Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 52 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
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e« galt nui in Algerien auch siet Sftaelijen in Den Venertlxatb ju berufen. Aber die Situation wtt e«, weifte dem Acte fktne große Bedeutung verlieb. Äon einer gewissen sehr mächtigen Partei waren die giftigste» Beschuldigungen, und gehässigsten Verleumdungen gegen die Juden geschleudert worden; eben war die Vermittelung der französischen Regierung in einer Angelegenheit traurigen Andenkens abgewiesen worden, als auf alle- Die« der Bericht deS Prinzen Napoleons und daS Decret des Kaisereine laute, ent-, schiedene Antwort gaben. AlS die dritte glückliche Begebenheit haben wir den Wechsel |u begrüßen, der in den leiienren Staatsmänner« Preußen« nebst den Folgen, die sich daran schließen werden untrbtreU« schon geschloffen haben, stattgefunden. Da« Ministerium, welche« seit zehn Jahren die Geschicke Preuße»« in Händen hatte, ließ den Artikel 12 der Verfassung, welcher auch unS die staatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte verbürgt, nicht zur Geltung kommen, sondern behauptete und betbängte da« Zurechtbestehen der beschrän- . kenden Bestimmungen des Judengesetzes vom 23. Juli 1347. Hinter ihm stand die Partei der äußersten Rechten. welche immer weiter und weiter rückwärts drängte, .und iofonver« die Juden im mittelalterlichsten Geiste bedrohte. Diese« Evstem ist gefasten; und wie der Prmz-Rcgent eine freie Wabl zum Hause der Abgeordneten dem Volke zu gewähren bekabl, sielen die Führer der Junkerpartei. die gehässigsten Gegner der Juden, Wagener und v. Gerlach, in ihren bisherigen Wahlkreisen durch. Dahingegen wurden zwei Israeliten in da« Abgeordnetenhaus gewählt. Ob nun da« gegenwärtige Ministerium' un« die versaffungSmäßigen Rechte zugestehen werde, kann zweifelhaft sein - aber da« Kactum, welche« wir ebknJ>ezeichnet. siebt al« solche« fest, und ist a!« solche« von hoher-Bedeutung. Allerdings steht diesen freudigen Geschehnissen jener traurige Vorgang in Bologna gegenüber, und der Name Mortara tönte in betrübender Weise durch die zweite Hälfte deS verstoffenen ZahreS. Alle Schritte, um den Lnabev seinen trauernden Eltern wieder z» geben, waren vergeblich, und die Hand'einer vierzevnjäbrigen Wagd, welche an einem zweijährigen Knaben eine kirchliche Eeremonie vollführte, soll vermögen, einen Sohn Israels der Religion seiner- Datei, dem Bekennmiß deei^ig, einigen Gotte«, seine« Eltern und Geschwistern, und ihm alle diese zu entreißen; Der Bater Mortara mit seiner Frau »nd seinen sieben Kindern ist aut dem Wege nach Frankreich, kort eine neue Heimatd zu suchen. Mögen ibm viele, mögen ibm alle unsere Glaubensgenossen au« jenem Staate bald folgen. — Auch da« war ein uner« auicklicheb Schauspiel, wie an diesen Gegenstand. nament. lich an der Seine, dje heftigsten Jnvectiven gegen unsich knüpften^ al« ob man, wa« an un« geschehen, noch durch Schlimmere« rechtfertigen wollte. Demnngeachtet trägt e« sich, ob diese Vorgänge, abgesehen von dem Schmerz der betroffenen Familie, nicht tiefgehende günstige Folgen für un« haben. E« ist immer guk.^daß Alle« an da« Licht de« Tage« trete, und sich in feiner wahren Gestalt zeige. Wenn so nach anßen hin da« Jahr 1858 für nn» segensreiche Begebenheiten brachte: ist die« eben so nach innen' gewesen? ist die Sonne de« religiösen Leben« klarer u^d kräftiger au« den Gewölken und Nebelhüllen beworgetreten? der Weg, den Israel, den alle feine Sötzne und Töchter-wandeln sollten.^ fester und bestimmter beschriften worden? ist der erstarrende Nordwind der Gleichgültigkeit zurückgemichen? sind die Nebel de« Obscura«. tiSmu« mehr verschwunden? . . . Wer vermöchte diese Fragen genau zu,-beantworten? Da« Eine können wir sagen: e« ist jetzt weniger Spaltung, weniger Hader und Streit in unserer Mstte. al« noch vor einer Anzahl Jahre. Aber ist e« auch Wr reckte Friede? der Friede, der auö der Erkcnntniß de- Reckten fließt? oder ist e« die Windstille. die Ohnmacht, die Leblosigkeit, welche schlimmer sind als Sturm und Wetter? — — Wie dem aber auch fei, lieber Leser; vor Allem roünfte ich Dir. ilaß Dein LcöenSkag immer sonniger ' und blütbenreicher, immer weniger von Stürmen beimgesucht. von Nebeln umruugen werde; daß Du. den Blick - aus Korr gerichtet, in den ..Geleisen de« Reckt«" wandelst. daß der Herr ..Dein Haupt salbe mit Oeie und Dein Decker überfiieße." Diesen Blättern aber, lieber Leser, schenke ferner Deine Gunst; und wie wir bereit« Viele« vorbereitet haben, wa- Dich zu belehren und zu erfreuen vermöge, sei Deine Zuneigung zu diesen bescheidenen Blattern der : beste Lohn dafür. l Loblied mif die zwölf Monate. i Von Eharisi, übersetzt von De. «. I. Vamps in Prag. i «Schluß.) I Jetzt begann der Dritte und sprach: ,.Dem Monat Siwan, dem Haupte in ver Dreien KreiS. — gebührt vor allen Monate» der Preis! — kein da erheitert sich der Menschen Angesicht — und all?« Verborgene kommt an'« Licht; -t da träufelt der Himmel seinen Tha«. — und die Pstanzen entfalten ihren wundervollen Bau; —. da webe» sanfte Lüfte, — die de- Garten- Düste — und entgege» tragen auf ihren Schwingen — urvbrun« Erguickuvg bringen. — Da schmeckt der Apfel, als wär' er in Myrrhen-Oel getaucht, — und die Rose duftet, al« wär' sie von Ahron'S Rauckerwerke angehaucht. —■ oder all batte ParadieseS- Iim — ihr zugefübrt den Duft. — Da munden die Früchte, von Bergregen erfrischt, — Jedem, dem sie werden autgetifcht; — da bringt un« die Zeit entgegen — ihren besten Segen — und beschenkt un« gern — mit dem Gute ihre« Herrn. — Im Siwan ist daS Fest der Feste. — der gotterkorne Tag. der. wertheste und beste.' — an dem auf Sinai der Herr erschienen — und sein Gesetz verliehen ihnen. •— die treu jZhm wollten dienen. — Bei Seiner Stimme dröhnendem Ton — war ihnen die Seele entflob'n; — doch er lleß Thau de« Lichte« aus.sie rinnen — und den entsAvunbenen Ovem sie n>i<fet\ gewinnen, — daß sie frisch« Lebenskraft erhielten — unV neugestärkt fich fühlten. 4- Drum ist auf den Slm-an alle Herzen«fre»de gebau^ — und jubelt laut, — Oer da schaut — die) Flur gefan&tft, wie eine Braut. — /mit bunten Gewändern, —^schimmernden Ringen naV flimmernden Bänder», — umd die FruchtbLume in vinler Blüthe. — und hfl Wein^rk in seiner Güte, —