Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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1 Jüdisches Bolksvlatt Zur -Lelehruirg und Anterhatlung aus jüdischem fletnete. Herau»geg«brn v»«- Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdebm z. IRo. 1. 1859.] Sen dieser 3»ilfd<r4fi »rsideiit wtcheutllch »ine Rümmer. de» Za! rgan«» 1 kdlr. Biertrliädrig?'/, ttgr. Alle Duchbanvlungen. PeKä« »r und geitungserdtditi»««» nehmen vekelluosen an. -V _ [6. Zahrg. 1. «Unart«!.] Des wahren Israeliten EigenschaftÜi. Der wahrhafte Israeli» ist vor Allem gotteSfürchtig. denn er weiß: „Aller Weisheit Anfang ist Gottesfurcht." Seine Seele ist voll Gottesfurcht Tag wie Nacht, in allem seinen Sinnen. Sprechen und Tbun; er stehet da vor Gott — zwar nicht zerknirscht und sich selbst als Nichts acktenv, denn sein Psalmist ruft ihm zu: „Er hat dich den Engeln wenig nachgesetzt, hat dich mir Ehr' und Schmuck gekrönt, und legte zu deinen Füßen AlleS;" sondern — demüthig und voll tiefer Ehrerbietung, wie ihm der gewaltige Schemuel zuruft: „So habet doch ja Ehrfurcht vor dem Ewigen. Eurem Gotte, denn Ihr sehet ja, wie viel Großes er an Euch gethan.'" Aber aus dieser Gottesfurcht, die nicht ist eine Furcht des Knechtes vor dem Herrn, sondern die Ehrfurcht, die zum höchsten und erhabensten Wesen, das zugleich daS segensreichste und allliebenve ist, mir unsäglicher Bewun» derung hinaufschaut — auS dieser Gottesfurcht stießt dem wahren Israeliten zunächst die unbegrenzte Gott« ergebenheir. Der Wahlspruch seiner Weisen: „Auch dies ist zum Guten" ist auch der feinige. Ob sein Auge rhränt, sein Herz blutet, sein Leib siecht, daS Vertrauen, die Zuversicht auf GotteS Hülfe und Führung verlaßt ihn nicht, daß er spricht: „Und wandele ich auch im TodeSschattenthale. ich fürchte Nichts, denn Du bist mit mir; Dein Stecken und Dein Stab, sie trösten mich." In allen Nötbcn des Lebens ist er gewiß: „Du rüstest mir den Tisch, meinen Widersachern gegenüber, mein Becher fließet über." $n allen Zweifeln deS Lebens sagt er zu seiner Seele: „Wälz' auf den Ewigen deinen Weg. Er wird'S vollbringen." Darum geht er durch daS Leben voll Glaubens» treue. Er forscht und prüft, aber der Glaube an seinen Einig-Einzigen Gott weicht nicht auS seinem Herzen. Sein Prophet sagt ihm: „Gott schaut auf den, der sein Wort fürchtet." Darum liebt und ehrt er die' heilige Schrift, die ihm seine Väter, die Märtyrer. die «S mit ihrem Blute besiegelt haben, ihm übergaben. Er steht nicht an, um der heiligen Lehre Israel» willen Opfer zu bringen, und wundert sich nur. wie man tieS^Opfer nennen kann, da man doch die Mühen nicht also nennt, die man sich um seine» Leibe- Nahrung und Kleidung giebt, und um seiner Gesundheit Erhaltung, und die Religion und die Ueberzeugung doch wahrlich die Speise tiad die Gesundheit deS Geiste» sind. Darum ist der wahrhafte Israelit im Leben vor Allem wahrhaft. Ist dock der Siegel der Gottheit die Wahrheit; ist doch der erste, mittlere und letzte Laut de» Alphabet» der heiligen Sprache r>"2 "» die Wahrheit; sagt ihm doch der Sänger: „Im Zelte Gotte» wqhnt, wer Wahrheit redet vom Herzen. Darum strebt wahr zu sein vor sich selbst und wahr vor seinen. Mitmenschen. Sagt ihm doch Der weise König: „Wer seine Vergehungen zu bemänteln sucht, der wird nicht glücklich." Er weiß: „Einer siehet ihm immer in» Herz, und. prüft seine Nieren", wie sollte er vor diesem Lüge sprechen? Er har ihm die Lippen gegeben zum Reden, wie sollte „Lüge kommen über.seine Lippen?" Und dann strebt er mir all' seiner Kran nach Recht. Er siehet immer den sterbenden „Mann GotteS" Moscheh einen Tag vor feinem Tode, der ibm zuruft: .Gerechtigkeit, Gerechtigkeit jage nach, damit Du lebest." Er höret den Propheten a»;S der Verbannung ihn lehren: „Wenn ein Gerechtes sich wendet und Unrecht rbut und Unrecht Hai in seinen Händen, so wird er nicht leben; wenn aber ein Frevler sich kehrt von seinem Wege und da» Geraubte wieder erstatt«, und da» Unrecht entkernt au» seinen Händen, so wi/d ihm sein Unrecht vergeben, und er. lebet." Darum ist der Odem seine» Leben» da» Recht; Niemandem vorzuenrhalten wa» ihm gebühret, Jedem zu geben und zu leisten wa» ihm gehört, da» ist da» freudige Schaffen seiner sebenSrage. Und dann ist sein Herz voll Liebe, voll echter treuer Liebe, gegen sein Weib, da» ibm Gott zugetheilt, gegey seine Estern, denen ihn Gott gegeben, gegen seine Kinder, die ihm Gott onvernaut. gegen seine Brüder und Alle, die Gott mit ihm verbunden, in Gemeinschaft durch da» Leben zu gehen, sich stützend, sich helfend, und sich erfreuend, Liebe gegen seine Glauben»» und StammeS» genvfstn. gegc» seine Mitbürger und sein Vaterland, gegen alle seine Mitmenschen. Er weiß, er darf ihnen Allen nicht abstehen in der Gefahr; er muß ihnen Allen „geben wa-sie bedürfen, und eS sich nicht verdrießen lassen, daß er gebe", er muß mit ihnen Allen Frieden hegen, „denn dahin entbietet der Herr Segen, Leben auf immer;" er weiß: „Liebe ist stärker denn Tod, und ihre Flamme Gotte-flamme." Aber je größer all die» ist, desto eher ist der"wahre Israelit bescher».:»' Ist doch daS höchste Lob, da» Moscheh deigeleg» wird. ^Er war sehr bescheiden." Ist ihm doch gesagt worden: der Bescheidene «M,fc Ehre." Sr will nickt glänzen >nd prunken. *n äußeren Flittern suckt er seine Ed-> $at *o« der