesetze GorreS vereinige. Cr antwortete mir durch einen Blick und einleichtes Achselzucken, welches unmöglich mißzuverftehen war. CS war der Ausdruck einer so großen Gleickgülrigkeir für alle diese Bilder, daß ich mich gänzlich über seine Treue beruhigen konnte. Cr wird ibiien nie dkn leUdtesten CultuS widmen. Indessen, va er aus Toleranz dreses-HauS bewohnt, muß er sich jeder Demonstration enthalten, welche dem Eigenkbümer mißfaßen könnte; einem Kcttboliken stünde es vollkommen lieft die heiligsten Gemälde auSzulöschen. sie mit allen Farben des Regenbogenzu bedecken und selbst sie kusch Tableaur zu ersetzen, dir. mehr heidnisch als christlich wären ... aber einem Juden ... Das ist ganz elwA Anderes. Wenn idm irgdud etwas dieser An einstele, würde er stark zu befürchten haben. es rem inkeressirten oder devoten Cigenthünler sebr lbeuer zahlen zu nmssen. oder ins Ge- ''.iigniß zu kommen: vielleicht träte ihn selbst noch etwas «schlimmeres. Die Toleranz, welche einigen reichen Familien gestaltet, außerhalb des Ghetto zu wohnen, ist nicta ganz unentgeltlich. Cinmal muffen sie daS ganze Haus nnetben. vom Keller bis zum Boden. Cin Römer, ein guter Karbosik kann nicht unter dem nämlichen Dache nm einem Kinde Israels wohnen. Ist dies ein alteS Vorurtbell? ist es eine Maßregel rer kirchlichen oder politischen Polizei? Ich weiß eS nicht, aber eS ist Tbatfacbe. daß die Isolirung der beiten Raren durch die Gebräuche unk die Gewohnheiten aut die absoluteste Weise vorgeschriebe» ist. Uebrigens gefällt daS Etablissement der Juden Außerhalb des Ghetto durchaus nicht den Herren Pfarrern. CS schmälert um so mebr ihre Kasualien Sie haben sich auch kräftig widersrtzt und nicht nachgegcbrn. bis sie eine pekuniäre Entschädigung erlangt haben, fünf Procenr des Mietbzinses. Die Geschäfte dieser Art sind so häufig in Rom, daß sie Niemanden skandaliffren. Alles kann man mittels Geldes arrangiren, so lange der Streit keine religiöse oder politische Färbung bat. ' Cs war Sabbath, als wir in die Wsbnung unseres Juden gekommen waren. Er entschuldigte sich, nichtzu daben, oder vielmehr unS nichts anbieten zu können: und da er unseren Besuch nicht erwartete. waren wir darüber keineswegs verwundert. Tie Sabhathsrube schien uns strenge beobachtet. Wir saben Picht die geringste Spur von einer Vlenenken Beschäftigung. WaS ich weiß. ist. daß die Juden in Rom sehr sorgfältig daS Gesetz beS RubetagS beobachte«. In einigen Ländern, wo die Geschäfte am Sonntags auSgesetzt find. haben sich die Juden de» Gewohnheiten deS Landeunterworfen, das sie bewobnen. Sie verschließen ibre Magazine und restgniren sich, sie am SamSlag zu öffnen. In Rom können sie den Sonntag benutzen; sie verwenden ibn allgemein zu ihren Handelsgeschäften, waS die Polizei toleriren muß. Eie machen ihre Käufe in den Magazinen sn gros, und alle Kaufleut-', welche mit -ihnen handeln wollen, sind genöibigt. sie zu empfangen oder sie an diesem Tatze vorzugsweise vor allen anderen zu besuchen. Ihre Beharrlichkeit, ibre gewissenhafte Anhänglichkeit an daS Gesetz Mosiö triumpdirt beständig über den Widerstand und die Hindernisse, die man ibnen entgegensetzt, weil ne nicht vor den Opfern zuruckweichen, die es bedarf, um ihren Überlieferungen treu zu beiden. Fast der ganze Handel der römischen Staaten ist in ihren Händen, wenigstens der frei gebliebene, denn cS giebt eine große Zahl von Privilegien, einigen Günstlingen der Regierung eingeräumt, und Monopole, die sie sich selbst Vorbehalt. Indessen findet man in dem Ghetto Magazine, welche ebenso gut verseben wie besucht scheinen, nicht in Phantasie- und LuruSgegrnständen. sondern in schönen und guten Waaren zum Gebrauche dcS Bürger» stanves und der Landleure, welche sich daselbst fast mir allen zum Leben nöthiqen Dingen versehen. Neben diesen Magazinen, welche beträchtliche Kapitalien revräsenriren, findet man andere, wo aller erdrnkliche-Trödelkram aufgebäuft ist: alte Kleider, alte Hüte, alte Schuhe, alte Möbeln. Vergebens aber würde man daselbst Kunst, gegenstände. Reste keS Mittelalter- oder deS AlrerlhumS suchen. Wollte ein Jude sich diesem Handelszweige ergeben. so könnte er eS nur ganz geheim rbun und nur, nm das. was er ganz in der Stille in Rom gekauft hätte, in die Fremde zu schaffen. Ich glaube jedoch nickt, baß fick einer von ihnen von dem Gewinn versuchen läßt, den er auf diese Weise macken könnte. Er würde sich zu sebr der strengsten Straft datür aussetzen. daß er in die Prärogarive des Staats oder der Kirche gegriffen Hane. Die Gegenstände der Kunst aller Zeiten sind Domäne des Staats, falls sie nickt durch irgend eine Tradition oder eine religiöse Weibe der Kirche geboren. WaS die eigentliche Industrie betrifft, so giebt es nur drei oder vier Gewerbe, denen sich hie Juden widmen können, und dieS sind keineswegs die lukrativsten. Irre ich mich nicht, so sind eS die. welche sich an ihren Handel mit allen Sacken knüpfen: sic können die alten Schube, die alten Kleider, die alten Möbeln auSbeffern. die sie gekauft baden und wieder verkaufen wollen. Alle freien Berufsarten sind ihnen mehr oder weniger untersagt oder vielmehr verschlossen. Sie können sich wobl darauf vorbereiten, im AuSlanbe öder selbst in Rom. wo man ihnen daS Diplom als Mediciner und Chirurg giebt, soviel u»an mir gesagt bat:-aber sie können ibre Wissenschaft und ibre Talente nur ihren Glaubensgenossen -widmen. Sie scheinen gute Praktiker und einige sebr unterrichtete Männer für die Leitung ihrer Schulen zu haben. Begreiflicherweise fallen alle Kosten für den Cultus, für den Unterricht der Jugend, für die Unterstützung der Armen der Gemeinde zur Last. CS ist schon viel, daß sie dafür fast sowie sie will, sorgen kann, und bijetzt loben die Juden unter diesem Gesichtspunkt die Toleranz