Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 39 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Verhältnisse die Freiheit unsere- Willenvernichtet.' Diese äußeren Derbältniffe bedingen zwar unseren Entschluß, --.aber sie machen ihn nicht, und in dem Machen bes EntfchlusseS liegt die Freiheit. Selbst wenn wir den äußeren Verhältnissen «achgeben. büßen wir nichtan unserer Freiheit ein, denn dieses Nachgeben ist selbst Freiheit; was wir opfern, ist unser Wunsch, unsere frü- Heren Absichten. aber in diesem Opfern liegt unsere Freiheit. Wir könnten es doch andertbun. Wenn üns Jemand eine Pistole vordält, so können wir immer doch aut^ste losgeben, oder ibr auSweichen; er zwingt unS nicht, au-zuweichen. sondern erst unser frei genommener Entschluß, unser -eben zu erhalten durch AuSweichen. Die göttliche ^LorauSbestimmung bestehet nun in der Anordnung unserer äußeren Verhältnisse und in - dem Vvrauswiffen unserer freien Entschließungen. (wekckeS BorauSwiffen sich auf die Kennrniß unsere- Charakters gründet). Zuerst stellt unS Gott auf einen gewissen Boden, weiß nun im rorauS. welche Entschließungen, wir fassen, also wie wir bandeln werden, und nach diesem DoranSwissen hat er im voraus die weiteren Vorgänge geordnet. AuS unseren Entschließungen gehen für unneue Verhältnisse bervor. die wieder zu neuen Bedingungen für unsere Entschließungen werden. Indem also das Leben des Menschen ^m Zusammenstoß dieser beiden Momente besteht, deS Vorhandenseins äußerer Verhältnisse und der freien Entschließung, jene aber von Gott herrühren, diese .von Gott vorausgewußt wird: ist eine Borgu-bestimptung GotteS und die Freiheit des Menschen zugleich da. Wenn irgend ein Gleichniß gegeben werden soll — eS wird aber vier kein Gleichniß ganz zukreffen, weil dies Verhäliniß nur einmal vorbanken ist — so wäre es folgendes. Denken wir uns einen ausgezeichneten Schachspieler. und einen schwachen jenem gegenüber. Der erste , kennt dabei deS letztern Spielwerse durch und durch. Nun wird, auf dem Grunde dieser Kenntniß, der crstere einen Plan seines Spieles so treffest. daß er mit Sicherbeit ibn ausführt, ebne baß der schwächere Spieler sagen kann, sein Mitspieler bähe ihm nicht völlige Freiheit gelassen, nach bestem Wissen und Willen zu ziehen. Denn seine Züge waren ja immer Producte seiner freien Entschließung, nur daß jener diese Entschließungen voraus berech. nete, und danach feine eigene Anorknupg traf, um zum bestimmten Ziele zu kommen. Blumenlese. Sinn find wir freundlich und wohlwollend, der Begeisterung für alles Gute, für tiefe Rührungen fähig; bei düsterer Laune aber gehässig, auffahrend und lieblos im Urtheilen. Reden und Handeln. Schwäche und Kränklichkeit führen Aengstlichkeit und Mißbehagen herbei. Eine traurige Stimmung der Seele verhindert nicht nur. Allewas den Menschen umgiebt in feiner wahren Beschaffenheit zu erkennen, sondern macht oft wider Willen ungerecht, dem Guten abhold, dem Bösen geneigter und verbittert den Genuß des Lebens. Daher fordert die Schritt ott, daß man für die Gesundheit deS LeibeS die aufmerksamste Sorgfalt hege. Sie erlaubend mir hier diesen Gedanken an einen Derzu knüpfen, der sehr verschieten erklärt wird: Sprüche 11. 17. T-re ivs: •'"rrr» rtjco -C7i ncn Wer seiner Seele pflegend wohl, thut, ist ein frommer Mann, und wer seinen Körper betrübend verderbt, ein Grausamer. Ebezeichnet Frömmigkeit, für bas Seelenheil sorgen, und Härte, den Leib außer Acht lassen. Die körperliche Pflege erhält den zartesten Bildern deS Geistes ihre frischen Farben. Notizen des Tages. In Coburg und in Oldenburg sind abermals neue die Juden betreffende Gesetze erlassen worden, im ersteren Lande über die Vereidigung der Juden, im letzteren über das Gemeinde- und Schulwesen. Man hört, daß die israelitische Gemeinde in London damit umgeht, Lord John Ruffel ihre Dankbarkeit für seine Verfechtung der Emancipation zu bezeigen, und Lady John Russell eine Boudoir-Einrichtung, ouS einem Tische und vier Stühlen von massivem Silber bestehend, zu verehren. Der seit mehreren Jahren erblindete, als Orientalist hochverdiente Munk (gebürtig zu Glvgau), seit dreißig Jahren zu Paris wohnhaft, hat den Orden der Ehrenlegion erhalten. Den vielen Gemeinden, College» und Privaten, welche mich zu meinem 25jährigen ÄmtSjubiläum mit Adressen und Zuschriften beehrten, spreche ich hiermit meinen wärmsten, herzlichsten Dank auS und bitte zugleich um freundliche Nachsicht, wenn eS mir erst allmälig möglich sein wird, dieselben schriftlich zu beantworten. Magdeburg, den 12. September 1858. vr Ludwig Philippson. Auszüge von Erzählungen. Gleichnissen. Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriftflellen aus hebräischen Werken. Bon Joseph Rawicz in Breslau. Daß man sich nicht viele- Fasten, oder Kasteiungen, welcher An sie sein mögen, auferlegen darf. sagt.TiniN'; im Namen des 3"), gebt auS dieser Stelle hervor: Und es ward der Mensch eine lebendige Seele, 1. D. M. 2, 7. Eine Seele gab ich Dir. belebe sie! Der Zustand deS Geistehängt vom Zustande des Körpers ab. Bei heilerem Allgemeine Zeitung des Judenthums. Ro. 38. 1856. Leitende Artikel: Unsere Stellung in der deutschen Presse. — Der religiöse Fanatismus. — Literarischer Wochenbericht. ZeitungSpachrichten: Deutschland: Berubura. Soudersbauiea. Hannover. Hamburg, aus Rbrtnhessrn. — Orsterrrichischrr Kaiserstaat: Wien. Arad. — Die Schweiz: Ober-Endlagen. — Rußland: Bon der polnischen Grenze. — Holland: Amsterdam. — Nordamerika: New-Orleans. — Türkei: Konstantinopel. AK An beziebev durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich */4 Thaler. Verantwortlicher Redacteur: Jt Näke. Verlag von 8aBag5t1ncr’l Vuchhandl«»- in?eip,ig. — Druck vou Alexander Siede in Leipzig.