Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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ten ermahnen. Dann wirft Jeder, ohne Unterschied der Konfession. Geld in seine eiserne Büchse, wofür er Brok und Speise ansckafft. um verschämten Armen ihren Unter» halt in- Hauzu bringen, und versteht diese» auf wun» derbare Weife zu vollbringen, ohne den Empfänger zu beschämen. A!» er vor wenigen Lagen erfuhr, daß Einer, der durch schwere Arbeit sein Brot verdiente, Vurch 'Absterben eineö seiner Familienglieder sieben Tage im Zimmer zuzubringen genvthigr sei. wodurch seine und seiner Familie NahrungS'quelle versiegt fei. eilt« er bald und schaffte au» feiner Büchsensammlung für eine Woche Nahrung herbei, packte «S in einen Sack und kam in da» HauS de» Trauernden, angeblich die Pflicht dtS „Trösteus" zu erfüllen, ließ dann den Sack unvermerkt liegen und schlich davon. Arme Knaben, die im Deth^bamidrasch Talmud studircn. werden auS seiner Büchse versorgt, und eS gewahrt ibm unbeschreibliche Freude, wenn er Liefe ave um einen Tisch setzt und sie mit Brot und Käse (seiner LieblingSspeise) tracrirt. So oft man ihn an Fasttagen noch am spaten Abends abgematiet Hn den Gassen mir der Geldfammlung beschäftigt sieht, und ihn erinnert, er möge doch nun nach Häufe gehen und Lflbung zu sich nehmen, ist seine gewöhnliche Antwort: „Nicht koch! so lange die Straßen nicht menschenleer sind, darf ich meinen Posten nickt verlassen; ick würde sonst vielleicht an manchem Armen einen Raub begeben!" Erst wann alle Hauser gesperrt und keine Menschenseele mebd zu erblicken ist. zieht sich Simon in feine unterirdische Wohnung zurück, um durch seiner Hände Arbeit sein Brot zu verdienen. Nie fiel es ibm xin, vom Inhalte seiner Sammelbüchse für sich Gebrauch zu machen. Einst traf eS sich, daß ibm die Büchse emwenvet wurde, Isogleich siel er ohnmächtig zu Boden und schon gaben die Umstehenden die Hoffnung auf, ihn wieder aufkommen zu sehen. Als dies der Svnagogendiener — der allein von seinem ganzen Tbun und Lassen vollkommen unterichtet ist — erfuhr, schob er ibm schnell eine ähnliche Büchse mit Geld unter, und so gelang es, zum größten Staunen der Zuschauer, ihn wieder aufleben zn sehen. Viele andere Thatsachen übergehend, begnügen wir uy» mit diesen eben erzählten, um den Charakter dieses böchst seltenen ManneS anschaulich zu macken, Dieser Mann wurde erst in neuester Zeit, als ein'Geist de» Frieden» und der Eintracht die Herzen der verschiedenen Nationalitäten in unserem Lande zu vereinen begann, auch in christlichen Kreisen bekannt. Die achtbaren christlichen Bürger unserer Stadt begnügten sich aber nicht mir dem bloßen Staunen; sie erachteten e» vielmehr für angemessen, das Andenken einer solchen Srscheinung auch für spätere Generationen zu sichern. Zu diesem Dehufe ließen sie da» Bild Simon s -in seiner armlicken Kleidung daguerreotvpiren, und zwar die Sammelbüchse in der einen, und,einen Leib Brot in der ander«» Hand ballend (in welcher Weife man ihn stet» in den Straßen ' erblickt); diese» Bild wurde dann in Gyp» im hiesigen Museum akr Muster der Humanität und Selbst- »erläugnung aufgestellt. Der bekannte polnische Dichter, Herr Horvtvnski, verfaßte in seiner Begeisterung für Simon ein Lobgrdicht auf denselben, welche« in der bier erscheinenden Monatsschrift „Teka Wilen^a“ gedruckt erschien. So bewährte fick hier an wi« der Spruch: „Wohlthätigkeit erbebt ein Volk". (Spr. 14, 34) *) *1 Der Verfasser diese« echt hebräischen Artikel«, Herr Rabbi» natScandidat I. Steinberg, theilte auch da« Gedicht de« Herrn K. in hebr. Ueberfetzuug mit, welches die Redaction de« .Hamagid" in einer späteren Beilage mitzucheilen verspricht. D. E. Einige Curiosa aus der Geschichte der spanisch-portugiesischen Juden. - (Nach Dr. Kayserling'« Sephardim. Berlin 1859.) Der erste spaniscke Troubadour war — ein Jude, und seine» Handwerks ein ehrsamer Kleiberhändler, Rabbi Sanlob auS Carrion, einer kleinen Stadr AltcastilienS. In einem Gedichte sogt er: „Ist der Habicht minder werth Weil in» schleckten Nest die Brut? Sind die Beispiel minder gut. Weil der Jude Dich sie lehrt?" Sein Hauptwerk Lewsejos richtete er an den König Don Pedro, und kommen darin viele Anklänge und Sprüche au» Talmud und Mitrasch vor. Der letzte spanische Troubadour war ebenfalls ein Jude. Anton de Monroro. feine» Handwerks ein ehrsamer Schneider, der trotz seine» Ruhmes feinen Sckmeidertisck nicht verließ. Seine Glanzperiode war unte^-der Königin Jsabella. Bekannt ist die Anekdote: Als noch in den siebziger Jahren de» vergangenen Jahrhundert» der König Joseph von Portugal den Befehl hat ergehen lassen, daß alle seine Umerlhanen, welche von Juden abstammten, gelbe Hüte tragen sollten, erschien sein mächtiger Minister, der Marqui» von Pombal, dem e» gar nicht recht ernst um die Kirche gewesen, mit drei gelben Hüten unter dem Arm bei seinem Könige. Läckelnd fragte ihn der Monarch, ' was er denn mit diesen machen wolle? Worauf ihm; der die Jesuiten hassende Minister allen Ernstes erwirderte: j „Den einen Hut habe ich für mich, den andern für den l Groß-Jnquisitor und den dritten für den Fall, daß Ew.! Majestät selbst sich bedecken wollen." ES sivürde nicht! allzu schwer fallen, aus dem geheim gehaltenen „spanischen Brand" den Nachweis zu führen, daß auch die spanisch« portugiesische KönigSfamilie von dem mala sangre de» Hause» Juda nicht ftei sei. Allgemeine Zeitung de« Judewthum«. No. 2. 1859. Leitende Artikel: Die Stellung der Judenin derPolemik. — Bom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Au« Bayern. — Preußen: Munster, Münster, au« dem Kreise Arnsberg. — Oesterreichischer Kaiserstaat: Au« dem Lokayeyebirge. — Rußland: Petersburg. — Italien: Modena, Maastricht. London, New-Uork, Berlin. ... JB5F Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich 7« T Haler. Verantwortlicher Redactenr: K. Nabe. ~~ Verl«« »»» V«,»,«,t»er « vnchtzandl»,- i» Seiptig. — Drack »0» >lex«atz«r Wied« ia keipzi,.