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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 50 (1858) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
50 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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199 ..Daß ich doch auch für meine Genossen wirken könnte", rief Felicia auS; „aber wie bin ich dieses im Stande? Ich kann nur baS eine Hule ihnen erzeigen, sie zu warnen. ihre Zeit und ihre Kraft nicht mit dem Aussuchen von Blumen zu verschwenden, die auch im besten Falle welken und sterben müssen. Wie können diese Hände, die nur gewöhnt waren Guirlanden zu winden, eine Art schwingen, over einen dieser starken Dornen auSrotten?" .^Dir sind nicht Alle beauftragt Bäume niederzuhaucn oder Dornen auSzureißen". erwiederte er; ..unsere Kraft, unsere Anlagen, unsere Wege sind verschieden und da muß auch unsere Arbeit verschiedensein. Aber nie wird ein ernster Wille ohne Erfolg, bleiben. Hättest du, als du auf dieser reichen Wiese wandeltest, manche Blumen in der Absicht gesammelt^ sie an einen weniger begünstigten Ort zu pflanzen, wo sie mit ihrer Schönheit und ihrem Gerüche den einsamen Wanderer erquicken könnten, dann würdest du nicht die beschwerliche Übersättigung gesuhlt baden, noch wäre dein Kästchen von dem Ueberfluß der Blüthen, die du darin anhäuftest, befleckt worden." — ..Ach", rief Felicia. ..waS hätte ich nicht tbun mögen! C, daß ich zurückkehren und einen hefferen Gebrauch von diesen zerstreuten Blumen machen könnte!" — ..Die Rückkehr.ist unmöglich", sagte Lersi, „doch die verwelkten Blüthen sind nicht ganz verloren; laß fle ln deinem Gedachtniß leben, und sie haben nicht umsonst geblühet und sind nicht umsonst gestorben." Die Reisenden fetzten ihren Weg in einem Gespräch fort, taS ich nicht vernehmen konnte; doch merkte ich. daß Felicia mit ehrerbietiger Aufmerksamkeit auf die Worte ihreS Genossen horchte und oft seine Handlungen nach, zuabmcn strebte. Zuweilen laS sie daS am Wege sich hinschlängelnde Unkraut auf; ein andermal vereinigte sie ihre schwache Kraft mit feiner Stärke, um einen schweren Stein wegzuschieben, und oft zeichnete sie auf ein Blatt oder in den Sand die auf ihrem Kästchen eingegrabenen Worte, wie mir schien, in der Absicht, daß mancher arme Reisende, dessen Kästchen, wie einst daS ihrige, trübe und befleckt fein würde, auf seinem Wege Trost und die Anleitung. die Edelsteine aufzufinden, erhalten solle. — Doch jetzt traten ThrLnen in Feltcia'S Augen, und auch Lersi sah betrübt aus. Sie schienen sich einander Lebewohl zu sagen. Felicia'S Stimme erreichte zwar nicht mein Ohr. doch sah ich die auf ihrem bleichen Gesichte geschriebene Angst, und ich fühlte, baß die Arme jetzt eine der größten Versuchungen zu bestehen habe; sie mußte sich nun von ihrem Leiter und Schützer' trennen und allein ihre Reife beendigen. „Betrübe dich nicht so rief!" sprach dringend Lerst, „laß unS vielmehr eiftiger denn je die Edelsteine aufsuchen. denn der Weg ist kurz und wir werben bald daS Brausen beS OceanS hören. Har denn nicht unser König unS gesagt, daß zu seiner Rechten Freuden für immer sind?') Erinnere dich, sagte er zu dir. die in grenzenlosem Schmer; ihr Haupt beugte, erinnere dich, daß die Trauer eine Nacht dauert, doch de- Morgenkommet Freude."") Lersi verschwand hierauf; meine Augen wurden trübe, ich konnte nicht mehr genau unterscheiden und versuchte vergebens FeliriaS Gestalt zu *) Ps. 16. 11. - -) Ps. 30. 6. - folgen. Doch konnte ich noch durch die nebliche Atmosphäre ihr Kästchen wahrnehmen. an welchem gleich Sternen im Zwielicht immer neue Edelsteine hervorbrachen. Endlich verlor ich auch die Spur de- Kästchen». Die Hügel und Bäume schienen in Lust, die Wanderer in ' Wolken zu verschwimmen, und daö'Land mit dem eumgkbcnben Wässer zusammenzufließen. Die Juwel^ninsel war verschwunden, aber sie ließ eine Spur von Gold und Glan; aus dem durchsichtigen Meere' zurück. Die - kühle Luft und die einbrechende Dämmerung weckten mich aus meinem Traume und mahnten, wieder zu der Wirklichkeit zurückzukehren. Alle» hatte jetzt baS monotone Abendkleid angezogen, die heiteren Blumen-- meine- GartenS hatten sich unter dem riefen Schatten ihre- GeblätteS verborgen, und mein weiße- Häuschen, welcheunter den finsteren Baumen hervortzuckte, sah wie ein Gespenst unter KlrchhofScypreffen au». Aber ich war gegen heute Morgen ganz verändert, mein Herz war voll Ruhe und Zufriedenheit. Und ich kehrte doch zurück zu den Verdrießlichkeiten und Tnitauschungtn. die mich vor wenigen Stunden so verstimmt hatten. Sorgen nsiv Kummer waren seit Mittag noch nicht verschwunden. Armuth und Krankheit wohnten noch ring-umher; was machte mich jetzt so heiter? WaS hatte mich die Juweleninfel gelehrt? — Die alte, oft vergessene Lehre, daß wir nicht hergesandt sind, um immer im Sonnenschein deS GlückeS zu wandelü oder eS aufzusuchen, sondern um nach den im Mittage deS Wohlergehens, so selten zu findenden Kleinodien, „Glauben, Liebe, Mildthä» tigkeit, Wahrheit,' Muth. Stärke", zu streben. Ich hi^lt mich nicht mehr für eine arme, in einen unfruchtbaren Boden gepflanzte' Blume, die ander-wo besser gediehen wäre. Ich fühlte, daß überall, wo diese Kleinodien zu finderz, ein hoher Posten sei; daß ich ein rühmliche- Tagewerk vor mir habe, daS alle mtzjne Kraft und Anstrengung in Anspruch nimmt, und daß endlich Liebe und Gerechtigkeit unsere Bestimmung hienieden leitet, obschon wir oft zu blind oder zu unwissend sind, die himmlischen Boten zu erkennen, die Gott gesandt, daß^le unS leiten. : Loblied auf die zwölf Monate. Bon Eharisi» übersetzt.von Dr. S. I. Kämpf in Prag«^ Vorbemerkung.. Soeben ist erschienen: ..Nicht»- andalufische Poesie andalusischer Dichter auö dem elften, zwölften- und dreizehnten Jahrhundert von vr. S. I. Kämpf. Prag. Earl DellmannS Verlag, 1858. 8 Bände." DaS Werk enthält.Tert, llebersetzung und Erläuterung von Gedichten jüdisch-fpanischer Dichter. namenrlich Charisi'S. Jbn Gabirol'S. Jbn ESra'S, Jehuva ha.Levi'S u. A. Die Neberfttzungen sind meisterhaft und weisen dem Verfajtzr abermals feine Stelle zur Seite der vorzüglichsten poetischen"^— Uebersetzer in deutscher Zunge an. In den Vordergrund tritt _ die Auswahl aü< dem Divan, d. i. dem Tachkemoni Charis i'S, der in der ersten Hälfte deS dreizehnten Jahrhundertin Spante» blühte. AIS Probe geben wir hier die schöne Makame der zwölf Monate. Die Redaction. Heman'. der Esrachire, spricht: „Ich befand mich, > in edler Freunde Mitte. — die zusammen führte und ' ‘1

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