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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 49 (1858) · p. Seite 194

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
49 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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m Volk-beglückung-nmtriebe ans,den lief? Die ftritritUge Verbannung Emilwar eine gmite Sübne der Mitschuld an solchem Nebel. Da- Leben unter den egoistischen AankeeS, in der theilnabmlosen Fremde, in dem betäubenden Geschäft-gewübl von Neuvork lsollle seine Strafe sein! IVnC* wieder sind mebrere Monate vergangen. Wir treffen den Anwalt im häuslichen Kreise, beglückt durch den Besitz einer tugendbatlen Frau, seiner geliebten Mathilde. Seit langer Zeit batte er weder von dem Bruder Nachricht erhalten, noch über den Jugendfreund nähere Kunde gehabt. Berke batten ihm sich. aber sich nichtibm entfremde». Der Minister v. Braun bqrre der mit rollet Segeln anfabrcnken Reaetion weichen müssen, man verziehihm die liederale Gesinnung aufrüheren Lagen nicht. Unter feinem Regiment konnte da- Jahr 1848 da- Licht der Welt erblicken, er batte bei dieser übermükbigen rlebestschen Au-gebun Patbensteüe Hersehen — damußte ci mit Entlassung auseinen jÄemtern unk Würden düsten. Ungewohnte Untbätigkeit, her Kummer übet verfehlte Pläne' und Hoffnungen, Gram über schnöden Undank drückten den Mann nieder, kessen! heller Verstand unk edle Gesinnung nur musterhaftem Pflichtgefühl ‘ den schwierigsten Acnnern mit Staar-geschänen während ' beinahe einehalben Jahrhundertgedient hatten. Er war einer rener Menschen, die im Sonnenschein de- Frieden-, in sicherem Fahrwasser der Rubel da- Vobl ihrer Mitdrüder glücklich gedeihen lassen, sicher rum Ziele bringen. Die stürmischen Kämvke jener Tage,! dre Wogender Rkvolutien ließen ihn erkalten, entwandet ibm da- Steuer. Eine wandelnde Reliauie glücklicheres Tage verbrachte er den Rest seine- Leben auf dem Gute einefreundes, verebn und geliebt von Groß unh Klein im Dorfe. Nicht ein halbe- Jadr batte er die^e Veränderung seiner Leben-weise, den jäben Wechsel viner Stellung ertragen können. Mit mildvcrklärrem Antlitze, in der Hand sein Lieblingsbuch. Horaz —so Mfit ihn.sein Freund eine- Morgenim Sessel entschlafen. Der eigene Finger de- Verschieden?» schrieb sein Epitaph, denn er rubere aufden Worten: ..IittvAenvitae rctzjeersczaePuros.f' (.^Re.nen Leben-, frei von Schuld/') Niemand bedauerte rbn inniger, al- Moritz. „Viele Volk-rekner, schrieb er seinen: Schwiegervater, äler ibm die Todesanzeige machte. ..viele Abgeordnete schreien jetzt „Emancipation der Juden", mit demselben Gefühle, wie sie „keie- Jagdrecht". ..Verminteurog der Branntweinsteuer" rufen — er bar nie mit solchem Warte geprahlt — ein wahrer tfhew Iissroel. „Gi fühlte die Falschheit unserer jetzigen Freunde wob! heraus — darum sein Aerger über die Undankbarkeit solcher Juten, die wie Smil und Andere mir jenen Wort-'! .führen, Phrasen wechselten. Laßt riese erst an- Ruder kommen, dann wollen wir feben. ob ihre Freundschaft r»nserem Volk und Glauben oder unserem Geld und unserer Feder gilt." Ein recht trüber, feuchter Novembertag war e-, so einer der damatte Himmel-grau al-, kalten Nebel aus die erstorbenen Fluren niedersenkt, al- Moritz vom Gericht zurückkehrend. in seine Wobnung trat. So boch-eboren und unabhängig wir Menschen undünken, ein Blick auf Wetter am trüben Morgen entscheidet oft über unsere Tage-kaune. Auch der Anwalt war dadurch verstimmt, ewar ibm unbehaglich -u Muthe. den gewohnten Spaziergang um diese Zeit unterlassen zu müssen. Moritz wurde zu Tisch gerufen. Daletzte Gericht war eben abgetragen, aleanklopfte und auf ein Herein .— Heinrich v. Braun eintrat. Hatte er wirklich gealtert, oder war edie Beklommenheit der augenblicklichen Situation. die ihn schwach und kränklich erscheinen ließ? Nach höflicher Begrüßung der Frau de- Hauseging er testen Schritteauf Moritz zu und reichte ihm die Hand. ..Herr Assessor", stammelte Moritz, dem in diesem Augenblicke weniger die Ueberrafchung. aldie Erinnerung an die Gartenbau-seene und Mitgesüb! mit dem leidenden Aussehen de- Ankömmlings die Sprache benahm. — „Herr Assessor." „Gewesen. Moritz, jetzt blo- Heinrich v. Braun. Ihr Heinrich, wenn Sic den reuigen Sünder in Gnaden wieder ausnehmen wollen." Heinrich setzte sich. ..Ja", sing er wieder an. ..Assessor gewesen. Ich sann die Geschichte aber nicht eber erzählen, al- bis mir datrquliche Du wieder gestaltet ist. Torr, schlag ein. So istd" recht." ..Du hast mich beim Obergerichl unk in der Vertheidigung Deine- Bruderso wacker durchgebechelk, baß ich die Dummbeit meinezweijährigen Vorurthrilreichlich gesübnt habe. Sieh, Du kennst meine- Vater- Schicksal. Mit dem Minister siel der Sobn in der Gunst speichelleckenter Vorgesetzter — und der bochfahrenten Braut. „Die Zukunft sei mir abgeschnitten", hieß e- — und aut Nasenrümpfen. kalte Begrüßung, höhnische Reden von ihrer folgte ein kurze- Vale von meiner Seite. Daganze Nest witene mich an. Jeder dieser dummen Kleinstädter wollte mir auf der Straße den gefransten Stolz über de- Vater- Erministerium ablefen, ist Gesellschaften sab mich die Krähwinkelcouleur gerade sh bornirt an, wie sie emit Euch im Theater macht, wenn sich ein Mauschel auf den Brettern producirt. Ed kam eS einmal zur Reibung zwischen mir und dem Rtkerendar P—, dem Sobne unsere- Gericht-direckor-. kurz, ich applirirte ibm alultima ratio eine Ohrfeige." ..Immer noch der alte Brausekopf", rief Moritz kopfschüttelnd, während er aus der von Mathilde herbeigebolten Flasche bellverlenden Rheinwein in drei Glaser goü. „Auf Ihr Wobl, wende Freundin"- sprach Heinrich, da- GlaS erhebend, „für Dich. Moritz, und mich: Heidelberg lebe, burrab bock! — Du glaubst wobl Mensur und Paukerei sei gefolgt, o bewabre. blo« Censur und ein Loch in der Pauke. DaS EShnchen denuncirte mich bei feinem Vater. Sie nahmen mich mit grimmiger Miene in Discixlinaruntersuchung." „Und Du — ..Ich legte ihnen gestern dagehaltlose Affefforat zu Füßen. Da hast Du mich nun." - „Aber jetzt Heinrich. waS willst Du beginnen?" „Ha, bal — Lieber, Du bast wohl Angst, daß tch mich hier als Anwalt besetzen. Deine Kundschaft rauben und daS Wochengeld Deiner lieben Gattin schmälern will? Fürchte Nicht», ich besitze —"

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