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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 48 (1858) · p. Seite 191

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
48 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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191 * * \ angstlick angebäuft. schritt der arme Mann mit de« unbeachteten Kästchen in seiner Hand zu dem Sonnenstrahl, und bald ging mir feine von dem umgedeiidrn Nebel bedeckte Gestalt verloren. Verwirrt und versteinert über das, waich gesehen, bedauerte ich dabatte Schicksal dieser armen Wanderer, die für Nichtgearbeitet hatten, und die wLbrend ihrer Reife nicht gewußt zu haben schienen, auf wasie an deren Ende stoßen müssen. Da zogen drei auf der Insel neu Angekommene meine gespannte Aufmerksamkeit auf fick. Einer wurde genannt Lersti. die Andere Felicia, der Dritte Jresim. Alick sie zuerst sah. gingen sie alle Drei in einem ganz an der Ostseite der Insel gelegenen schönen Gatten; sie sahen, wie ean diesem schönen Orte kaum andersein konnte, heiter und fröhlich! auS. Die Bäume schienen erst ihre Blätter hervorbrechen zu lassen, ihr Laub zeigte ein frische- und zarte- Grün und die Pflanzen waren bedeckt mit.fick öffnenden Knv-» pen. Dock wanur noch schöner als die jungen Blätter und die blühenden Knospen vorkam. waren die Kästchen, deren Krystall noch so rein glänzte, daß ich mich an deren Anblick nickt sättigen konnte. Und auf dem Gesichte der Reisenden strahlte Glück, und sie erzählten einander von der Schönheit de- Garten- und der Güte de- Fürsten, der sie nach einem so lieblichen Orte gesandt. — Doch ick meinerseitfühlte riefe- Mitleid mit diesen armen, unwissenden Wesen, denn ich sah, daß der Gatten nicht groß sei und daß er öde- Land und unfruchtbare Moorgründe enthalte. Jresim verließ zuerst den Gatten. Die Blumen wurden auf seine« Wege spärlicher-, die Bäume weniger und zwergartig. bis sie verschwanden und Jresim fick in dem schattenlosen Moor befand. Erstaunt und traurig wandte er sein thrinenvolleS Auge nach dem lieblichen Orte, den er »erlassen hotte und in welchem noch seine früheren Genossen unter dem wohlriechenden Laube umherj schwärmten. Doch bald wischte er die unmännliche Thräne weg. ladie auf seinem Kästchen eingegrabenen Motte, die wie ein Tali-man auf seinen Geist zu wirken schienen? und ging obne Klage weiter. Aber au» da- Klima schien fick verändert zu haben, ein kalter Wind strich über den einsamen Moor; Jresim hüllte sich in seinen Mantel, aber dieser war von mehreren am Wege stehenden Dornen zerrissen worden und schirmte ibn nicht vor dem frostigen Windstoß, er schauerte und sein Gesicht sah bleich und entstellt «uS. Und der Weg wurde Immer rauher: Ziest m'S Füße waren von scharfen Steinet, zerschnitten und er Hinkte schmerzvoll weirer. 'Zuletzt schien der einsame, von Kälte und Leiden überwältigte Wanderer mit seinem Auge dio MWernung zu messen,' die ibn von der west, lichen Grerssjt der Insel trennte, mrb. er seufzte wiederholt, aler stlst.^daß 'fle noch groß war. Dann wandt.e er fich feistem Kästchen. doch dessen Krystall war verdunkelt, -und er versucht« vergebendie dort eingeschriebenen Wirte zu entziffern. Und nun überfiel ihn Angst und n 7ab mit einem Blick voll Reih, s-star mit Haß recht- und linkaut die glücklicheren Reisenden, deren Weg heiter und ficöhllch war. ..Warum kann ich. nickt ihnen folgen", murrte er. „warum dürfen fie sich im Lichie sonnen, und ich muß streiten mit dem eisigen Wind?.; Wo ist. o König. Deine Gerechtigkett?"! Jresim befand sich an dem Fuße einesteilen Hügel-, und mein Herz blutete um den. armen, müden Wanderer, der noch über diese Höhe wegkommen sollte und der auch di« Trosteswotte de- Kästchenentbehtte. Er begann mit zittenodrn Gliedern und niedergeschlagenen Augen hinauf zu steigen, seine Bläffe sckj/n bet jedem Schritt stärker, fein Mantel abgerissener und nutzloser zu werden. Da zog ein schallender Ton seine Aufmepksawkelt ckuf sich; er blickte sich um'und sah in einer kirnen Entfernung einen auf demselben rauhen Wege R/isenden. Dieser trug so wie Jresim alle Zeichen der E«lheh»«,g, der Kalte und der Erschöpfung; doch schief er. »icht MNglücklich zu sein. Er laS fleißig Steine^aMdiese--Waren köstliche Edelsteine, die, wie ich merk«, stchsyzpcächimmerpden Worten in dem Kästchen ordneteu, }«» „Ergebung" und ..Stärke". Und dieße Wvtte strahlten ein so schöne- .stacht aus damager« bleiche Gesicht de- Wanderer-, dt»ß' ich mehr von Bewunderung alvon Mtlleiben ergriffen war. Sein Beispiel war für den armen Jresim nicht verloren. Er. fing nun a^ch an, wenn auch zuerst ohne Erfolg, die kystb-reH. zu suchen. Da er bemerkt batte, daß her häufig die Wotte an seinem Kästchen be^fgte.' sch wischLc auch er hie Feuchtigkeit von dem Krystall weg'^ ber.Htvr wieder Nar und durchsichtig wurde. Jreftm^Hierig dse Worte, die ihm so lange verborgen warxy„ und aler sie gelesen und über ihren Sinn nachgedacht, wurde Lei« Gesicht von Hofstiung be. lebt, und ich bemerkte^stnI»,hLerauf in seiner Hand einige glänzende Steine, die er tu da- Kästchen legte, und ick -laln smaragdenen Buchstaben: ..Vertrauen". „Glauben". ..Muth". — Der Hügel war noch hoch und steil, doch Jresim murrte nick» mehr, er fagd an der rauhesten Stelle manchen Edelstein, so daß, aler den. Gipfel erreicht hattesein Kästchett reich verziert war. Und jetzt hatte er die Ebene (be- Hochlande-), gewonnen und er schaute mit einem Au-bruck der Befri^sgung. ja der tiefen Freude auf den mit Müh« zurückgelegzea Weg.: T)a- Herabsteig«». war leicht, wenn auch hier» und da nöch manche Dornen standen. Jresim befand sich nom" nahe dem Ende seiner Reise, und die Insel mit ihren schönen Orten und ihren schrecklichen Einöden mußte für - immer verlassen werden. Ich bemerkte, daß die westliche Küste weit verschieden von der östlichen war. Hier fanden sich zwar keine schönen Gärten mit verschiedengttigen in der Sonne glühenden Blumen, doch an deren Statt waren hier schattige -ustwälder, und Jresim schaute durch die Zweige der dunklen Bäume in den tiefen blauesKi««el. Und jetzt ist er so nahe der Küste, daß er die oG/,fie anschlageutzen Wellen hört und das. feuchte AthWest >be- Omm- ^an seinem Gesichte fühlt: da schesnt da- Kästchen -ttnze»tzer denn je und er steigt, ein seiner aufgLhobewen Ha»d festhalrend. in den goldenen Bogen uni i&jßftftgl« vergebenmeine Augen an: ich konnte ihm tzßchb.mehr folgen. ,Schlad I

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