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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 3 (1859) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
3 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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die Folgen des ZubelS und Rausches in Lust und Genuß? Ein siecher Körper und ein erstorbener Geist! Leerheit deS Gemntbes und Entkräftung! DaS kann nickmermehr so sein. -Und so werden wir doch immer wieder zu einer bobcn Bestimmung deS Menschen geführt. Und welche? Sie sagt zuerst: All Ties, wag Jene vorgebracht, bat seinen Tbeil Wahrheit, und gebe als Tbeil in die böbere Bestimmung mir aus. Ja, wir Knd da. dazusein, und darum vertbeidizen wir unser Dasein , gegen aste feindlichen Gewalten, wir stnd da. als nützliche Glieder der bürgerlichen Gesellschaft zu wirken nach unserem Tbeil und unserer Kraft, und es ist dieein gutes Werk, und wir sind endlich auch da. deS Lebens uns zu fteuen, und Gott bat uns der Freude fähig und theilbaftig gemacht-aber mehr und höher ist noch der Gedanke, der Inhalt, der Zweck und die Bestimmung deS Menschen, denn — de- Ewigen ist die Erde, deS Ewigen ist infonders der Mensch! Was heißt dieS? Jedes WesenS Bestimmung läßt sich azn besten und unwiderlegbarsten aus seiner Art und Weise erkennen. WaS sehen wir nun? Jede- Gethier kommt fertig an daS Tageslicht. Nur kurze Zeit, nur wenige Stunden oder höchstens Tage, und es ist nicht allein selbstständig nach seiner Art, sondern alle Fähigkeiten und Fertigkeiten, all sein Geschäft und Werk, die eS nach seiner Art erreichen kann, hat es vollständig. Und wie daS Individuum. so die ganze Gattung. Eine Thiergatlung ist böber angelegt, als die andere, aber waS eine jede einmal ist. so weit irgend die Erinnerung her Menschheit zurückgeht, daS blieb und bleibt sie für immer. In Beidem entgegengesetzt der Mensch. VS zieht kein hüls« losere- Geschöpf als das Menschenkind, wie eS auf die Welt kommt, preisgegeben sofort dem Verderben, wenn nicht liebende Eltern mir der mannichsaltigäen und unermüdlichsten Sorgfalt es empfingen; und dies nickt. Monde,. Jahre lang bedarf der Mensch der Fürsorge und Erziehung. und ein Zeitraum, wo-die kräftigste» Tbiere schon' gealtert sind, ist notbwcnkig. um den jungen Menschen an Körper und Geist ganz selbstständig , zu Wachen. Dies daS Eine; das Andere: so lange der Meijsch lebt,, entfaltet und entwickelt er sick^ ledwerer T«g bringt ihm NeueS und schafft sich an ihm Neues; immlersorr saqmiclt er Vorstellungen. Kenntnisse und Begriffe. Erfahrungen; immerfort hat er Kämpfe zu bestehen, Prüfungen durchzumÄchen, Mübsale zu ertragen, und auS allen geht er weiser, bedeutender, entwickelter hervor. Saget dagegen nickt, Diele werden aber schlechter, listiger, tückischer, sündhafter. Derbrecherischer — daS ist' zwar eine Entwickelung zum Schlimmen, aber doch eine Entwickelung, eine Entsaftung von Kraft; $irie werden hartnäckiger und beschränkter in ihren Ansichten und Strebungen — aber auch dies ist eine Vertiefung und Stärkung, eine Entwickelung. Saget auch nickt, daß der Mensch im Alter viel wieder verliert. und schwächeren Geistes und kraftlos werde — gewisse Geistesvorzüge hat auch daS Alter, und seine Schwäche gleicht nur der Ermüdung deS Wanderers gtn_ Abend, die er am Morgen von sich gethan, odne daß er damit Etwavon den Erfahrungen und Genüssen verloren hatte, die er am Tage zuvor auf feiner Wanderung gemacht. Und wie das Individuum, so auch die ganze Gattung. Nur der Blöde kann die fortschreitende Entwickelung deS Menschengeschlechts läugnen, an Kenntnissen und Wissenschaften, an Verbindung und Zusammenwirken, ja auch an Humanität und Freiheit, an Aufklärung und Gesittung! Und können wir nun zweifelhaft sein, welche die Bestimmung deS Menschen in Wahrheit ist. wenn wir so seine Art und sein Wesen erkennend Die Entwickelung feiner selbst, die Entfaltung, Erweiterung. Festigung und Kräftigung aller seiner geistigen Fähigkeiten und Anlagen, aller seiner geistigen Derolbgen und Kräfte. dieS ist die Bestimmung deS Menschen, dazu ist er da, dazu lebt er in der menschlichen Gesellschaft, und darin soll nicht allein das Werk, sondern auch die Freude und der Genuß seines Daseins bestehen. Aber Ihr ftaget weiter: welche ist die Entwickelung, die er erstreben soll? welche soll er sich zur Aufgabe seine- Lebens machen? Eineist hier, was wir sofort beachten müssen. Es muß eine solche sein, der alle Manschen fähig sein müssen, so daß Stand, Vermögen, Bildung, selbst Talent und Genie keinen Unterschied machen, wenigstens deren Mangel kein Hinderniß stellen. Denn auch daS darf nicht eingewendet werden: sehen wir nicht zahllose Menschen sehr unentwickelt zu Grabe gehen, sehr roh. mit sehr geringen Erfolgen und Fortschritten? Ich könnte hiergegen sagen: könnt Ihr die Bestimmung der Blütbe läugnen, weil Millionen derselben vom Sturme abgerissen werden, ohne Frucht angesetzl zu haben? Den Zweck der Fruckt verkennen, weil zahllose von ihnen niederfallen unreif, vom Wurme gestochen? In feiner Schöpfung arbeitet der Herr mit Billionen, in unenvlicher Fülle, um seinen höheren Zweck niemals zu gefährden. Aber ich entgegne vielmehr: nicht nach dem Aeußeren ist der Mensch zu beurtheilen, nicht nach der unS so scheinenden Großartigkeit seiner Verhältnisse, seine- Thuns und Laffens. So hoch Bildung und Willen stehen, so machen sie doch den Kern deS menschlichen Wesens, den eigentlichen Mittelpunkt der Entwickelung deS Menschen nickt auS. Fürwahr, in der kleinsten Hütte sind dieselben Leidenschaften, dieselben Niederlagen und Siege, dieselben Versuchungen und Triumphe, dieselbe Kleinheit und Größe der Seelen vorhanden, wie im Palaste. und Bildung und Wissen schließen kleinliche Gesinnung und verbrecherische That nicht auS. „Mein sind alle Seelen!" spricht der Herr, und so ist eS. Vielmehr: die wesentliche Entwickelung des Menschen soll dahin gehen, sich die rechten Grundsätze der Liebe. deS Rechts und der Gottesfurcht zu erwerben, und nach diesen Grundsätzen fest und sicher zu handeln, zu leben und zu sterben. Der Mensch soll nicht ein schwanke- Rohr sein, das fich dahin beuget, wohin, der Windzug des Lebengerade streicht; er soll nicht von den augenblicklichen Verhältnissen sich bestimmen lassen, ob er gut oder böse, hartherzig oder wohlthätig. .leidenschaftlich oder selbstbeherrschend, ehrlich oder bettügerisch, gehässig ober liebevoll handle. Der Mensch soll nicht wie aus Instinkt, aus dunkelen Gefühlen, je nachdem diese in ihm von außen geweckt werden, handeln. Sondern: die Gottesfurcht soll der

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