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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 41 (1858) · p. Seite 163

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
41 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 B' ü unD zus» ich in der Frobnveste unschuldig gedarbt, biS Fürst jüngst begnadigt hat. — drauf Lurcht! ] ..Der Herr Auscultator ist ein Zunftfeind, so ein Freihändler, ein ZeitungSmnesch beld — Löwe ist -ein Republikaner, im Nam sten drauf!" Moritz schritt auf den wüthenden Redner naher zu betrachten, da erhob sich hinter ihm Haupte in verrätherischer Hand ein alter Rc fiel mit solcher Wucht auf seinen Kopf nied r Getroffene mir den Worten „mein Gott und daS Blut ibm in Strömen Gesicht und sudelte. , Der Pöbel hatte kaum Blut gesehen, a menschliche Tigernatur in ihm rege wurve, u > Wuthgebrüll auf daS Löwefche Haus zustürzt Doch jetzt, horch! Trommelwirbel in imn und stärkern Schlägen, eilige Menschenfchritte. mando, Fackelschein—und herein durch daS thor stürmte Heinrich v. Braun, mit geschwung« hinter ihm eine Abrheilung von circa 50 M wehr mit eingelegter Pike. Die Tochter beS Thorschreibers, eine Mathilde Löwe, war in Nachtkleidern und AmSleben geeilt, (das passive Verhalten der pagnie kam ihr verdächtig vor und ließ sie Weg einschlagen) um Hülfe zu requiriren. v. Braun und circa 50 junge Leute folgte pseSmuthig, der übrige Philisterschwarm halt lick in allen Winkeln verkrochen. v. Braun übersah mit einem Blicke die commandirte Halt — und ließ den Sturmwirbe Die Frauen, Mädchen und Burschen und v flohen. nur an 10 blieben stehen. Aber aue > seitab und ergriffen die Flucht, als die Pbalanr mit Hurrah auf sie loSging. Nur ein Einziger war übrig geblieben, dem Fenstergesimfe der hochgelegenen Löweschr^n Wohnung, wohin er auf den Schultern gestiegen war. mit einer Hand fich an den mernd, mit der andern eine Art dagegen schwieg eigene Hämmern hatte ihn das Trommeln lassen, jetzt bannte ihn der Schreck. v. Braun entriß schnell einem Bürgerweh Lanze, stieß sie unter den Rockkragen de» hob ibn bock in die Luft und ließ ihn dann a mit solcher Vehemenz herabfallen, daß der zersplitterte und die Steine unter den halbze Knochen dröhnten. Einige Fackelträger tratest heran. „ES ist der Raubmörder Hirsch", riefen sei Dank, eS war hohe Zeit, lassen Sie ihn Hund verrecken. Herr Lieutenant, den Galgen ,,Nicht doch", entgegnet« Heinrich, „vier eine Bahre, tragen ihn in- Krankenhaus, ein ’ PhysikuS, zehn Mann in- Löwefche HauS zum Fackelträger, hier geblieben. Ihr Andern noch local, zu den fingirten Schläfern!" „Wartet Bursche, ich wittere Unrath, Euch Pöbel, soll die Strafe treffen!" Innung-- ein Federn de- FüröS, um ihn über seinem BÜ g <2 c eimS mich unser über, ohne tersäbel uftlT'jum PhysikuS!" daß der mmenbrach Körper brauch die allemit er schnellern auteS Comaabe Stadrnem Degen, nn Bürger. Ureundin der barfuß nach gierten Com. den rechten n ihr kamsich angst- Sefahr. Er l schlagen. Männer sie wichen erwebr in iele stand auf Parterre- Genoffen Laden klamend. DaS überhören Smann die verwegenen, lfS Pflaster anzenschaft fffchmelterten leuchtend sie, „Gort wie einen rjogel." ann holen r ruft den Schutz, dir n- Wacht« nicht den 4t Die Tamboure wirbelten zum Antritt. Heinrich' commandirte Marsch und schritt zu — da stolperte er über einen Dreckhaufen und^ fiel. Seine Hände faßten im Fallen einen Menschcnkopf, die Haare getränkt mit einer warmen Feuchtigkeit. „Halt. Träger", rief Braun, „hier liegt noch ein solcher Halunke, als Gefährte für den Hirsch — aber welche Blutlache, leuchtet doch besser, der Mensch ist fast erstarrt, der Athem kaum hörbar, schnell Wasser her und dann Die Fackeln näherten sich, der Verwundete lag auf dem Gesichte, Jemand brachte in der Mütze Wasser. Ein BürgerwehrSmann stieß den Liegenden mit dem Fuße herum, indejn er lachend auSrief: „Der Kerl spielt Verstecken!" 1 Heinrich beugte stch über den Verwundeten und wusch ihm daS geronnene Blut mit nassem Tuche ab. Er nahm nun selbst eine Fackel in die Hand und hielt sie dicht anS Gesicht de- Verunglückten — plötzlich ließ er sie fallen und mir den Worten : „Allmächtiger Gott, Moritz!" und sank wie bewußtlos an dessen Seite nieder^ Welche Situation,, welche Scene! — Brotneid hatte den Fanatismus zu Hülfe gerufen und dieser batte in Verbindung mit seinem mächtigen Bruder Alkohol einen Pöbelhaufen zum Angiff einer Judenfamilie bewaffnet. Der HauSvater, ein alter wackerer Soldat, nicht nm sein, aber um der Tochter Leben beforgt^die ohnmächtig in seinen Armen lag, Zu seinen Füßen der winselnde Joel. Auf einmal Pause in der Attaque — da- Gesetz in der Person beS JustizamtmaflnS tritt ^für die Geängstigten als Retter auf. Auch Hirse-Hoffnung schlägt fehl. Schon kracht der Laden unter den Artschlägen des pochenden Raubmörder-, dessen Stimme man deutlich innen erkannt hatte. Endlich wirkliche Hülfe. Allestill. Aber vor der Hau-thür de- Juden, die auf den Ruf ..Guter Frrund" geöffnet worden war — zwei Schmers,rwundrte, beide Juden, der eine im Verbrechen, der andere'inmitten der Rettung unschädlich gemacht. drr letzte und währe Retter sprachlos an de- Freunde- Seite. Und in da- Hauder Augst und des Schreckenwerden die Verwundeten getragen, ihnen folgt Heinrich, geführt von zwei Kameraden. Nun täuchen auch wie Irrlichter hie und da' Lichter in der Nachbarschaft auf, ektmmen Bürger, welche Feigheit, Indolenz und Glaubenshaß an das eigene Haugebannt hatte, condoliren und gratuliren dem biedern Löwe, der jeden Händedruck warm erwiedert, eS kommt de- ThorwächterS Tochter, ohne deren angstgeflügelren Lauf jede Hülfe zu spät gewesen wäre. Der PhysikuS und Äustizamtmao» treten zuletzt ein. Jener beschäftigt fich mht den beiden halbtodten Männern. Wie sehr er bittet, Lötpe duldet nicht, daß der Mörder Hirsch inS ArmenkrankemhauS tran-portirt werde. „Er iss Mensch, krank und mein Cousin, dawischt für jetzt jeden Makel von ihm ab." i Der PhysikuS tröstet Heinrich über MorrtzänS Zustand, indem er ibm die Wunde als bedenklich, aber nicht absolut tödtlich schildert und lachend^ hinzufügt: „Er mag sich freuen, daß fein Gegnej nicht v. Braun hieß, denn der

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