Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 39 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Die Republik ist prorlamirt. Lamartine. L^dru-Rollin. Arago. Garnier-PageS, Cremieur (der jüdis« ic Advokat) und LouiS Blanc stehen an der Spitze der nraen Regie, rung. Die Poivtechniker und Studenten 'chützen die Kunstfchätze, nirgends wird geplündert." — Wenn eine Bombenkugel mitten durch ein Kirckdach geschlagen unter der andächtigen VersammI, ng stch in dem Augenblicke entladen hätte , als der P ediger eben den Segen sprechen wollte — größer wäre j, ner Schreck nicht gewesen. a(S derjenige, den daS Ertrablc tt unter den judenfeindlichen Ressourcisten anrichtete. Pfeife und Cigarre war jedem entfallen, die Kniee zitterten, grause konnte den aufgesperrten Mund nicht zum Schluffe bringen. Diese Gelegenheit benutzte Moritz. Cr g ng. um die Nachricht seinem Freunde mitzntheilen. «Aortse-mi» feltii-) lieber die Willensfreiheit des M irschen. Unserem Versprechen in No. 37 gemäß precken wir unsere Anfichten über den dltrt beregten G genstand in folgenden Skizzen au». Von jeher hat eS den Denkern manch« rlei Mühen gemacht, die Freiheit deS menschlichst Willens und die göttliche VorauSbestimmuig zu ver« einbarcn. Die erstere ist eine sichere Thatsache, die nicht zu berweifeln. Wir brauchen nur das Erste Bes e vorzunehmen. so sehen wir.ein, wir könnten eS thrn ober auch lassen. So im Kleinen, so im Großen. Wenn nn» auck noch so viele Umstände zu einer Handlurg nölhigen, so zwingen sie uns doch nur als Gründe, n cht aber als Nbthigung. als Zwang. Der Hunger H ein Grund zum Essen, nickt aber ein Zwang, denn ich könnte trotz ihm nicht essen wollen. Aber auch die göttliche VorauSbestimon ng ist eine sichere Thatsache. Denn obne sie fiele AlleS )em Zufall anheim, daS hieße eben. eS zerfiele in Nicht I. ES wäre kein Plan, keine Ordnung, keine Absicht in Leben der Menschheit und deS Menschen. Denn mai fasse diese Sache scharf ins Auge. Man darf nicht sagen: in der Natur ist Ordnung und Plan, aber die Mer schheir überläßt Gott sich selbst — das hejßr, da die Mi nschheit kein sich selbst bestimmendes, Einzelwesen ist. >em Zufall. Gott kann kein Ding. sei'S groß, sei'S klei i, sich selbst überlassen, eS muß in allem Sein ein Ge anke Gottes vorhanden, auSgefühn fein, sonst bestünde 'S gar nickt. In der Natur können wir die Gottesordnu ig nun alle Augenblicke fassen, der Plan, die Absicht GotteS liegen da zu aller Zeit einsichtlick vor. Die Ordn ing und der Plan im Menschenleben greifen aber so w u auS, daß der kurzsichtige Mensch, dessen Fassungskraft sich über einen so kleinen Raum, eine so kurze Zeit nur erstreckt, sie nicht einsieht. Ohne göttliche VorauSbestin mung würde taS Leben der Menschheit und Menschen «b n so in^ein ChaoS verfallen, wie alle» Vorhandene ohne den Willen GotteS in'S Nichts. Mit einem Worte, in Allem. waS znm Sein kommt, muß ein Wille, d. i. :in Gedanke Gottes vorhanden fein, ohne den vermöchte eS nicht zu werden, und dies nichts bloS in Betreff deS Daseins der Wesen an stch, sondern auch in Bezug der Vorgänge mit den letzteren, den» «in Borgang, eine Situation, ein Verhaltniß ist auch ein Dasein. Da kommt aber nun unsere Krage herein» wie kann eine Freiheit des Einen mit einer DorauSbestimmung seitens eines Andern zugleich möglich sein? Ist riwaö vorausbestimmt, also unabänderlich, dann muß ick eS ja thun. ich kann eS gar nicht ander-. Sehr richtig bat man zuerst die göttliche Voraus« bestimmung auf die Allwissenheit GotteS begründet. „DaS Dorhersehcn sagt Mendelssohn richtig, „ändert nichtin den freien Entschließungen vernünftiger Geschöpfe, ob eS gleich mit der vollkommensten Gewißheit von Ewigkeit ber Alleumfasset, wozu sich diese in aller Zukunft entschließen und nicht entschließen werden." So richtig dieist. so falsch ist da- Beispiel, welcheer anfügt. Er sagt: „Wenn Jemand eist Schiff im vollLU Laufe betrachtet und mit aller möglichen Gewißheit voraussiehet, daß, so wie der Steuermann dm Laut desselben richtet, enothwendig auf der nächsten Sandbank scheitern und zu Grunde gehe»- muß. fo. hat sein Porherwissen nicht den mindestes Einfluß auf die Unwissenheit oder Unbesonnenheit teS^EreuermannS." DaS Beispiel ist darum falsch, weil der Zuschauer immer erst den Lauf deS EckiffkS beobachtet haben muß.^ um fein Schicksal vorauszusehen, also daS VorauSfehen nicht auS ber Unwissenheit deS Steuermanns, sondern auS dem Laufe de» SchiffeS ziehet, so daß eS kein VorauSfehen. sondern nur ein.Schluß ist. Gott aber kennet die Unwissende« deS Steuermannes, und weiß im Voraus» daß er daS Schiff so richten wird, ■*— Obne Allwissenheit wäre VorauSbestimmung nickt möglich. Aber Allwissendeit ist noch keine VorauSbestimmung selbst. AjS Allwissender weiß Gott AlleS, waS geschehen'wird, aber alS solcher hat er noch nicht Alles ongevrbnet, und die. Frage ist damit noch nicht gelöst. DaS VorauSwiffen GotlcS hinten die Frribrtk deS menschlichen Entschlüssenicht, da Gott nur im ÄprauS weiß, wozu ber Mensch sich entschlicßea werde: wie ich von einem guten Menschen^ den ich genau alS^ solchen kenne, schon im Voraus'weiß, wozu er stch bei der Wahl zwischen einer guten und schlechten That bestimmen wild, wie dqr' Lehrer weiß, daß ein ftrißigcr Schüler sich entschließen wird, die Aufgabe zu machen. Aber, wie gesagt, diese- Wissen ist noch nickt Bestiwmcn und Auorknen. i ES koaum aber hier Folgendes. hinzu. Sehen wir genau zu. so ist die Mehrzahl der Verhältnisse, in denen der Menses lebt, durchaus nickt abhängig von diesem. Schon mit,unserer Geburt empfängt un» eine Anordnung von Verhältnissen, die den wesentlichsten Einfluß auf unS üben, ohne baß wirda- Geringste, daran zu ändern vermögen. Die Eltern, hie unS erzeugen, ihr Stand, ihr Vermögen, ihr Charakter,, die Ziehung, die Lehrer) der Ort, die Zeit unserer Geburt; unser Körper, unsere Geistesanlagen, unsere Entwickelung u. s. w.. u. s. w. Niemand ist Herr darüber, und doch hängt da» Meiste für unS davon ab. Äö geht e» aber durch unser ganze- - Leben. Wessen Anordnung sind' nun aber alle diese Derhältniffe? GotteS. und! nur GotteS. — Wir dürfen aber dennoch nicht sagen, daH diese Bestimmung unserer äußeren-