Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
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3 Vehikel und Leirsaden zur Erkennmiß de« inneren Kern» eine- Volte- und seine- Nationalcharakters, indem sic die Einschau in die geheimsten Fallen seine- Leben- und Webengewähren. Die Mil- und Nachwelt wußle auch die Schöpfer dieser volk-khümlichen Dichtungen nach Verdienst zu würdigen, indem sie ihre Stirn mit dem unverweltlichen Kranze de- LorbceXSumkränzr hat'). Nun aber frage ich Sie, ist eine Siete, die über Rußland, Polen, Galizien, Ungarn und die Türkei verbreitet ist, die Hunderttausende zahlt, seit mehr aleinem Jahrbun- Verl besteht, die auf dem Gebiete d,S JudenthumL, und auf seiner seit uralter Zeit bestehenden Äeheimlehre süßt, veren mystische Anschauungsweise der Gebete und religiösen Gebräuche diin die untersten. Schichten de». Volkegedrungen (man bat nur ein beliebige» Gebetbuch aufzuschlagen, um sich von der Wahrheit überzeugen zu können), ist eine solche Sekte der Beachtung eine» jeden denkenden Mannes nicht würdig? » Wo sind aber die Mittel zur Erforschung zu finden, und wodurch ihre Resultate zum Gemeingute delesenden Publicumzu machen? Sie wissen, wie wenig abstrakte Ideen in die jetzige Romanen- und Novellenwelt Eingang finden; selbst die höchsten Wahrheiten der Religion und Moral müsse», wenn sie fruchten sollen, in erzählender Form gegeben werden. Warum also auch hier nicht zu demselben AS« kunsrsmiltel greifen? warum sollte die Kunde der Sagen. Wunder und Märchen dieser Seele auch nicht die Kenat--s-ganze< Wesen aufzudecken. eS würde sich von selbst die niß diesezwar beklagen-werthen. aber nicht neuen Phä nomcnS auf jüdischem Gebiete befördern? Oder ist etwa eine Gespenstergeschichte, weil sie in “rs*n ip steht, minder auf Aberglauben gegründet? Dennoch stand der geehrte Redakteur dieser Blatter nicht an. einer solchen Raum in diesen Spalten zu geben, ohne zu befürchten, dadurch dem Aberglauben Vorschub zu leisten, weil jeder Vernünftige zwischen Wahrheit und Dichtung die Grenzlinie zu ziehen weiß. ..Erlauben Sie mir aber noch eine Bemerkung zu macken, die die Subjektivität dieser Gesellschaft betrifft, da ich so oft gesehen, wie Vorurtheil, Haß und Verkennung auch hier sich geltend gemacht,-und eine ganz schiefe Beurth eilung hervorgerufen. Auch ich beklage im Allgemeinen die Existenz dieser für Israel» Heil verderblichen Gesellschaft, auch ich weiß, wie sehr ihre Principien unv Tendenzen der geläuterten Religiosität und dem wahren Geiste des Iudenthums zuwiverlauftn; auch ich weiß, in welchen Abgrund von Obskurantismus sie das Volk schleudert; wie die Jugend durch sie vernachlässigt und verwahrlost, wie sie stockblind, die Stellung unserer Nation unter den Völkern zu begreifen, wie ihre Rädelsführer mit dem Heiligsten der Menschheit Schacher treiben; aber wenn ich einen modernen, im Materialismus ver. sunkencn. nur nach Genuß und Erwerb erpichten Juden, für den cs über sein irdisches Wohl nicht- Höheres und Heiligeres giebt, einem echten Cbassid vom alten Schrat und Korn, der sittlich rein seinem Gotte treu lebt und mir allen alten Tugenden des Judenihumgeschmückt seinen Rebbi, trotz seiner faselnden Schwärmerei dem Ersteren/ trotz seiner Belesenheit in Sue und Dumas, trotz seinen Manieren, der haute volee vorziehe — weil der Ehassid selbst in seiner Verirrung sein geistiges Wesen nicdr uerläugner, indem er einen unwiderstehlichen Trieb unv Drang nach der Vereinigung mit der Gottheit in seinem Busen hcjl und pflegt —, weil sein Glauben», vurst. sein froäiineS Gemüth — ein charakteristische- Merkmal unseres Volke- — ihn zur Ebenbildlichkeit GottrS erbeben, und ihn als ein wahre- Mitglied unseres Volkes — deS Volkeder Religion — kennzeichnen, während der gecküth- und herzlose Materialist seinen göttlichen Ursprung au- ^bcm Auge verloren und die höchste Würde de» Menschen herabwürdigt. Wer wollte abläugnen, daß!ein beiden Lagern viele solcher Individuen giebt? —i in beiden giebt eS sehr viel Faulewie viel Kerngesunde;'— warum also ewige Verdammung auf einer Seite, während auf der anderen Lobhudelei?'« Und wahat diese Schilderung der einen Hälfte de- Judenthums aleine- Herdeder Demoralisation bijetzt geftuchter? Sie hat Hgß und Vorurtheil und Verfolgung einerseits, und hartnäckigen Widerstand andererseits hervorgerufen, sie hat dem CbnfsidiSmus den Heiligenschein de- MärlyrerthumS verliehen; sie bat eben so wenig gute Folgen gehabt, al». davornehme Jgnoriren derselben Mancher. Ganz anderwäre eS, wenn es gelänge, ihr Ucberzeugung ausdringen, daß diese Erscheinung nur eine Verschmelzung mit der Kabbala de- Mittelalterist; auch die Mittel zu ihrer Besiegung und Beseitigung würden sich von selbst dargeben; also in culturhiftorischer wie in socialer Beziehung wäre ein solche- Verfahren höchst fruchtbringend. Während der philosophische Schriftsteller mit seinen Forschungen in den liefen Schacht ihre» Schriftcmhum» eindringt, um sie mit der Fackel seiner Vernunft zu beleuchten, möge e» dem Romantiker, der Beruf und Fähigkeit in sich fühlt, gegönnt sein, sich au» diesem Gebiete Stoffe zu seinen Schilderungen zu holen. Beide befördern die Kenntniß de» Chassidi-mu». ohne der Vorliebe für denselben beschuldigt zu werden."') ..Und Sie werden also auch ferner nicht anstehen, solche Schilderungen zu geben?" fragte mich mein Freund. „Wenn ich nur irgend eine Sage wüßte, der ich eine jüdisch-nationale Sette abgewinnen könnte, warum nicht", versetzte ick. „ES wunden mich also ungemein", sagte Jener „vaß ') Nachdem ich dies längst niedergeschriebeu. kam mir. wie immer zu spät. Nr. 18 deS jüdischen BolkSblattes zu. Seite 70 sagt Dr. Frankel von den Wundern der Kabbalisten sprechend: Es ist auffallend, daß die Wunder der Kabbalisten noch nicht gesammelt- und zusammengeftellt sind, sie beanspruchen dasselbe Recht wie die Legenden. Sagen und Märchen einejede» Lottes, und ließen einen eulturhistorsichen. Geist und Phantasie menenden, Blick in das Leben desjenigen tbun. das keinen begrenzten Tbetl. sondern die ganze Erde zu« Wohnsitz hat. Die Lehre ist das j einzige Baud, das die zerstrtuten Menschen des jüdischen Volks gegenüberstellc, — o glauben Sie emir. daß ich keinen | zusammenhält. sein Wunderglauben ist nicht der schwächste Faden Augenblick anstebe, Letzteren trotz seiner Anhänglichkeit an l desselben." Der gefeiette Dichter hat uür ans öer Sette gesprochen und gilt nicht dasselbe von den Großen der Ehasfldtmr — - . \ Der ireffltche-Manu sagt mit wenigen Worten «ebr als ich mit I vielen Zeilen, aber es ftenre »ich. diesen Mann mit mir über« *) Goethe. Tieck» Schlegel und viele Andere. > einstimmen zu sehen.