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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 3 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
3 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem Gebiete. Herausgegeden von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Mo. 3. 1839.] Son dieser grNsäirifr eriLeint wötentli» eine Annntr. Jadegang» 1 ldlr. ä*ifrr«(jäbri« V/. Si«r. Alle kucddandlungen. Voftämier und 8eirunft-ekveditioaeN'net>m«a VeKellungen an. l^6.Zahrg. 1. iLuartal.^ Zum bürgerlichen Neujahr. Ein Wort zum Bedenken. - Wenn heute daS bürgerliche Leben ein neue- Jahr zu zählen beginnt, und uns hiermit dieses selbst an die flüchtig vorüberrauschende Zeit und an all den Wechsel', der an und um unS vorgehl, erinnert; wenn wir dann einen Blick auf den so eben verlesenen Abschnitt der heiligen Schrift und daS große Gemälde werfen, daS er vor uns aufrollt, ein Gemälde, in welchem Göttliche- und Menschliches und sein Kämpfen und Ringen im Menschen und in der Menschenwelt eine so scharfe und tief eingehende Zeichnung erhalten — dann tritt auS ihm unmächtig ergreifend als Schlußsatz und Ergebniß der Spruch (2. Mos. 9, 29) entgegen: -nb *o nn p?nb auf daß Du erkennst, daß de- Ewigen die Erde ist! Ob die Jahre kommen und gehert, deS Ewigen ist die Erde — ob die Menschengeschlechter erscheinen und verschwinden auf dieser Erde — de- Ewigen ist die Erde! Aber nein! daheißet nicht bloS, daß de-Ewigen Werk und Schöpfung diese Erde wie da- All, nicht allein, daß de- Ewigen ist die Macht und die Herrschaft ob dieser Erden wie ob dem All — mehr noch, daß de- Ewigen ist daS unendliche Sein, wie sich dies auch in wechselnden Gestalten und Formen darstelle, daß deS Ewigen ist aller Odem, den er in die Wesen gegeben, daß de- Ewigen ist der Geist, den er dem Menschen eingesenkt, daß de- Ewigen ist die Führung alle- Geschehenden, daß sein da- Ziel und der Zweck und die Bestimmung!... Fragen wir nach der Bestimmung deS Menschen in diesem Leben aus Erden, so treten die Einen auf und sprechen: T« ttnnan p tto ..der Vorzug de- Menschen vor dem Thiere ist nichtig", der Mensch ist da, um da zu sein, um da zu fein als Mensch, wie da- Thier alS Thier, die Pflanze ol- Pflanze, da- Gestein als Gestein. Er wird geboren, lebt und stirbt, dieist seine Existenz und in dieser und um diese eristirt er. Aber, fürwahr! dann wäre der Mensch ein Pfuschwerk de- Schöpferwie keinewieder! um die bloße Existenz solch« Mühen, solche Anstrengungen, solche Schmerzen und Trübfale, so viele Bitterkeiten und Arbeiten! Nim- J mermehr, dem widersprechen alle Stimmen in un-, all j unser Wesen und selbst all unser Thun. Wie glücklich,; toU bevorzugt, wie einig und vollständig in sich wäre, dann dageringste Thier, dessen wir doch die Herren find — wie elend und vom Herrn verworfen wir! Nein, dakann nur die Verzweiflung sagen, oder der-völlig herabgekommene und verzehrte, der entnervte unp entartete Mensch, der nur Asche und Lava in der blühenden Schöpfung sieht. Dann tr-ien Andere'auf und sagen au-: yy* *|b -po« bsan •a >„So Du von Deiner Hände Arbeit lebest, wohl Dir, es geht Dir gut" (Ps. 128,2) wir sind da, um im bürgerlichen Leben tüchtig und ehrenvoll zu wirken; Du. Schneider oder Tischler. Du. Hausirer oder Kaufmann. Du. Arzt oder Lehrer, thue emsig, wa- Deine- Amte- und Berufeist, und eist genug. Und, fürwahr^ DaS sagen und vermeinen Biele. Wir find bestimmt, Glieder der großen, menschlichen Gesellschaft zu sein und unsere» Platz in ihr auszufüllen, fo groß oder fo Nein er sei. Aber wozu wäre dann diese Gesellschaft? Nur damit, der Sine schneidre, der Andere tischlere, der Dritte haaflre oder handle, der Vierte unterrichte oder advocire? also nur, damit dem Menschen Speise, Kleidung. Wohnung %.' dgb. in Gemeinschaft geschafft werde, wada- Thier einzeln sich schafft, nur daß eS feiner, raffinirier sei? Und fühlen wir unS wirklich befriedigt," und wacht'in unS kein höhere-'Bedürfniß. kein Verlangen, keine Sehnsucht nach Höherem auf. wenn wir geschneidert und getischlert, Geschäfte gemacht und herumkurirt ^haben? Und heruht die menschliche Gesellschaft wirklich auf Nichtweiter/ als dem Schaffen und Vertauschen dessen, wazur Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse dient? Niemand wird diebehaupten. Aber die Dritten sagen: ..Ich will emit der Freude versuchen, und da- Güte genießen! nrwca 21L2 (Pred. 2, S.) Nicht doch, der Mensch ist bestimmt, _ sich seine- Lebenzu fteuen, eS zu genießen, eS lebt der Genuß, eS lebe die Lust! Dahin strebet und jaget, da- Leben vergeht, und wenn r-"vorüber, ist «S dahin, darum genießet e-, jubelt der Lust! Sagen sie doch al- Vorwand: ist nicht Euer Gott allgülig, wa» wird rr ^alfo Anderewollen, aldaß seine schwachen Geschöpfe freudig seien und da« Dasein ftöhlich genießen! Aber da. gegen regt sich zwiefache- Bedenken: zuerst, wer kann^ und möchte genießen. oh»e zu arbeiten? Dasind nur nichtige und leere Menschen, die ihre Tage müssig ver-! bringen, nurmit Tand sich beschäftigen und dann auf! Lust und Freude Anspruch machen. Und viel mehr will i Jeder arbeiten als genießen. Gebet dem geplagtesten Arbeiter sechs Ruhetage statt eine- und Ihr werdet sehen, wie bald er sie Euch.zurückgiebt. Und dann: wasind

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