Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 48 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
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ISS Würdigung des jüdisch« Genius. Philipp Galen (Länge). einer der rüstigsten deutschen .Romanschreiber der Gegenwart, spricht sich in seinem soeben erschienenen Romans <,Emerh Glqndon". Th. I. S. 161 folgendermaßen au»: „0, man lächle mchr so verächtlich über die geheime geistige Triebkraft diese» Volke-, welche» Moseeinst dg» auserwLhtte Volk Gotte» nanme, über die gewaltige Echöpfung-fülle, die in den hindern desselben schlummert! Man erhebe vielmehr sein Auge anerkennend und mache es groß auf, wenn nran die mannigfaltigen Leistungen jener Männer sieht, die au» dem Stamm Israels ihren Ursprung herleiteten und zu''allen Zeiten durch unendlich reiche» Wissen ,unk Können in jederlei Richtung geistigen Lebenvi« Welt in Erstaunen und Bewunderung gefetzt haben.' Die große Weltensonne, ^von der 'alle- Licht und Gedeihen auSströgzt, hat ihre Geister mit einem unerschöpflichen Triebe, sich emporzttarbeuen unv sich ihrer Srahlen zur Verbreitung irdischest Lichtezu bedienen. erfüllt; der Geist der Erkenntnis vieler Dinge, die Fähigkeit, sie im Inneren zu bewahren, zu entwickeln. ist ihnen in einem so hoben Raße> gegeben, wie nur wenige Andere sie besitzen. und waproductives Talent unh Genie betrifft, fo besitzen sie eS häufiger und oft in viel höherem Grade, als wir, die wir über sie.im Ganzen die Nasen zft rümpfen pflegen." Der Roman beruht übrigenauf hinrm Vorgänge in der Judrnstadt Prag-, der ganz unjibisch ist — waja den meisten Romanschriftstellern betreffder Judenheit begegnet '— und zeigt bei manchen Vorzügen den gewöhnlichen Fehler der deutschen Romane, daß in ihnen kein Stück wirklichen Lebengezeichnet ist — lauter tadellose Helden. lauter MensLenikeal«. — ^_C~; Aphorismen. Doo Dr. Sa bl in Eeblienz. Unter Narren iss kein Einklang möglich, weil die -Thorheit im Reich der Lüge wurzelt,- hie Lüge aber vielgestaltig ist. während die Wahrbeid in Raum und Zeit ewig dieselbe bleibt. Wie der Wurm die Dlürbe und mit ihr die zukünftige Frucht vernichtet, so zerstört der Fehltritt einer Minute 'orr eine hossnung-reichc Zukunft. Wie widerwärtig klingt die Klage über die Kürze der Zeit im Munde derjenigen, die! ihr ganze- Leben der Kunst opferten, die Langeweile zu vertreiben; wohl aber mag daschnell vorüberrauschenbe Leben bedauern, wer die Bildung seine- Geiste- und Herzenzum Leitstern« wählte; denn die Zeit hat keinen Maßstab für die Entwickelung menschlicher Anlagen. Der Mann de- Rechteist für tzen Böfewicht ein lebendiger Vorwurf, ein verkörperte- Gewissen außen ihm und um fo quälender, weil esich nichts wie das innere, übcrtauben laßt. Ansichten und Meinungen andern mir der Zeit; aber die Narrheit steht wie ein Fels im Meere, gegen den die empörten Wellen der Vernunft vergebenankämpfen. Nur auder Einheit strömt Leben und Frieden; es zieht sie der Körper audem Herzen, der Daum auder Wurzel, die Erde auder Sonne und die Welt au- Gott. Nicktnennen wir mir größerem Rechte unser Eigenthum als unseren Willen. Presse die Feber einer Uhr ijj den kleinsten Raum zusammen, und sie wild sich, lo-gelaffen, wieder in die Weite üu-vehnen: dränge eine edle Seele mit den Foltern der Leiden in die Enge, und sie wird sich, ihrer eigenen Kraft überlassen, mit erneuter Kraft emporheben. Nur da- Laster raubt der Seele ihre natürliche Spannkraft; denn edrückt nicht bloS auf da- Herz, sondern löst eS auch in Fäulniß auf. C u r i o s u m. . Alerander v. Huinbolvt verweilte in seinem 16 und 17. Lebensjahre oft im Hause dejüdischen Arztes, Hoftath Dr. Markus Herz in Berlin. , Von seinem väterlichen Schlosse Tegeln an-, wo durch die kränkliche Mutter eine trübe Stimmung herrschte, schrieb er oft an rie Frau de- Herz Briefe, und zwar — in jüdisch.deutsch er Schrift, die er bei der schönen Frau erlernt hatte. Er datirte .da oft: ..vom Schlosse Langeweile." — Anekdote. Ein reicher Banquier, Zunggrselle, ging gemüthlich vor feinem Hause mir der langen Morgenpfeife hin und brr. und besah die blühenden Rosenbüsche, die vor demselben gestanzt waren. Da ging ein Mann in Arbeitertracht mit einem fetten Trutbabn vorbei. ..Freund!" ruft der Banquier diesen an, ..verkaufst Du den Hahn, und wie viel soll er kosten?" Sie werden, bald Handelrin-, und zwar zu einem sehr wohlfeilen Preise. Der Banquier reibt sich vergnügt die Hände, und olsein Koch bald darauf nach Hause kommt, wirft er ihm vor. die Truthähne ihm immer so thener zu berechnen. „Sieh' mal. was für ein herrliches Thier ich fo eben gekauft habe, und fast um die Hälfte wie Du!"—Der Koch besieht den Hahn und sagt dann ruhig: „Ja. den haben Sie doch um die Hälfte zu theuer bezahlt, denn der ist un- . eben gestohlen rporden!" Der Banquier sah verblüfft darein. Allgemeine Zeitung de» JudenthumS. No. 47. 1858. Leitende Artikel: Au- Preußen. — Die Inden in Kon» stautinopel. — Tharakrerfestigkeü. Zeitavgsnachrichtev: Deutschland: Fürth, (Köttingen. Bremen» an» Bayern, au» Oberheffen, aus Rheinheffen. — Preußen: Insterburg. — Oesterreichischer Äaifarflaat: Gaya. — Italien: Magdeburg. S3F' Zu beziehen durch jede- Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich •/, THaler. Verantwortlicher Redacteur: K. Nabe. Verlag von LrnrvrzLrtufi't vuch-a«dl»ng i, Leipzig. — Drück von Llrraadrr rs,«d« j, Lripzig.