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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 48 (1858) · p. Seite 190

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
48 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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Fleck fefce. und Tom, mein eifriger Naturforscher, meine Hanke mit seltenen, eben erst.von ihrer felsigen Heimath losgerissenen XrSutcin füllen würde, so stob ich vor allen diesen Störungen auf einem engen geschlängelten- Wege nach einem einsamen Tbeil der Dünen, der so wenig einladend war. daß ich ib» früher noch nickt besucht hakte. Hier warf ick mich bin -auf da» kurze warme Gra» und starrte aut die weite Oberfläche deS OceanS, auf die zerrissenen Klippen mit ihren scharfgeschniltenen Schatten und glänzenden Lichtern, und weit verschieden von den Blumen und Vögeln murmeltcn die kleinen Wellen mit trauriger Stimme Eckwermutb, Sorge und Tov. Dock war die Einwirkung »beruhigend, und als ich in diesen Oeean. schauere, war e» nur. als schauere ick in da» funkelnde Auge eines tbeuern Freunde». auS seinen geheimnißvollen Tiefen kam mir Mitgefühl und Stärkung entgegen. Und alick rubiger hinschaute. erblickte ich wie bezaubert einen blaffen, grünen Wässerstreif. der gleich einem flatternden Bande lustig aus dem Meere zu wogen schien. Und daS Band wurde größer und weniger durchsichtig, bis eS nickt mehr auS demselben Stoffe, wie daS Wasser umber,;u sein schien. Und je länger ich hinschauete. desto mebr schien es an Größe und 'Dichtigkeit zu wachsen^ seine Oberfläche war in verschiedene, dvrch Lickl und Schatten bezeichnere Formen gebrochen, lind die Farben mit abwechselnden Tinten.gemischt; — und. jetzt erhoben sich Hügel und Wälder, ünd langgestreckte Bache wänden ibre silbernen Faden durck diesen wunderbaren Ort. Doch während er zu einer großen Insel anwutS. erbob sich ein Nebel aur rem Meere mld bildete einen Streik, der den Rand der Insel verbarg, aber die Aussicht nach dem Innern rein unk ausgeprägt ließ: die Sonnenstrahlen schienen kort wie in einen'Brennpunkt zusammen zp. fallen, und die, wie in» südlichen Klima, reine und durchsichtige Atmosphäre gestattete mir die kleinsten Einzelnbeiten zu schauen. Und-jetzt erhoben fick an der Ostseire der Insel sich bewegende, lebendige Gtstalten auS dem Nebel. Ich erwartete wunderbare Seenvmpben und Meerjungfern zu schauen und war einigermaßen enttäuscht, als ich nur Aebnlickkciten meiner alten wohlbekannten Brüder und Schwestern' — Männer und Krauen — fand. Doch bald wuchs die Neugierde, und ich war gespannt wabrzunebmen. wober sie gekommen und an welchem Ziele sie anlangen würden; denn sie gingen Alle in einer Richtung von Osten nach Westen. Manche schienen, sich aut ihrer Reise pr freuen und tanzten mehr, als sie gingen Andere sahen im Gegentheile verdrießlich au», als wäre ihr Weg weil und,ermüdend; Einige schienen so schwach und schwankend, daß sie nur mit Mühe sich fortschleppen konnten; doch gstegen sie auck denselben Weg wie die Starken und Muntern. Manche warfen sehnsuchtsvolle Blicke nach dem Osten zurück, keiner dielt an oder blieb nur einen Augenblick sieben; und e» schieir mir. als börte ich einen Wind biarer den Reifende» rauschen, der sie vorwart» trieb. Alle gingen in derselben Richtung, doch auf verschiedenen Pfaden. Manche keuchten auf» wärt» auf steile Hügel; Andere gingen heiter durch beblümte Auen; einen Reifenden führte sei» Weg durck Linen tief düstern Wald, wKhrend ein Anderer ehren sonnigen Garten durchschritt. Doch hinter Allen blies der Ostwind und murmelte: ..Vorwärts! vorwärts!" und die Hügel waren erklommen, di« finsteren Walker durckschritttz». und auch die Auen und Gärten und andere Pfade, derr* manche rauh, manche angenehm, wurden von diesen rastlosen Inselbewohnern betreten. Diese Keifenden. die in jeder Hinsicht von einander verschieden waren, Hanen in einer Beziehung eine Aehnlichkeit. wplcke darauf dinzuveuren schien, daß sie eine gemeinschästliche Aufgabe zu vollenden haben: Zeder trug in seiner Hand ein kleine» Kästchen von Bergkrhstall. aus dessen Boden einige wenige Zeilen eingegraben waren.! Ich bemerkte, daß an der Ostseile (der Insel) die Kästchen! stecken!»» waren, daß sie aber, wie ihre Eigentbümer vor- > wart» gingen, beschmutzt und manche sogar durch Flecken * entstellt wurden. Doch bemerkte ich auch, daß manche sich mit köstlichen Steinen füllten, die sich selbst zu Buchstaben ordneten unk Worte bilderen. So las ich an einem Kästchen, dessen Besitzer eben auS einem wütdenden Waldstrome autkauchle. niit rubinenen Buchstaben: ..Glauben"; auf-einem anderen in tiefstem Saphir: „Mild- ^häligkeit". — Unk wenn ein Kästchen mit manchem dieser glanzenden Worte geriert war, so schien es so leuchtend, daß eS einen herrlichen Glanz um sie her ergoß. — Reisen etwa dre Wesen, tackte ick. um die kostbaren Kästchen'zu verschönern? Das kann nicht sein, denn manche schauen nicht aus daS Kleinod. daS sie »vie eS scheint, obne ihr Wissen tragen, noch auf die Flecken, die dessen Reinheit entstellen, sondern beschäftigen sich blos mit Blütben. die ne auf ihrem Wege finden. Da schmückt sich eine schöne junge Reisende mit Blumenguirlanden, obne zu bedenken, da« die, Roseublätle» und Heilchen dem Kästchen Flecken machen r ein Anderer pflückt lockende Früchte ob und der East fällt aus daS Kästchen, und läßt ein entstellendes Zeichen zurück. — Da erblickte ick einen anderen, wie ich glaubte, weiseren Reisenden, der* verächtlich jene zwei sorglosen Wesen verlachte und ihnen sagte, daß Alle». waS sie gesammelt, gebrechlich, vergänglich und unnütz f#i.t Und seine Hände waren mit Gold und Silber gefüllt, und auf seinem Rücken trug er eine Last wohlriechenden Holze-, und ick bewunderte seinen Fleiß, seine Geduld, sowie die Selbstverleugnung. > mit der er die schönen Blumen und die versuchenden ' Früchte, an denen er vorüberging, unberührt ließ und nur nach dein bleibenden Golde strebte. ..Gewiß gehorchen kiese Reisenden, dachte ick. den Befehlen eine» Königs und bringen ibm die Schätze der Insel. Die Blumen. Früchte und da» Gold sollen nach einer ent- \ feinten Küste versankt werden: dock die elfteren werden ' gewiß welken und verdorren, ebe sie nach ihrer neuen Heimatb kommen; und da ift denn der Mann, der die letztere Last trägt, wahrhaft weise, feine Last ist zwar schwer, doch sein Schatz ist dauerud und feine Arbeit! wird nickt vergeblich sein." — Doch al» dieser Mann I vorwärts nach der westlichen Grenze ging, da brach durch! den Nebel ein Sonnenstrahl, der wie eine goldene Brücke! diese Gegend mit jenem ungesehenen Lande vereinigte.! Und ich gewahrte zu «einem Erstaunen und Kummer, j daß die Last der Palm» und Cedernzweigr von feinem! Rücken fiel, da» Gold und Silber seinem zitternden Arm j entschwand und von den Wogen wieder auf die Insel i zuruckgeworfen wurde. Beraubt alle» dessen, wa» er so

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