Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 2 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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6 Die Söhne ttften auf zu ihrem Preise, Zu ihrem Lob ihr Mann in Tbor und Halle: ..O viele Frauen bandeln biedrer Weise — Mir sagr'S mein Her;: Du übenriffst sie Alle!" Dernebml's, daßeS vom Mund zu Munde fliegt, BiL alle Zeiten es von mir gebört:! Tie Alimulb täuscht, die Schönheit trugt, bin gotlesfurchrig Weib ist rübmcnSwerkh. Chassidische Sagen und Leqendlm vom Ba al schem. L'ni Vcon M endete bürg in Ltorokonstanlin^en -RuMand.) . Nack beendigtem Mahle erbob sich der Häuptling dieser Bande, ein Mann nah an die Fündig, der sich durcheinen atblenftben.- kräftigen Gliederbau^ impoairenb.c Haltung und wilde Entschlossenheit. die sich! in allen seinen Augen malre. vor allen Anderen au-jeichnett, und blickte schweigend auf seine Untergebenen, j - ' ..Einen barten Äampf", begann er, „haben wir heute teftaarden.. Der junge Graf mit feinem Bedienten haben sich verteufelt gewebrt, unser armer P. bat daS Leben eingebüßt: viele der Unseligen sinv verwundet," . (ri bielr eine Weile inne und wandte sich an einen rer nächst um ihn siebenden Räuber mir dtr Frage: „Hast Du. Marvm. heute die Kosten tzul vertheilt? beure gilr's vorsichtig sein. ' Diese Asiaire wird gewaltigen Spektakel machen, und man wird ohne Zweifel abermals einen Versuch machen, unserer habhflft zu werden; aber", fügte er hin;u, „wir wollen ibnen z/eigen, wer die feigen Memmen sind, wir oder ibre seilen Söldlinge, wir wolleck ihnen dieses Stuck Arbeit recht sbuer macken." Jede MuSkel seines wilden Gesichtes ruckte wild bei diesen Worten, und den Griff seines mächtigen Schwertes krampfhaft in^ der Reckten drückend, warf t er einen herausfordernden Blick aus die Umgegend. 1 Aber der letzte blieb erstaunt auf dem gegenüberliegenden Bergrücken haften, wo im Schimmer der untergebenden Sonne ein junger -Mann hergtschritlen kam. Finster zog er seine Brauen zusammen. ^>nd die Hand binstrcckend, von wo ihm die Erscheinung geworden, fragte er seine Genossen: ..Wer ist jener tollkühne WaghalS. der auf diesem balsbrcchenden Wege, bei Hellem Tage sich' zu unS wagt, kennt ihn Jemcknd von euch?" Die Räuber fchauren wie ein Mann flach dem angewiesenen Flecken hin, und welch' ein seltsame- Schauspiel eröffnet« sich ibren Blicken. Der junge Mann» verklärt vom Glanze der letzten Strahlen rer Sonne, schritt in träumerischem Nachsinnen verloren. immer vorwärts, nicht achtend auf die schrecklichen Schlünde, die zll seinen Füßen gähnten. Die Abgründe schienen vor feinen herannahenden Schritten sich auSzusüllen, hie Gebirge an einander zu rücken, damit sein Fuß nicht 'wanke, Keiner von den Räubern konnte sich entsinnen^ diesen jungen Mann jemals gesehen zu haben. „Wie seltsam", sagte der Häuptling, „dieser Jüngling scheint wie entzückt und in tiefeS Sinnen verloren, fein Antlitz strablend, die ganze Gestalt umflossen vom schimmernden Gold der Sonne, ist eher einem Wesen aus höheren Regionen äbnlick. Fast möchte ich geneigt sein zu glauben, daß eine unsichtbare Hand den gefährlichen Weg vor ihm bahne, wie wäre es ihm denn sonst möglich. so ohne alle Umwege und mühelos diesen halsbrechenden Weg einzuscklagen?" Noch einige Augenblicke wäbrte dieser Auftritt, endlich schien der Wanderer wie vom Traume zu erwachen, und seine Schritte gerade ins Tbal lenkend, schritt er über Berg und Kluft hinweg, und bald befand er sich in der Mitte dieser Räuber, die gan; verblüfft dastanden, und denen dieses wunderbare Gebaren die größte Ehrfurcht einflößte. Der erste Räuber näberle stch ihm bald mit der Frage, von wo er sei, und was ihn hierher führe? ..Eine Stunde weit von hier steht meine ärmliche Hütte, von mir seit Jahren erbaut. In dieser einsamen Gegend fand ick ein Asyl, um fern vom wüsten Treiben der Menschen mir und meinem Gotte treu zu leben, auf einem meiner öfteren Gangen verirrte ich mich bieber", lautete die Antwort res JünglingS. „Und wähnest Tu, daß ick so leichtgläubig wäre, mich mit dieser Ausflucht hintergehen zu lasten? oder, daß ick Dein sr.echcs Erkubnen ungeahnter lassen werde? weißt Du nicht, daß wir hier bansen, und, daß wir jeden Augenblick des VerrathS gewärtig sein müssen?" fragte mit strenger Geberde der Räuber. „Von der Wabrbeit meiner Aussage kannst Du Dick leicht überzeugen, Du .brauchst nur einen Deiner Männer in der Richtung nach Westen zu schicken; daß ich aber nicklS BöseS im Schilde führe, auch vor Euch mich nicht fürchte, daS könntet Ihr schon auS dem Umstande ersehen, daß ick. ein Einziger, mich hierher bei Hellem Tage in eure Mitte wagte", versetzte der Fremde. ,.O! wir waren so eben Augenzeugen von Deiner Zauberkunst, wir sahen, wie eine unsichtbare Hand den Weg vor Dir ebnete", sagte Jener. „Bewabre der Himmel", unterbrach ihn der junge Mann. ..daß Künste einer fluchwürdigen Zauberei mir zu Gebote ständen. Mit nichten! mit dieser habe ich nichts zu schaffen, nur der himmlische mächtige Schutz meines GotteS, de- Gottes Israels, ist eS, dem ick mich hingebc, er bewahret die Unschuld und beschützt, die ihm vertrauen; nur seinem Dienste allein habe ich mich in dieser Einöde gewidmet, wo ich ein hartes aber beschauliches makellose- Leben führe. Ich schlafe a*f hartem Lager, aber sanft gebettet von einem ruhigen Gewissen ... ich bin kein Feind der Menschen und der Gottheit." Diese Unerschrockenheit in der Minute der Gefahr, diese Ruhe amd Größe mitten in der Verlegenheit imponirte auf's Höchste diesen verhärteten Seelen. Der wunderbare Auftritt, der sich vor ihren Augen so eben entfaltete, lähmte ihre Willenskraft, daß Keiner von ihnen sich vermaß, Hand an ihn zu legen. Ein liefe- Schweigen herrschte eine Weile, endlich sagte der Hauptmann: „Da Dir von Deinem Gotte eine solche überirdische Macht verlieben worden, so gewähre unS eine Bitte und verkünde einem Jeden von unS sein künftige- Geschick.