Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 51 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
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202 {U sind und bleiben immerfort derselben bedürftig, während wir feinet anderen bedürfen. 3« der Entwickelung der Menschheit ist unsre Religion imu»er der Regulator, daran die anderen, auch wenn, sie enicht eingestehen. da- Maß ihrer Wirren messen und berichtigen,'dahin sie da- Auge «enden, um im Kampfe von Licht und Schatten sich nicht zu verlieren. Wir aber, wenn zu Zeiten von Anderen Lehren und Brauche bei uneingedrungen sind, z. B. von den Ehaldäern, im Mittelalter und selbst in neuester Zeit, so gereichte diestetzur Verdunkelung, und dir nachfolgenden-Zeiten hatten schwer zu arbeiten, um eS nur wieder herauszuschaffen und zu beseitigen. Darum war aber auch unsere Reli' gion stetdie unterdrückte, nie die unterdrückende; die Herrschenden sahen in der unsrigen ihr^, Gegnerin, einen Spiegel, darin ihre Schattenseiten sichtbar und scharf umriffen werten, während die unserige nur ruhig ihr Licht au-strahlte, dadie Dunkelheit erhelle, wenn ezu ihr gelangt. Wir legten unsere heiliges» Schriften in die Hände oller Völker; nun leset sie'und erkennet Wahrheit und Recht; wir drängen sie euch »tchr auf, wir überreden und verlocken euch nicht; weil »alle- Aufgedringte doch nur schnell wieder entartet und verstellt wird bei dem. welchem eaufgedrängt, der nicht durch die Kraft de- Geisteselbst dazu getrieben wird. Nein! gehet, unsere Geschichte, so viele Jahrtausende sie umfaßt, genau durch — nielnalS haben wir um der Religion willen Kinder ihren Eltern. Eltern ihren Kindern entrissen, niemals Brüder und Bürger gegen Brüder und Bürger gehetzt, niemals Belohnungen au-gefetzt für die. welche zu uns übernelrn, und Preise auf Abfall gestellt, niemals da- Schwert gezogen. Andere zu bekehren, und Scheiterhaufen gezündet für die. welche sich nicht zu. unbekehren wollten. Unsere Misston geht, weiter. Die Lehre unserer Religion' und ihre Ideen fMn nicht Einzelne, sondern die ganz« Menschheit überwinden und zwar durch sich selbst: “">«* ferra m „aufstrahlen soll da- Licht in der Finsterniß" (Ps. 112. 4.). . Welcheist aber die Erleuchtung, die unsere Religion ist und will? Zuerst: die Erleuchtung^«- Verstandes. Die Dunkelheit ist da- Leere, ist da- Nichtfür unS. Welche Tiefen, welche Fülle da- Dunkel bedecke, sie stnd für unnicht da", wir können sie nicht gewahren, nicht begreifen, nicht erkennen. Aber ebenso ist auch die Lichtglurh der Sonne für uns daS Nichts und die Letre. Schauen wir in sie hinein, so werden wir. geblendet und sehen nichtS; verlangten wir solche Sonnenglmh über die Dinge, so wären die Dinge nicht mehr für unvor- .Händen, wir schauten sie nimmer. So ist eauch mit unserem Verstände. Ihn zu verurtheilen. bloß mit den leiblichen und bürgerlichen Dingen sich zu beschäftigen, ihm die Forschung und Erkepntniß über Gott, Welt und unS selbst abzusprechen und vorzuenthalten, sein Verlangen mit Glaubenssätzen, die ihm widersprechen, mit mysteriösen Lebten, die ihm Schweigen auferlegen, abzufinden. daheißet, Dunkel um unsere» Geist breiten. Finsterniß, daß für unnichtsicht- und erkennbar bleibt. Da kann nur noch die Phantasie, die erhitzt,, üppige Einbildungskraft sich Gestalten schaffen, aber dafind und bleiben Götzen, daS ist nichtvon Wahrhett und Recht. Denn Wahrheit ist Tut den Menschen nur. waS er erkennt. und Recht, dessen tt sich bewußt ist. Aber nickt minder irren wir. wenn wir ein Lickt verlangen immer stärker, immer glühender, das die Dinge unzeige bis in ihrem innersten Wesen. l»ß unS keine Frage, kein Zweifel übrig bleibe, daß wir Gott und alle- Dasein wie mit leiblichen Augen schauen, in alle Verzweigungen, in alle Regungen, in alle .Gestaltungen hinein — daS wäre blendendes Sonnenlicht, welches unser« geistigen Auge auch das wieder verhüllt, waS eS schon gesehen und schauen g«. könnt. Der überreizte Verstand wird zum Klügler, zum Sophisten, zerspaltet und zersetzt, unterwühlt und vernichtet. All dies ist nicht die Erleuchtung des Verstandes, die unsere Religion ist und will. Von dem Glauben an Gott durchdrungen soll unser Verstand diesen Gott, sei» Wesen, seinen Willen, seine Zwecke, sein Thun immer mehr verstehen und erkennen lernen. Von der Ueberzeugung unserer Pflicht erfüllt, soll er sich diese immer klarer^vchen, alle Zweideutigkeiten beS Eigennutzes und der Selbstsucht, alle- Halbdunkel der Leidenschaft zerstreuen, und unS daS Bewußtsein der Pflichten so licht machen wie ein heller Sonnentag, der ave unsere Pfade golden beleuchtet. Don der Gewißheit einer höheren Bestimmung und eines höheren Zieles gehoben, soll er diese immer sicherer inS Auge fassen, von allen Täuschungen entkleiden, von allen Zweifeln reinigen, daS Hinanstreben zu ihnen zum Ausgangspunkte all' unserer Handlungen und Anstrengungen machen — daS ist daS Werk des erleuchteten Verstandes, wenn unsere Religion eS will, eS fördert, unterstützt und zum Ziele führt. daS ist eS was der Psalmist meint: "Tire r,»mz “p"to „in Deinem Lichte sehen rpir Licht!" (36. 10.) AlSdann aber auch: die Erleuchtung unseres Herze»-. ES ist ein Irrthum, so gewöhnlich er auch ist, die Gefühle unsere- HerzenS so alS unmittelbar anzusehe» gab gelten zu lassen, daß sie der Beleuchtung weder bedürfen. noch sie rttragen. Ziehen wir die Gefühle unsere- HerzenS erst an- Licht, sagt > man, so verflüchtigen sie sich, mnd verlieren ihren Reiz und ihre Kraft. Nein! dunkle, unklare Gefühle hat auch dahöher gebildete Thier; und ich fage.-auden dunkel gelassenen, und selbst dunkel gebliebenen Gefühlen fließen mehr üble Thaten, alS selbst aubösen Absichten, die wir hegen. Nein! wenn Du da- Licht der Religion in die Regungen Deine- Herzenfallen läffest, so wirst Du die Gefühle de- Neide- und der Eifersucht bald alsolche erkennen, und sie nicht dulden in Dir; die Gefühle de- Haffe- und der Roche als solche verstehen, und Dich ihrer schäme» und scheuen — die GeAhle der Selbstsucht in ihrer Blöße und in ihrem Unadel bemerken, und Dich ihrer erwehren; Du wirst sie Alle, jene bösen Begierden schon im Keime gewahren, und sie nicht zum Sturm der Leidenschaften erwachsen lassen. 3n der Thal, wollen wir wahrhaft edle Menschen, Gott nahe Erdensthne werden und sein, wir vermögen dienicht, wenn wir nicht da- Licht der Religion in alle Tiefen unsere- Herzenfallen lassen, wenn wir nicht mit Kraft alle Triebfedern unserer Seele unzum Lichte de- Bewußtseinbringen, daß fie un-. welche sie wirklich si«d. nicht entgehen können, und aller Schein vor unselbst weicht. Ist «S aber also, ist unsere Religioo die Religion de- LichteS. die sowohl die Erleuchtung de- Verstände-,