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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 1 (1859) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
1 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
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o Qkorf'tt laut gugetufen: „Der Herr fdufft hinjveg all’ diese Pracht. daß statt WodlgeruchS Moder, statt Gürtels Strick, statt gedrechselten Haare« Klare, statt werten Gewände- Sack. Brandmal statt Schönheit sein werde." Aber auch aut edle Eigenschaften, selbst aut gute Lhaten ist er nickt eingebildet, denn er kühlt: ..wie klein er sei für all' die Treue und Wohltbak. die ihm Gott gewährte." Er weiß. Andere sind viel edler, haben weit Besseres und Größeregetban, und Alles ist geliehen von dem Herrn." Aber gerade darum ist der wahre Israelit auch voll Würden Er kennt den Werth keS Israeliten, wenn er ein rechter GoneSkampfer ist. den Werth deS Israeliten, wenn er ein rechter GoireSringer (irr) ist. Er achtet sich zu hoch, um zudringlich zu sein gegen irgend Wen und um irgend Was. Er bar zu sehr gelernt aut eigenen Füßen zu sieben, um sich aut Andere stützen und von Anderen abhHrqig sein zu wollen. Er findet seine Ehre nicht bei den Menschen — sondern bei Gott! So sucht er und strebt er: „vollkommen zu sein mir seinem Gone." Chassidische Sagen und Legenden vom Da' al schein. Pen Leen M endeledurg in SrorVlcnstantinen lRußl«»d^ Motto.! X<r ertälteukea Kritik gegenüber, welche i» Lebe» »ad StffeifAaft «bre jerfttratc Gelkonz bat-, ist es die Ticht»»g allein, welch« das erlöschende Jener wieder anschüri, das Gevrüth packt, den Geist «er da« Ge» »öhnlich« bmnnshebt, welche das Edle und Schöne in den» Mensche» «ttfarc Zeit nicht untergeben läßl. Zeit. .d. Juden. Jabrg. LXI S. «r>. > An einem der schönen Abende des verwichenen Winters saß ich einsam in meine» Stübchen, da fick Alles im Hause in die. Nachbarschaft begeben batte, um daselbst einen Besuch abzustatten. Der Frost hatte damals einen hoben Grav von Strenge erreicht, und mit desto größerem Wcchlhehagen blieb sichdaheim, im warmen Zimmer, wo ich mir und meinen Bücher»! ein Stündchen ungestört leben konnte. Eine geräusch» und harmlos« Stille herrscht« um mich und nur die dampfende Theemaschine brachte indiese Monotonie einige- -eben.. Bor mir auf rem Tische lagen die neuesten Nummern der Zeitung deS JudentbumS und deS jüdischen VolkSblaneS. Nachdem ich ein Weilchen im Lesen veniesl gesessen, that sich die Thür auf, und ich sah »neinen Freund. Herrn R. eintreren. .Nachdem ich ihn herzlich willkommen geheißen, ließ sich mein Freund auf meine Einladung nieder. „Sie könnten nicht zu gelegenerer Stunde kommen", sagte ich zu ibm. ..ich bin, wie Sic sehen, völlig allein, und wir können ganz nach uuserem Geschmack« ein Paar Stündchen im traulichen Gespräche zubringen." Bald entspann sich ein Gespräch, dasich bald um riesen bald um jenen unerheblichen Gegenstand bewegte. Endlich aber sagte mein Freund: ..ApropoS! die Blätter diese, ^"tvnge, erinnern mich 'hxcn ersten literarischem versuch im vorigen Jahrgang« ^chrS Volk-bla^. ,unv Sie werden cö Ihrem auf.' gewißlich nickt verargen, wenn derselbe Ihnen fein ^Befremden darüber freimülhig eröffnen muß." Als ick mit verwundener Miene ansah, gab er mir nachstehende Erklärung: ..Sie haben sich den Stoff zu ihrer Erzählung von einem Gebiete geholt, vaS nach meinem Dafürhalten, von ' jedem Gebildeten und. Aufgeklärten ganz fernab liegen bleiben müßte. Der ChaffidiSmuS, diese Kloake dekrassesten Aberglauben- und der finstersten Unwissenheit, deren.pestilenrialischen Dünste jedem Sttahle der Vernunft den Eingang in die Herzen verwehren; der durch seine überhandnehmenve Verbreitung biin die untersten Schichten de- Volks für Israels Zukunft so unheildrohend ist; dieser Pfuhl der Trunkenheit, der Schlemmerei und deS schnödesten Eigennutzes seiner Rädelsführer und ibrer Helfershelfer; der um so gefährlicher, alS er unter dem Deckmantel religiöser Gläubigkeit nicht im Finstern, sondern am bellen Tage sein Unwesen treibt, verdient eS wahrlich nicht, daß man seine wahnwitzigen Märchen, geschmückt mit dem Gewände moderner Dichtung, der gebildeten Welt austische. daS hieße nur dieser Sette die Sanclion der Kunst ertbeilen, und würde dadurch bei Manchem, der noch zwischen ibr und der Aufklärung schwankt, der schon zu besserer Einsicht gelangt, sich aber aus Gewohnheit, und dem auihr entstandenen inneren Skrupel nicht entfchlagen kann, mit ihr zu liebäugeln, den AuSfchlag zu ihrem Gunsten geben; — mit einem Worte, solche Erzählungen könnten nur dem Aberglauben Vorschub leisten."! wcpi -nri Ich ließ geduldig meinen Freund sich ganz au-sprechen, und. versetzte bann: „Sie haben gegeck mich eine harte Beschuldigung ausgesprochen, die gewissermaßen auch den geehrten Redakteur dieser Zeitung trifft; ich bade Sie geduldig angehörr, gönnen Sie mir nun, Ihnen die Motive, die mich zur Abfassung dieser Erzählung bewogen, und meine Anschauungsweise über riesen ganzen Gegenstand auseinander zu setzen, und dann urtheilen Sie, ob ich von meinem Gesichtspunkt aus. nicht berechtigt war, selbst audieser Quelle Sagen zu schöpfen, und sie in moderne Schilderung zu kleiden. „Jeglicher, der nur irgend eine Einsicht in die Literamr einegebildeten Volkegewonnen. wird nicht in Abrede stellen wollen, daß die Sagen- und Legendenwelt dieses Volkes einen großen Zweig seiner Literatur auS» machen; wer aber wollte behaupten und sagen. daß sie durchgängig die Wahrheit zur Basis haben? Mit Ausnahme .weniger, die vielleicht auf geschichtlichem Boden stehen -mögen, war es vielmehr der krasseste Aberglaube, die einfältigste Leichtgläubigkeit deS Volkes. die dem größten Theile derselben daS Dasein verliehen. Dennoch halten eS die geistreichsten Genien nicht unter ihrer Würde, vielmehr ließen sie uchS recht angelegen sein, diese Sagen und Legenden in alle Gattungen der Dichtkunst zu kleiden und auihnen einen der schönsten Kränze der Literatur zu winden, weil sie sammtlich recht wohl wußten, daß dawahre Wesen und die Individualität einejegliche»» Volkein seiner Sagenwelt sich abspiegele; weil sie wohl wußten, welcher reichhaltige Schatz von Poesie und Natureinfalt in diesen Traditionen liegt. Die Kunde dieser Sagen und Märchen, die in Volksliedern und '' Eporäen ibren AuSdruck gefunden . ist auch daS uckerste

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