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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 3 (1859) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
3 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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Odem seines Geiste-, die Liebe der PulSfchlag seine- Herzen-, da- Recht da» Nervenmark seine- Willen- «erden; die Tugend muß ihm zum bewußten Grundsatz, muß ihm zur bewußten Gewohnheit werden, daß sie all sein Denken. Sprechen und Thun beherrscht; und so soll er sich mitten in allem Wechsel und auallen Kämpfen de- Lebenheraus zu einem Charakter, zu einem «dein, lautern, liebeerfüllten, gotte-fürchtigen Charakter entfalten, bilden und festigen. Sehet, solchen Charakter soll er in den Höhen und Tiefen de- Lebenbewähren, im bürgerlichen Leben, in den Freuden und Leiden betbätigen. Dieist die wahre Aufgabe de- Menschen, und fürwahr! die kann Zeder lösen, und unter allen Umständen. Aber sehen wir nicht Alle ein. daß all die-, daß diese Grundsätze, die Erkenntniß, um sie zu erlangen und die Willenskraft, um sie au-zuführen, allein auf einem Grunde ruhen, auf Gott, nur aueiner Quelle zu schöpfen sind, au- Gott?! Saget, die Grundsätze der Wahrheit, de- Rechts und der Liebe, von wem lernen und erfahren wir sie? Don den Menschen? Aber sind diese nicht ewig im Streite darüber? Aull unselbst? Aber sind wir nicht immerdar im Dunkel und Schwanken io uns? Audem Leben? Herbergt dienicht alle möglichen Gegensätze und Widersprüche? Soll etwa die Ehre die Grundlage unsere- Charaktersein? Aber die Ehre ist ja nur die Meinung der Menschen über un-, und welche hohlen Begriffe von Ehre herrschen bei diesen? Nein! nur von Gott, von Gotte- Lehre und Gotte- Werk erfahren und lernen wir da- Ewigrechte und Ewigwahre, nur auf ihm beruht dawahre Gute, ohne Gott, ohne Gvtte-lehre sind wir beständigem Widerstreit anheim» gegeben. Haben wir kein Recht, keine Liebe, keine Wahrheit! Und darum, kommt Alle-wiederum darauf an, daß wir die rechten Begriffe von Gott, Gotte- Wesen und Gotte- Willen haben, Alle-, daß wir vom Aberglauben so fern wie von allem Heidenthume, dem alten und neuen Aberglauben, dem alten und neuen Heidenthume, seien; und darum ruft undaheilige Wort zu: de- Ewigen sei der Mensch! De- Ewigen sei der Mensch! Daheißt also: wie wir de- Ewigen Werk, wie unser Geist de- Ewigen Ebenbild, so sollen wir in Gott den Ankergrund, den Inhalt und die Bestimmung unsere- Lebensuchen, so sollen wir Gott stetvor Augen haben, ihm nacheifern, seinen Vollkommenheiten nachstreben, so sollen wir undie Grundsätze zu eigen machen, die auihm fließen und die er unhat lehren lassen, die Grundsätze der Gottesfurcht, der Liebe und de- Recht-. so sollen wir diese in allen Lagen und Tagen de- Lebenin unserem Denken. Sprechen und Thun verwirklichen, wir sollen sein, wir sollen de- Ewigen-sein! 'nb Des Ewigen ist die Erde! man mb De- Ewigen ist der Mensch! Und müssen wir da nicht noch hinzufügen: bansr mb DeS Ewigen>ist Israel?! AlS Moscheh an daS Thor de- Lage« trat und davon Abtrünnigen errichtete goldene Kalb erblickte, rief er auS: •*,b« mb •’M Wer de- Ewigen ist, trete zu mir! Eist wahr. Gott hat Israel erkoren, ve- Ewigen zu sein, hat ihm seine Erkenntniß und sein Gebot übergeben, sie zu voüführen und zu wahren und der Menschheit zu lehren — wer kann eläugnen, da diese sie von ihm wirklich gelernt und immerfort lernt? ES ist wahr. Gott hat Israel erkoren, ihn anzubeten, bi» daß alle Stamme der Menschen sich zu dieser Anbetung vereinen — wer kann eläugnen, da wir noch heute hierzu versammelt find? E» ist wahr, Gott hat Israel erkoren, in diesem Berufe eckig zu bestehen, so weit ein „ewig" auf diese Erde paßt — wer kann eläugnen. da wir noch heute bestehen, nach fo vielen Jahrhunderten, unter so vielen Kämpfen »nd. waS noch mehr sagt, bei so vielen Versuchungen und Verlockungen? So gilt vor Allem von Euch, Israeliten, an«. mb de» Ewigen seied! Ihr sollet und solltet Muster und Vorbild sein, wie man.de- Ewigen ist in diesem Erdenleben, wie man feint Erkenntniß, d. 1. die Wahrheit zu höchst schätzt und für sie willig Irdische--opfert, wie man die Grundsätze der Gottesfurcht, de- Recht- und der Liebe zu seinem eigensten Charakter macht, und fie bethätigt alle Zeit, so viele Anstrengung und Selbstüberwindung eauch kostet, wie man von diesem Wege nicht weicht, so groß' die Hindernisse auch auf ihm find. So ergehet an Euch, Israeliten, der Ruf noch heute: '’ba mb ro wer de- Ewigen ist — er trete hterher! Nein! nicht dabürgerliche Leben und seine rechtmäßigen Anforderungen, auch nicht ein weiser Genoß de- Lebenstreiten hiermit, vielmehr fließen fie erst recht daraus, werden geregelt und zum glücklichen Ziele geführt. So vergesset fa nimmer, Israeliten, nicht in dem wirren Treiben d»S^ bürgerlichen Leben-, .nicht wenn die Freude Euch den Becher reicht, und nicht wenn Ihr bittrekeid auS dem Kelche degöttlichen Geschicke»' zu trinken habt — ana 'nb Ihr vor Allen sollet de- Ewigen sein auf Erden! Simon Kaftan in Wilna. Gin Muster der Menschenliebe. (Nach einem hekrÄfcheu Artile! in der Zeitschrift „Hamagid"^ mitgethritt von 9t. X.) * I— Al» Muster außerordentlicher Wohlthitigkeit und Selbstaufopferung erscheint in Wilna ein Mann Namen- Simon Kaftan (so genannt wegen deeinen und desselben Rocke» — Kaftan — dm er seit dreißig Jahren trägt). In einem beftächharten Dorfe von bemittelten Eltern abstammend, sah « in seiner Kindheit seinen Vater viel Gute» gegen die Armen au-üben, der aber im Alter sein Vermögen verlor und selbst der Wohlthätigkeit bedurfte. Nachdem er in Armuth und Elend gestorben war. ging Simon nach Wilna, wo er .seit damalvon dem spärlichen Einkommen eineniedrigen Handwerke-. daer in der unterirdischen Wohnung einearmen Glaubensgenossen betreibt, fein Leben ftistet. Kaum hat er einen Pfennig verdient, als er ihn schon' mit anderen Armen theilt. Einst erzählte er, «» wären ihm himmlische Wesen im Traume erschienen und hätten ihn zu größeren Wohl» thätigkeiten aufgefordert, und seit jener Zeit benutzt er die Nacht allein zu seinem Handwerke, den ganzen Tag hingegen, vom frühesten Morgen bi» zum spätesten Abmd, steht man diesen schwachen Grei» in den Straßen wandelnd. mit herzzerreißender Stimme, manchmal auf der Erde hingestreckt, die Vorübergehenden zu ftommen Spen-

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