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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 41 (1858) · p. Seite 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
41 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 Hirsch wird verenden, er hat eine Gehirnerschütterung davongetragen.... „Znm Wohl der Menschheit,- Herr Doctor". nes Schreck, „wahrlich, zum Wähle der Menschheit! „Das ist die falsche Philanthropie, der seichte Humanismus unserer Tage, daß man .solche Bestien fteigiebt, damit sie Luft schnappen und von neuem — Menschen anfallen. Zhr Rabbiner und der Landtag haben es beim Fürsten erwirkt? trotz aller meiner Gegenberichte. „Ich sebe jbni noch vor mir den jugendlichen Verbre» ckcr von 15 -Jahren. Ein . bildhübscher Knabe, von strotzender Gesundheit, mit langen schwarzen Locken, bjetet er einem alten Manne'sich als Wegweiser durchs dunkle Nadelholz an und trägt ihm die Reisetasche nach. Da, wo der Hohlweg im Walde zum langsamern Gehen nöthigr, ''seyt er die Last im Schnee ab und klatscht in die 'Lände, wie um sich zu erwärmen. VerrätherischeS Signal. , ,.Lrin Spießgeselle springt hervor, zerschmettert mit eurem Sck'uß aus einem alten Reiterpistol den Kopf des alkcn Mannes» nimmt den Reisesack und zahlt dem Knal'.u den versprochenen Blutlobn von 5 Ngr. „Der gebt nach Hause, trifft zur-trüben Morgenstunde ein unv empfangt von seinem brgven Later. Scheltwo.rre, daß er auözegangen ohne erst zu bereu. Der Knabe legt die Gebctriemen um die Mörderband und stellt sich inbrün«- stiz beten — so baten wir ibn verhaftet. Seine Jugend rettete ibn vom Schafott und überlieferte ihn dem Zuchlbause. Mit siebenzigpfündigcm Klotze an den Füßen, so dabt ihr ihn oft gesehen, die schwere Steinlast karrend. „Dreimal hat er mit diesen Lasten.sich von der hohen Brücke'in die Tiefe^deS Steinbruchs auf zackige Felsen gestürzt, jcdeschal entriß ivn die zähe Körperkraft gewissem Tode. Das falschi^Mitleiden Eurer Glaubensgenossen i..t den -i Jahre langen Insassen des Zuchthauses bat den Rabbinerdieser den Landtag nicht ruhen lassen —. Da habt Jb'r Vie Folgen der modernen Besserungsanstalten. Was.dem Pöbdh freie Institutionen. das ist dem Verbrecher freie Luft — G i fr.". „Lassen Sir das gut sein, Herr Justizamlmann", sagte t>: PdusikuS, den Angeredcttn frenndlich auf die Schulter klopfend, „wir wollen hier nicht Principien, sondern Krankl ciien ^rkämpftn. Sie moralische, ick physische. „Für mich dieses Zimmer, ta,ich nicht zugeben kann, t.ß die'Kranken weiter lransportitt werken.". „Und rür mich das Spielzimmer", entgcgncke Schreck, um das Protokoll an Ort und Stelle auszunehmen und morgen an die Regierung zu berichten!" ..Geben Sie nach Hause. Herr v. Braun", sagte wieder der Doktor. ..Sie sind hier unnütz und bedürfen selbst Rüde — und ein Glas Selterwasser. Adieus!" Damit reiäne er .ihm die Hand und schob ibn langsam zur Thür hinaus, wie sehr er sich srräubte und nach dem Sopba blickte, auf das inan den Freund gelegt halte. ..Und ich bitte alle Zeugen der Tbat mit mir ins Zimmer drüben;u geben", revele Schreck die. Anwesenden ckn, den Ankern wünsche ich gute Nacht . denn zum Gaffen ist hiernicht der Ort, noch die Zeit." Die Meisten gingen. „Spaßhaft", sagte Schreck, als er die Thür des Spielzimmers aufmachte, wobin man ihm Licht. Papier und Schreibzeug bereits besorgt batte, „wirklich spaßhaft." „Ich protokollire allein in einem Zimmer, wo wir nur gewohnt waren zu Vieren stumme Blicke zu wechseln. Mein einziger jüdischer Auskultator ist verwundet, »nein einziger christlicher hat verwundet. Der Bedrohte ein Jude, der Haupträvelsführer der Bande ein Jude, der Doctor aus dem Club geschieden als Judentreupd, und ich selbst — um eines Juden willen bald tüchtig durchgebläut ohne Dazwischenkunfc eineS Juden. _ ,,<Ei ist wirklich spaßhaft. Da sage mir einer noch, daß wir nicht in einem verrückten Zeitalter leben, daß Zeit und Menschen nicht aus den Fugen gegangen find!" Heinrich ging langsamen aber sichern Schrittes nach seiner Wohnung, ohne Begleitung, die er sich verbeten batte. Die Erinnerung an die Erlebnisse des heutigen Abends arbeitete noch »nächtig in seiner Seele. Seine Gedanken waren bei Moritz, der nun noch bestiimul war, allen Schmerzen einer langwierigen Krankheit cmgegenzugehen. Als Braun um die Ecke der Straße bog, trafen leise, aber bekannte Stimmen sein Obr: „Das ist die Strafe von Gott, Golvstcin", sprach der Eine, „ein Fingerzeichen GokkeS. Warum passirlc eS keinem andern Juden?" „Hast Recht Cohn", lispelte der Angeredete, es ist nur Schade, baß der Raw soweit abwohnt, dem »väre solche Lehre auch ganz gut-doch still, da gehr Jemand, daß man uns nicht dörr!" „Die ggnze Welt kanns hören", rief Cohn laut, „fürchtest Du Dich vor dem Raw?"- Heinrich wolltest die Spötter zur Rede stellen, befamf* sich aber und gurMtuhig weiter, zu sich sprechend: „Armer Moritz, wie bist Du immer voller Entschuldigung für die Schwächen Deiner Glaubensgenossen, Du bist ein allopathischer Panegyricus gegen die gehässtgen Verleumdungen der Judenfeinde. Aber auch das wird stch geben, Du wirst einschen wie ich, hüben und drüben Gleißner, Fanatiker, Schurken, der Einsichtsvollen und Bravpn überall wenige, rafstnirle Rachsucht und Schadenfreude dort das Vehikel, wie hier, der Eitelkeit und Selbstverblendung üppige Fülle in jedem Lager! — In AmSbcrg politisches Kauderwälsch, hier religiöses Gesckwätz. Za wahrlich: Wohin ihn treibt der eigne Dünkel, DünktS Jeden, sei'S für Alle recht. Und statt der Tbaten inanneskräftig N»t^ wcrbifch-eitles Wortgefecht. iSi>rtfn»im* Will.) | Allgemeine Zeitung des Judenlhuüis. No. 40. 1858. Leitende Artikel: PrediAt. gehalten von vr. Ludwig Philippson am Tage feines Lrjährrgeu Jubiläums 'ic. — Die Bologneser Angelegenheit. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, Gr. BecSkerek. —Frankreich: Paris. — Nordamerika: Rew-Aork. JES* Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thalcr, vierteljährlich % THaler. Verantwortlicher Redacreur.: St. Nabe. Verlag »ob Baamgartner'« vBchhaBdlmiz in Leipzig. — Druck VOR Alexander Wiede in Leipzig. I

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