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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 50 (1858) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
50 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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198 ursprünglichen Reinbeit wieder gewonnen batte. kaS Wasser'»der vielleicht ihre Thranen hatten manche Flecken weggewischt: aber eS war noch nicht mit kostbaren Steinen verziert und die Wanderin blickte traurig auf dasselbe und sagte verzagt: „Nickt einen einzige« Edelstein babe ick wahrend meiner langen Neise gefunden!'^ Dock in diesem Augenblicke sckien es. alwaren Lbränen auf da- Grab am Ut'er gefallen; Felicia beugte sick nieder, sammelte die Tropfen in ibr Kästchen, und fie bilderen dort das Wo«: „Demuth." Inzwischen begegnete sie Lerslrnhrrm alhen Gelahrten auS dem. FrühlingSgarren. Mühseligkeit und Kummer batten auch an ihm unauslöschliche Zeichen zürückgelaffen; dock in dem bleichen boben Gesichte war noch Schönheit, audem Auge leuckrere ein lebendige- Keuler. und um feine Stirn zeigte sich ein Lich», daeine» Kreis von Größe und Neinbeil um si^ zu ziehen schien. Tiefes schone Lickt strahlte von seinem mit Juwelen bedeckten Kästchen aus. auwelchem, gleich aukje- Himmel- Werkstatte genommenen Sternen, die Worte glanzten: „Milde," ..Brüderliche Liebe." Felicia schien von ibrer blendenden Schönheit überrascht und bar Lersi, lbr mitzulheilen, wo und wie er kiese unvergleichlichen Edelsteine gefunden. ..Unvergleichlich sind fie dürckaunickt", erwiederte L erst, „egiebt größere und schönere auf der Insel; und wenn du -in deren Aufsucken den vorgeschriebenen Richtungen unser- Königfolgst, so wirst du sie Sha? Zweifel finden. Doch sage mir, wo bist du seit unserer Trennung gewesen, und waS hast du eriborben, um eS dem Fürsten, der unS au-gesandt, zurückzubringen?" Felicia ließ mit einem Blicke auf ihr armselig verzierte- Kästchen den Kopf bangen und erzählte ihm die Vorfälle, von denen ich ich Zeuge gewesen. „Za. ja," riet LerflT^alsie geendigt baue, „wir find auffallend blind und unsere Augen muffen auf harte Weise von dem kalten Winde im Moor, oder von den fürchterlichen Gewässern de- Strome-, oder von den scharfen Fingern der Dornen und Disteln geöffnet werden, sonst sehen wir nicht die Edelsteine um uns." — ..WaS wird also auS Jenen," sagte Felicia, „deren Pfad sich immer zwischen Blumen hinzieht?" „Wo ist ein solcher Pfad?" entgeznete Lerfi. „kein Resender auf der Juröeleninsel har noch je, wie mich dünkt, einen solchen gefunden." — „Ach," sagte senkend Felicia, „so sinv wir zu einer beschwerlichen traurigen Reise hergesandt!" „Sie dürfte beschwerlich und traurig, trotz ibrer schönen, köstlichen Gauen, ihrer mannigfachen, wohlriechenden Gehölze genannt werden, wären nicht unschätzbare Kleinodien der Lohn unsrer Mühe und Arbeit. Laß uns dieser Insel kein Unrecht thun; auf ihr findet sich der Tali-man, obne welchen die Thore unserer strahlenden Heimath sich uns nimmer öffnen." — „Doch du hast mir noch nicht er. zählt," sagte Felicia, ,.wo du diese kostbaren Steine gefunden, und ich biw so ungeduldig, ezu erfahren." — ,3<f) bin durch verschiedene Orte gereist," fing nun Lersi an, „und befand mich endlich in der Mitte einedüsteru Waldes. Reine Gedanke« waren so trübe wie die mich umgebende Atmosphäre, welche kein Licht von der Sonne empfing, sondern nur zur Noch von Johanneswürmchen und Glühwürmern beleuchtet wurde. Während ich nun nachdachte. wie trübe und beschwerlich mein Pfad sei. Höne ich balberstickie- Sckluchzen mancher armen Rcisinden, die nock mehr a!S ich von dieser sonderbaren Fm. stcrniß zu leiden schienen. Ich. fühlt« tiefe- Mitleid" mir meinen Mitpilgern und versuchte auS allen Kräften die engen, verworrenen Dornen zu lichten, so daß jene, wenn auch nicht mit Vergnügen, doch wenigstenohne Schmerz fortschreiten könnten. Und obschon da- Werk schwierig war und meine Hände bluteten, und da» Gute, daich förderte, nicht eine große Bedeutung hatte, so glaubte ich doch weniger Seufzer zu hören; und ich fühlte mich wenige». unglücklich. Endlich machte ich die kostbare Entdeckung einer starken und scharfen An. mit der ich die herabhangenden Zweig« nach jeder Richtung wegbieb. Meine Genossen batten jetzt gewiß riaen geebneteren Pfad; und als ich einen Augenblick au-ruhete. boffte ich Worve de- Dankevon ihnen zu vernehmen; dock ich wurde nur begrüßt mit ironischem Beifall unv mit dem Geschrei: „Hätte ick deine Art und deine Kraft, so würde ich mich nicht darauf beschränken, einige armselige Aeste zu beschneiten, sondern ewürden alle Bäume gefällt liegen und ihr Alle solltet die frische Lust einachmrn unv dareine Tage-lickt sehen!" — Verdrießlich und einmulhigt war ich bald geneigt, meine Art wrgzuwerfen unv dieses Werk aufzngeben, alS ick zum .Glücke für mich eine Zurechtweisung von einem kleinen tzllühwurme empfing, welcher von einem meiner Reisegenoffen mit dem verdrießlichen AuSrufe weggescheucht wurde: „Fort, dumme- Insekt, waS nützt deine dunkle Leuchte? Eie macht unS nur unsere Finsterniß trauriger, da euns an da- Licht erinnert, dawir verloren!" Aber rer Glühwurm kehrt« doch auf seinen Weg zurück und gab auch ferner sein schwache- Licht; verspottet und verlacht von Manchem, Dank erntend bei Wenigen und nützlich auf seinem kleinen Wege Allen. — Beschämt von dem kleinen Glübwurme. ging ich daran mit aller Kraft, di^ dichten mit Epheu umrankten Zweige wegzuhauen; eS gelang mir endlich eine Oeffnung zu machen, durch welche, wie ein Hoff« nung-bote, ein Lichtstrahl eindrang; er fiel auf einen Haufen dieser Edelsteine (er wiehin auf da» Wort „Liebe" an dem Kästchen) und ich sammelte mehrere auf, um sie unserem König zu bringen. — AlS ich endlich audem düsteren Walde herauskam, fühlte ich mich wahrhaft glücklich, und ich beschloß, wo ich auch immer sein möge, für meine armen Reisegenoffen zu wirken. Und ich fand auch immer Manchezu thun, hier einen scharfen Stein von einem rauhen Pfade wegzuschaffen, dort auf einen schattenlosen Plan einen kleinen Sämling zu pflanzen, welcher befeuchtet von deS Himmel- Thau, zu einem schönen Baume heranwachsen und Schatten und Erholung manchem künftigen Pilger gewähren wird. Wir können nicht", schloß Lerst, „die Wolken, die oft ihre schwarzen Schatten über unziehen, zerstreuen, noch haben wir die Macht den Wirbelwind, den eifrigen Windstoß und den wülhenden Strom zu hemmen, aber wir sollen Manchethun,.»m unsere Insel zu zieren und unserer Genossen Weg zu ebnen; und' wir erfteuen undann einedoppelten Segens; wir finden di« Edelsteine, nach welchen ununser König hierher gesandt, und wenn wir jenseit de- Oceans unseren Reisegenoffen begegnen. so werden fle unin Liebe entgegenkommen. da wir hier auf unserer Reise ihnen Liebe und Sorgfalt gespendet haben.

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