Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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jUfalm deS Äcni^S Davit. Zu unserer Sinken bolre der Rabbmer aus einen Schrank das Buch. des Gesetzes. Dieses Buch war nickt gedruckt und gebenden wie unsere Bibeln, sondern ans aneinander geklebtt und auf einen: Stabe mit vergoldeten Knöpfen auf-erollre Pläner. Der Rabbiner rruz es auf die Tribüne-gm anderen Ende deS ,Saals. Die Gemeindeverordnelen! folgten ihm in- Procesuon. Die geschloffenen Reiben der Gläubigen öffneten ück achtungsvoll, um ibn turckgebe^i zu lassen; aber «enn biirer.den Ueberwurr, der es bedeckrt, erfassen konnte, sühne er ivn an die Lipven. -an fein Her; oder an seine Snrn mir einer so leidenschaftlichen Bewegung, daß unS die Lbränen in die Äugen kamen. Zeder Jstaeiit soll daS heilige Buch lesen; dies ist seilte Bsucht unk sein Recht, aber nicht ^lüe können diese Pflicht erfüllen, noch sich ibres Rechtes! bedienen, weil das,für den Gottesdienst gebrauchte Eremplar die Local» punkte nicht bat und der größte LbeÜ der Juden daS Hebräische nicht ein wenig geläufig z» lesen versteht, obüe die Hinzufügung dieser Zeichen.; bin junger Mensch, rast ein Kind, vetrricktete LaS Geschäft res Vorlesers. Ter Rabbiner tznd der wirkliche Vorleser überwachten ibn. damit er sich iiüvh irrte. Die Gläubigen folgten ihrerseits auf jhrcff Büchern. Die Aufmerksamkeit. daS. Interesse schienen put den . höchsten Grad gesteigert;u sein: und man begriff es leicht, wann mau wußte, daß es das Capitcl der großen Befreiung des Volkes unter AsveruS war. daS man ihnen laS. Dies ist daS Fest, welches ste während der heiligen Woche feierten. kenn der Jabreskag ckrer Ostern correspondirt. wie man weiß, nicht mit dem der Christen. Wir gingen auS diesem Saal in dir anderen, deren es inebrere giebt. vier oder fünf. Alle > boten den nämlichen Anblick, alle waren ^voll Leute.! Ich glaube nicht j mit der Annahme;u übertreiben, daj ungefähr zweitausend zugegen waren. Unsere Gegenwart störte ne durchaus nicht; kaum erhoben Einigei die Augen auf j unS; aber mehrere wechselten einen Blick oder ein Zeichen deS Einverständnisses mit unserem Eitztubrcr. der von Allen scdr gekannt schien. *; , Ich weiß nicht, ob ich mir eine Illusion mache, aber tiefe Männer erschienen mir alS ganz andere, wie in der Straße, bs war nicht mebr dieff Demutb, dieses Mißtrauen in sich selbst, bas mir aufgtsallen war.'. Im ' Gegenibeil. eS lag hier etwas Festes und Entschiedenein ihrem. Ton. in ihrer Haltung. | in ihren Blicken; ein Geiübl von lleberlegenbeit in ibrer! zeitweisen Erniedrigung, von Ergebung, von heiliger Resignation in die Beschlüsse der ewigen Weisheit und von vollem und gan- , . $rm Vertraue» auf eine glorreiche Zukstntl; sodann nnter ihnen eine etwaS mvstcriöse Art von freundschaftlicher und brüderlicher Familiarität. Eie Frauen kommen nicht für gewöhnlich-in die , ' Schule, in die Svnagoge. Man glanht, daß sie, besser zu Hauw bleiben, nickt wegen der Hajrsbaltgeschätte, da , es Sabbalb ist und sie sick ebenso wih die Männer von \ jeder dienstlichen oder materiellen Beschönigung enthalten müssen, sondern weil ihre Gegenwart die Andacht der Gläubigen stören könnte. Sie kommen nur an gewissen Festen in großer Anzahl hin, uud auch an diesen Tagen, wie an dfn anderen, wobnen sie dem Gottesdienst nur in vergitterten Logen bei. Der letzte.Saal, den wir besuchten, schien specieller ffür sie bestimmt zu sein. Drei Etagen von Galerien erbeben sich übereinander bis zum Giebel deS Gebäudes und können die ganze weibliche Bevölkerung deS Ghetto : bergen. Einige kleine Mädchen können jedoch mit ibren Eltern in die Schule kommen, und wir sahen deren mehrere. die sehr aufmerksam zu sein schienen. An den gewöhnlichen Tagen können sich die Juden gleichfalls an ihren Versammlungsort begeben, uns einige Angestellte recitiren die Gebete; aber ihre Anwesenheit ist nickt oblij garorisch: ein Jeder kann auch die Gebete zu Hanse hersagcn. DaS ist. was ich im Ghetto gesehen, was ick auf sichere Weist über seine Bewohner, -ihre Gewohnheiten, ibre Institutionen. ihr LooS in der Hauptstadt der Christenheit erfahren habe. Ick bade erzählt, waS ick bei dem Besuch dieser Reste Israels gefunden bade, was ick weiß, oder was ich wenigstens zu wissen glaube. Trüge ich mich. bin ich über einige Punkte getäuscht worden, so kläre man mich darüber auf; trüge ich mich nicht, so beklage. so achte man diese armen, so lange Zeit unterdrückten Unglücklichen; so thue mau alles Mögliche, um ibr Loos zu verbessern, um das erniedrigende 2och zu brechen, das noch auf ihren Häuptern lastet. Anekdoten und Scherze. Bon W. Ein polnischer Jude kanr am jüngsten Vorabend deS PeßachfesteS sehr spät in einer Landgemeinde an, um über daS Peßachfest dorr zu bleiben und zwar mittels BilletS auf Kosten der Gemeinde. Einige Juden machten ihm Vorwürfe darüber, daß er am Eref Peßach so spät eintreffe. Er entgegnete ihnen darauf: Sagt dock die Ge» rorob in Ketbubotb schon: T5**-» rrcc n?c ich habe den Peßach schon in seiner Feier angetroffen, wenn also die Gerorob schon diesen Fall als möglich gedacht hat, wie könnt ihr mir wobl einen Vorwurf daraus machen, daß ich diesen möglichen Fall zu einem wirklichen machte? Die Landleute waren erstaunt über die Gelehrsamkeit des PolakS und jeder von diesen braven Leuten wollte den großen Thalmudkenner zu seincm Tischgenossen haben. Allgemeine Zeitung deS JudeuthumS. No. 3. 1859. Leitende Artikel: Der,Umschwung. — Noch eine andere Warnung aus der Geschichte, j Zeitungsnachrichten: Deutschland: Kassel, Hamburg, Fürth. — Preußen: Berlin, Posen, Magdeburg. — Oesterrelchischer Kaiserstaal: Wien. Horic — Rußland: AuS Litchauen. — Holland: Haag. — Frankreich: Paris, Paris. — Italien: London. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich *4 Thaler. 1 Berantwortlicher Redacteur: K. Rabe. Verl-s *»» Ba»«gLrt»er'« Duchdaudtuug in kripp-. — Druck von »lexauder ««cd» i« kripp-.