Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 44 (1858) · p. Seite 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
44 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 175 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4908862-5999346-6000869--1208-4909808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

175 V sehr wohlschmeckend zubereitet und munden selbst dem verwöhnten europäischen Gaumen ganz »oitirfflidi. Die Juden hier kleiden sich ^wie die PalLstinen sschen. Sie sprechen arabisch; jedoch reden sehr viele hebräisch mit der sogenannten portugiesischen Aussprache und ir Uenisck recht fertig. — Die Armen der Gemeinde sind zi >ar zahlreich, werden jedoch -vortrefflich unterstützt. Aleppo ist von hohen Mauern umgeben; s in blühender Handel dehnt seine Verbindungen nach Mus ul, Bagdad. Diarbekr, nach Egypten, Ostindien, und bis nach England und Frankreich aus. 3m Jahre 1705 verwüstete ein Erdbeben die Stadt und viele Menschen wurben zur Halste begraben, so daß sie wie Bäum« mit ihren Wurzeln ir^per Erde zu hasten schienen, Ein ande eS Erdbeben, däö sich über die ganze Provinz erstreckte, richtete im Jahre 1822 große Verheerungen an. (Sine dritte Er. fchülterung im Jahre 1848. welche ich dcrr selbst mit. erlebte, war weniger stark und hinterließ ke ne bedeutende Spuren von Zerstörung. Acht Stunden von Aleppo, aufder Straße nach Aintab. liegt ein Ort, der von den Juden Tedif. vor den Arabern nach dem Namen degroßen Esra, Capel Azar genannt wirk. In der Synagoge de- OrteS zeigt man eine Grotte und sogar einen Stein, wo Esra, der »andeStradition zufolge, nach der Rückkebr von Babylon die Tbora geschrieben haben soll. (Esra 7, 6. 21.) ES Wonnen nur ungc« fäbr 20 jüdische Familien daselbst, welche, »it die Juden an allen andern Orten des Lande-, die ich besulckl hake, arabisch sprechen. Die Bewohner von Aleppo wallfahrten alljährlich vor dem Beginn deS WochenfesseS nach Tetii. Von Tedif kehrte ich nach Aleppo zurüb. von wo ich nach der arabischen Stadl KilliS. nördlich von Aleppo, reiste, deren jüdische Einwohnerschaft, gegen 50 Familien, vom Handel leben und sich in einer glücklichen Sage be» sinken. Nach kurzer Rast wandte ick mich von dort nach Aintab ln südöstlicher Richtung von KiliS, wohin ich nach einem Marsch von anderthalb Tagen gelangte. Ehe ich die Stadt betreten durste, mußte ich mit nreinen Reise, geführten eine zehntägige Quarantäne in einem au4 zwei großen Gebäuden bestehenden Lazareth auS halten, welches oft so überfüllt ist, daß die Reisenden unter freiem Himmel campiren wüsten. Die Reisenden, die vin der Gesund. heitSpolizei alS am meisten verdächtig bet achtet werden, find die Kaufleute auden benachbarten jGebirgen, na. mentlich auS Daghestan und Grustm.! Drei Tagemärsche von Aintab nimmt bafi Land einen ganz anderen Charakter an; man tritt in eine GebirgSregion. deren Gipfel mit ewigem Schneie bedeckt sind, der. wenn er schmilzt, in schmutzigen, schäuotenden Strömen tosend herabstürzt. Nördlich von Aintab auf dem Wege nach Merasch fließt der Marad-Fluß. ^Jch gelangte zunächst nach Merasch, am Fuße deS TauruSgebirgeS gelegen, dessen schimmernde Gletscher ihre Häupter bis in die Wolken hineinstrecken. k^fti, fortwährend rauh aber gesund, die Männe : sind stark und istiger Statur. Die Stabt treibt mtl der Umgegend nach Kurdistan Handelsgeschäfte mit landwirthschaftr licken Produkten, mit Schlachtvieh uni Wolle. Die Straßen deS Ortesind an beiden Seit n von Kanälen eingefaßt, welche daganze Jahr hindurch von dem ge. schmolzenen Schnee bewässert werden. Die Häuser sind Da- Klima ist schön, die Bewohner,^vh«<dv>en manche reich find, kleiden sich türkisch. Die jüdische Gemeinde besteht -äuetwa 50 Familien, die sich eineziemlichen Wohlstandes und mancher Freiheiten erfMen. Don Merasch andurchstreifte ich die^Umgegend. die reich an pittoresken Ansichten, dir Beachtung de- Messenden verdient, und kam daun nach Aintab zurück. Bei meiner Rückreise, ^hprthiv wurde ich beim Durchreiten^eineS der durch den geschmolzenen GebirgSschnee gebildeten Ströme von meinem scheu gewordenen Pferde abgeworfen und blieb mit dem einen Fuße im Steigbügel hängen. Rück, wärtgefallen wurde ich vom Pferde eine bedeutende Strecke mit fortgeschleift, bis ich endlich ganz zerschlagen, mit Blut bedeckt und besinnung-loliegen blieb, in welchem Zustande mich eine vorüberziehenbe Karawane aufhob. Nach einigen Dagen der Ruhe machte ich mich wieder auf den Weg, da ich weder Zeit yoch Geld genug hatte, um mich völlig heilen zu lassen. Ich fuhr zunächst nach dem nur anderthalb Tagereise entfernten Birdschack. arabisch Bir-Saeca (Birra); eS ist. wie die Juden meinen, die Stadt Aram Nabarajim, in der die Eltern RebeccaS wohnten. (1. B. M. 24. 10.) Jetzt wohnen keine Juden mehr in dem Orte, doch kommen dieselben in Geschäften oft dahin. / Die Reisenden, welche in Ainrab der Quarantäne entgangen sind, müssen hier diese Fatalität auShalten. Um in die- Stadt zu kommen, pafsirt man auf einer Führe den Euphrat, der az»f dieser Seite die Stadt beschützt, während die andern Seiten theilS durch eine dicht an -der Stadt befindliche Gebirgskette^ »Heils durch alte, an daS Gebirge sich anschließende Mauern geschützt werden. AuS der Ferne gewährt diese große Mauer, welche die Stadt im Halbkreise umzieht unv in ihren Umrissen von dem dunkelblauen Hintergründe der Granitkdtte absticht, einen merkwürdigen Anblick. Am Fuße de- Gebirgesiebt man eine Anzahl alter, theilS schon in Ruinen zer» fallener Häuser verschiedener Größe, jedoch daS eine immer an daandere stoßend. Jedes dieser Häuser Enthält einen Keller, in welchem zwei biS drei Zimmer angelegt sind, welche höchstens' zwei' biS-dret Personen fassen können; alle diese Zimmer stehen mit dem Ungeheuern Souterrainin DerbihbuNg, die sich unter der Stadt, unter dem Euphrat und bi» 'in einer Ausdehnung von einer Stunde auf dem andern User de» Flusses hinziehen. Auf dem Gipfel de», selben ist ein-Fundus (Herberge) angelegt, wo armenische Kaufleute wohnen. . Achtzehn Stunden von Birdschack Uetzt in einer wüsten Gegend die Stadt Ulfa, ebenfalls von einer Mauer umschlossen. Ringum die Stadt findet man eine große Menge von Menschenhand geschaffener Grotten, die sämmtlich offen sind und in ein ^Souterrain führen, da», wie man sagt, gegen einige Stunden lang ist. Man trifft dort ordentliche Tbort, Thüren. Straßen. weitläufige Plätze und sogar Brunnen., ES lieg» außer allem Zweifel, daß diedie Spuren einer durch ein Erdbeben verschütteten Stadt find. Sollte^ nicht daalte „Ur" in Chaldäa sein, von welchem EkofeS spricht? (1. B. M. 15. 7.) Man findet in Ursa Monumente, deren Entstehung zu den ältesten biblischen Zeilen ^hinaufreicht. einzelne, noch biheute erhalten, ländere in Ruinen liegend. Wir er» wähnen hier einigender merkwürdigsten:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.