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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 50 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
50 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bollsvlatt.! 3^ Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem gekiete. Herau-gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»» iv Magdeburg. sRo. SV. I8S8.I Boa ki«k«r ZeUstiis» rrlckeia» »»Srntltck «ta« Nu««»r. -reit des Iatr» gangt 1 Ldlr. -ierkeljibrig 71/« 9i r. Alle BuLbanvIungen. -otämler and grikungt«rrediti»»«u aedmra B«-ellon,ra an. [5. Zahrg. 4. Lsartal/> Die Juweleninscl. Bon Miß Tharlotte Montefiore. iSchlaß.) Ich suchte nuh seine zwei früheren Genoffen zu entdecken. Sie hatten beite den Garten verlassen, in welchem ich sie zuerst gesehen: Lersi ging durch ein tiefe- Thal, welchezu einem dunklen Walde führte. Felicia wan« Veite über eine, von den Blumen duftende Wiese. Hie sab noch so heiter und glücklich wie damals au-, als ich sie zuletzt hier gesehen hatte: Kleider vom feinsten Stoffe dingen in weiten Falten um ihre reizende Gestalt, und ibr wallende- Haar bildete einen goldenen Kranz um ihr schöne-. Gesicht, dadawahre Urbild einer heiteren Schönbeit war. Die Seele ruft sich die Abwesenden eben so lebhaft durch Gegensätze als durch AehnÜchkeit zurück; und als ich dieseschöne durch blumige Gefilde bingleitende Wesen sah, trat die bleich« abgemagcrte Gestalt Jresim'S, wie er seinen zerfetzten Mantel vm seine fröstelnden Glieder warf, vor meine Augen, u»d unwillkürlich wiederholte ich seinen Verzweiflungsschrei: „Wo ist. o König. Deine Gerechtigkeit!" Felicia schmückte sich unterdessen mit Blumen, um ihre weißen Gewänder wogten Guirlanden. Gewinde von dunkeln Veilchen erhöhten den Glanz ihrer Haare und bevor noch diese welkten, hatte sie schon anderein diesem Dlumenparadiese ausgesucht. Doch als ich sie weiter beobachtete, glaubte ich Zeichen der Abspannung oder vielmehr der Unzufriedenheit wahrzunehmen; sie warf zuweilen die schönsten Gewinde weg. trat sie mit Füßen und suchte geschäftig andere Blumen vou seltenerem Wach-» lhum oder vielleicht von größerem Wohlgeruch aut; doch/ auch diese wurden bald mit neuen verrauscht, welche ebenfalls nur eine kurze Zeit zu gefallen schienen. Endlich schien, wie sie auch die so reich um sie her wachsenden Blumen sammelte und ordnete, alle- Vergnügen und aller Eifer für diese Beschäftigung verloren. Sie la» ohne Lust diese riechenden Blülhen auf und warf sie ohne Lust weg. — Jetzt trat sie in einen- Hain von Orangenbäumen und als sie durch diesen goldnen Schatten schritt, schien wieder einige Freudigkeit bei ihr -Mpchehren. Die reich herabhängenden Früchte, der bemooste Teppich, auf dem sie ging, die Lauben grüner Zweige, auf welchen Vögel mit wundervollem Gefieder und Infekten, mit gleich Meteoren am nördlichen Himmel geflügelten Karben umherflogen, bildeten einen Anblick, der ihr zu gefallen schien, dalang vermißte Lächeln entglitt wieder ihren Lippen, um ihre Augen zeigte sich wieder manchevon ihrem früheren Glanz. — Dock warum fährt sie auf und wird bleich und neigt ihr Haupt vorwärt-, alhörte sie einen Laut vo'n schlimmer Vorbedeutung? Ich konnte nur da- Murmeln einerieselnden Wasservernehmen, aber ihre Unruhe schien zu wachsen, je lauter da- Rauschen wurde; sie blickte rückwärts und versuchte den früheren Weg einzuschlogen. doch der erbarmu»g-lose Ostwind flüsterte: „Vorwärts!" und sie ging mit bleichem Gesichte und zitternden Gliedern vorwärts. Und als sie so fortschritt, welkten die Orangen, und abgestorbene Blätter fielen geräuschlos aber traurig auf den Boven. In wenigen Augenblicken war sie. ohne den glänzenden Sonnenschein wieder zu gewinnen, durch den jetzt traurigen Hain gegangen; schwere Wolken verfinsterten den Himmel, und «Ln dichter Schleier batte sich Erhoben, der die Landschaft in einen nndurchdringlichen Nebel hüllte. Felicia blickte weder auf die Wolken noch auf den Nebel, denn einige Schritte vor ibr erhob sich eine finstere Welle, ein Fehltritt und — sie stürzte in dieselbe. Die welken Blumen fielen eine nach der andern von der Gestalt, die sie geziert hatten, und unter den Guirlanden und Gewinden erschien Felicia'- -bi-ber nicht beachtete- Kästchen. Jetzt zum ersten Mal untersuchte sie e-. allein die durch die Blumen entstandenen Flecken machten eunmöglich die eingcgra» benen Worte zu entziffern. Ach. wohin sollte sie nach Traft und Hülfe blicken? Oben der zornige Himmel, hinter ihr Bilder, zu denen sie sich nicht zurückzuwenden vermag, vor ihr daverhängnißvolle Wasser, VaS die finsteren Wolken obspiegelt und von dem gehrtMntßvollen Nebel begrenzt ist. Thränen. heiße Tbränrn entstürzten der Trostlosen, und ich hörte von kiesen bleicher, zitternden Lippen dunkle Worte der Trauer und der Furcht. Und jetzt berührten ihre Füße den gefürchteten Rand und bald umgab sie die Welle, und diesegebrechliche Wesen kämpfte schrecklich mit dem immer tiefer werdenden Waffer. Jeden Augenblick sank sie mehr und mehr und ich konnte zuletzt nur einen weißen Punkt auf der grauen Flur bemerken. Doch der Nebel hellte sich avmälig auf und ich entdeckte in nicht weiter Entfernung daentgegengesetzte Ufer eineder Ströme der Insel; und dieselbe, doch sich unähnliche Felicia stieg mit Anstrengung daschlüpfrige Ufer hinauf. Ein Wert der Zabre schien in dieser kurzen Spanne Zeit vollendet; denn Jugend, Fröhlichkeit und Schönheit waren vcrschwunden. Felicia'» Augen richtete« sich auf ihr Kästchen., da» Manche» von seiner

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