Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 49 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Belehrung und Untergattung auf jüdischem Zetziete. Herau-gegebeu von Rabbiner vr. Ludwig PhUippson in Magdeburg:' " *' fRo. 49.1858 ] Sen bicfer 3*flf4rlfi erschein» »SchenNich ua* «u«»er. Peets de« 3a»r- ,ang< 1 Iblt. BterteljLdri, V/, N,r *0» SudibenMun^n, '9e-L«t«r an» 3*tt*n|*rjpt>(ttenni atkufn StflcOniptn an. [5. Zahr,. 4. ttmrfcL] "Anwalt und Assessor. Vom Recht-auwalt vr. Ealm. lSchllltz.) V. D. 1 8 5 0. 0 „O, da- Herz kann viel ertragen, Eh' der SchmerzenSquell verfiegt, Blutge Wunde wird geschlagen, Denkest, sie vernarbe« nicht. — Blickt ein Strahl der Freudenfonne Audem lichten Himmel-raum. Grüßet Dich mi« sei ger Wonne, Gaukelt Dich in gold'nen Traum. Kommt de- Mondebleicher Schimmer, Senkt Dir Sehnsucht tn die Brust. Glänzt in Deine- Herzen- Trümmer Sanfter Wehmuth süße Lust. Kommt ein holder Frühlingsbote, Frühling selbst tn Blüthenpracht — Und nach mildem Abendrothe Ewig sternenhelle Nacht. — O. da- Herz kann viel ertragen. Eh' der SchmerzenSquell verstegt. Mußt nicht gleich von Drechen sagen. Herz bricht so geschwinde nicht." Ueber ein Jahr ist seit dem letzten Zusammentreffen der beiden Jugendfreunde verflossen. ES war Moritz gelungen, gegen eine namhafte Laution die volle Di-posttioa über da- Vermögen seine- Bruderzu erlangen. So hatte er denn zur Bezahlung der stark angeschwollenen Geschäft-schulden alle Maaren und auch daväterliche Hauverkauft und den geringfügigen Ueberschuß, durch eine Beisteuer aueigenen Mitteln verstärkt, dem Bruder übersandt mit dem Wunsche: „daß Gott mit ihm sein und ihn behüten möge auf dem Wege, den er gehe, daß er zurückkehre tn Frieden — wenn auch leider nicht mehr zum Hause de- Vaters, wie einst Jacob gebetet und wie ejedewandernden Juden tiefinnigster Wunsch wäre." Ewar dem Anwalt aber noch wehr geglückt. Er hatte mit Erfolg daganze Krei-gericht in der Haüpt« ftgdt C. in der Untersuchung-fache wegen der tumvltuari«! scheu MLrzvorgLnge perhorre-cirt, weil einige Mitglieder! desselben als Vorsteher de-'sogenannten Lreubundes eine 1 Kindselige Gesinnung und dessen Mittage« schuldigte doeumentirt ba^w, so daß da- Krei-gericht in D.. woselbst Moritz praWirte, alerkennende- Gericht . durch da- Obergericht substituirt ipurde^. Und dafreu«; digste Ereigniß für den Anwalt, dach.war die völlige Fret« j svrechung sein«- Bruder» von den ihm zur Last gelegten! Vergehen. Foeilich hatte üe manche Stunde anstrengendster j Vorbereitung,^ b-qgen Zweifel-) schwerer Sorge gekostet, i Und alder Tag de- Gerichtnun gekommen war,.au» > weiter Ferne war Alt und Jung herbeigeeilt, auch der I Obristlieutenant v. Kr. hatte ftine adelstolze Gestalt unter j plebejische Zuschauer in schadenfroher Erwartung de- Der- ’ dammung-urtheils gestellt, der Staat-anwalt holte in j seinem Requisitorium weit auzu dem wuchtvollen An« ' trag auf „Schuldig wegen Majestat-beleidigung und Theil« nähme am Austcuhre und Verurtheilung zu 5 Jahren Gesängniß, zur Stellung unter Polizeiaufflcht und zur Untersagung der Ausübung der bürgerlichen Ehrenrechte, beideauf denselben Zeitraum", alle Wühlereien, demokratischer Vereine, alle Verirrungen von Privaten und Eorporationen, Gefchäft-loflgkeit und Gewaltthat. selbst davergossene Blut fl« dienten nur aldunkles Hintergrund. algrelle Schlaglichter, damit die Gestalt de- ..HaupträdelSführerS" Smjl um so mehr Hervorthtte, ste waren die Folie der beredtsten Angriffe gegen den Äuge« schuldigten, dessen Urtheil in contumaciam gesprochen werden sollte — tu trat nun Moritz auf und vertheidigte mit Wärme und Wehmuth den unglücklichen Emil, den Bruder, deckte den übertriebenen Eifer de- Untersuchungsrichterv. Braun auf. defrüheren Freunde-, entlarvte die falschen Denunciationeu deverräthzrischen Aronstein, de- Glauben-genhffen und mit solchch^Milde und Ruche entwickelte er dieiGründe feiner UeWMgung gegenüber dem Sturmanlauf der Staat-behörddaß in ihnen schon die Bürgschaft einegedeihlichen Richterspruchelag. Und doch, wie zitterte unser Freund, wie spannte bange Erwartung jeden Nerv, aldaau- 5 Mitgliedern fo stehende Richtercollegium zur Verkündigung de- Urtheilaudem Berathung-zimmer trat! Die Freude der Freisprechung würde freilich durch die Anhörung der harten Strafen getrübt, welche gegen viele der Mitangeklagten in dem Monsterproceß verhängt wurden. Und zählte Moritz nicht selbst unter diesen solche Clienten, deren niedere Bildungsstufe sie sofort al- Opfer leichtsinniger