Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 38 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
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151 V. gewechselt wurven unv habe die Kisten unt die Schachteln gesehen und ihre Herrin, die mich lächllnd anblickte. Eine schöne Krau, Herr Moritz, weiß Gott -- wenn auch nicht mehr jung! Heinrich zupfte seinen Freund unwillig a n Rocke, wie um dem Geschwätz ein Ende zu machen. Moritz zog die Börse auS der Tasche,, wc r im Begriffe dem Störenfried Baruch, den er für einen verschämten Armen hielt, ein Geldstück barzureichen -- als dieser, wie von einer Tarantel gestochen, zurücksprang, einige Male pirouettlrte, zind mit immer heftigere Miene und Bewegung wiederholt auSrief: „Just wi> Meyerbeer, gerade wie Meyerbeer." „WaS S i e auch von Meyerbcer wissen" sagte Hein» rich lachend. Da« war dem Baruch zu viel. Die Mütze abnehwen, sich mit höhnisch devoter Miene dem junger Braun nä» Hern und ihm unter allerlei Handgefechte w ederholt entgegenrufen: „Ja, mehr wie Sie!" war nrr daS Werk einer Minute. „Großer Gotr. meine Herren", rief er erst >öpft, „sehen Sie, als er ins Bad reiste, kam er hier ducch. Ich laS feinen Namen auf einigen Briefen, die er P »sts restante empfing, so dicht hatte ich mich an daS Scha rer gedrängt, weil ich gleich in dem Manne etwas Große vermuthere. Ich bot ihm meine Dienste an und führte ihn während deS Umspannender Relaispferde spazieren. Da ist unser Tempel, sagte ich ihm. Haben Sie hier ein Theater? antwortete er. Und da drüben wohnt un er Rabbiner, fuhr ich weiter fort. Aber der fürstliche Mustkdireetor kömmt doch wohl nur selten hierher? e itgegnete er. DaS war mir zu viel, ich wurde ungeduldü. Da nahm Herr Giacomo sein Portemonnaie auS der Tasche und wollte mir ein „Trinkgeld" geben. Ich trinke nicht, Herr Tonmeister, rief ich ihm zu, ich bin nicht a iS dem schle» fischen Feldlager. schenken Sie Ihr Geld dem Teufel, und wenn er meinetwegen Robert heißt. Za, daS habe ich ihm gesagt, meine Herren, so wahr ich Baruch, der Geldwechsler bin. Und so heiße ich, und daS bin ich meine Herren und damit gütet; Abend!" Verschwunden war er, wieweggeblasen. Die beiden Freunde hielten sich die Seiten vor Lachen. „Eine schöne Introduktion zu dem Kräht inkelconcerte, in dem wir hier die erste Violine mitsp elen sollen", sagte Heinrich, „und siehst Du — wieder >te unvertilgbare Neugierde Eures Stamme-. Das fp< ht und lugt in der Post und im Waggon, im Haufe und auf Straße, bis man reine Beute ihrer Frage t wird. Sie kommen mir so bekannt vor. reisen Sie noch weiter? Eie kommen gewiß vom großen Redoutenbc lle. weil Sie so müde sind? und tausend dergleichen Anr« den mit Bitte um Feuer, daß unsere germanische Ohre t halb taub davon werden." „Wo Du Recht hast, widerspreche ich n« >t, Heinrich", erwiederte Moritz, wenn ich auch einerseits! ieugittde für nicht- Schlimmehalte, andererseits für hr Uebermaß bei meinen Glaubensgenossen manche Entschuldigung zur Hand hätte. Aber laß uneilen. ich habe großen Durst." „Und ich", sagte der Andere, „bin mpde, wie ein Siebenschläfer." Im schwarzen Adler empfing die beiden Gäste der einzige Kellner und Oberkellner. Dawar eine gewichtige Person in der Sl^dt. DeS Morgenrasirte er den Bürgermeister. Justizomtmann. Pastor und noch einige Notabilitäten, bei Bällen friflrte er deren Frauen und Kinder, Nachmittagspülte er dfe Gläser unv Flaschen im Hotel und AbendS reichte er eigenhändig den Stammgästen Krug und' Stehfeidel. War Theater in der Stadt, oder richtiger in der großen Scheuer de- AmtjuannS. beglückte eine Kunstreiter* geseüschaft, ein echter oder falscher Kolter oder ein versprengte- Exemplar der Kreuzbergerfchen Menagerie die Stadt, so trug kein Anderer, alS Herr Krause, so hieß der rothhaarige Hagestolz, die Zettel umher. Im Gasthofe schaltete er mit unumschränkter Gewalt, und die Besitzerin, eine ältliche Wittwe, floh gewiß mit ihren Töchtern und hem Dienstmädchen in den äußersten Winkel der Küche, wenii der gestrenge Herr Krause die buschigen ftichSothen Brauen zusammenzog, daß die Um» gebung seiner Augen in Hellen Flammen zu stehen schien. Heinrich begab sich sofort in die zweite und letzte Etage de- Hauseüber einen mit Estrich belegten Saalflur. der seiner Größe und Einrichtung nach eher einer Reitbahn glich, in die weißgetünchte Schlafkammer, die, beiden angewiesen, mit ihren rothen Fließen und weißgetünchten Wänden, l^er an Meuble- bis auf 3 Betten und»2 Holzstühle, auf welchen letztem blecherne Wafchnäpfe mit irdenen Wafferkrügen standen, eher ftlr eine Mönchszelle'als für ein Gastzimmer lustiger Musensöhne zu halten war. AlS Herr Krause mit bedächtigen und gewichtigen Schritten, die sich in so gemessenen Pausen folgten, daß da- Echo eine- Schritteimmer verklungen war, ehe der andere an der Reihe war, von der steinernen Treppe herunterkam. stand Moritz noch iyt Hause. „Bitte, zeigen Sie mir da- Gastzimmer", redete et dastädtische Faetotu» an. Dieser besah stch den Ankömmling von oben biunten, faltete die Stirn, , legte bedächtig einen Finger an den Mund — endlich marschirten im langsamen Paradeschritt die Worte hochtönend heraus: „In dem einen Gastzimmer tagt heute Abend der Ausschuß der Ressource, dort drüben ist zwar auch geheizt, aber eist sehr enge' und der Backtrog steht drin und eS ist dunkel— nun. schleicheu Sie nur in Gotte» Namenbedächtig in das erste« Gastzimmer, verhalten Sie fich aber ruhig, und wen« Sie.Jemand bemerkt und» zur Rede stellt, berufen Sie sich nur auf mich, mein Name ist Herr Krause!" „Muth", sagte Moritz zu sich, „eS wird ja keine Räuberhöhle sein." So trat er eitr. Wa» er sah? Nicht» al» Rauch. Rauch au» aller Herren Länder, auS Portorico und Cuba, au» der Pfalz und Oraatenbaum. Unter dem Schutze dieser ägyptischen Finsterniß konnte er ruhig und unbemerkt verweilen, diesig Wolke de- Taback-qüalmehätte ihn selbst RäuberangeA entzogen. WaS er hörte? Nicht» alS Lärmen, verworrtnleS Disputiren, Klappen mit dem Krugdeckel, für da» Herr Krause heute Abend aber taub war. weil er jeden Augenblick die verspätete Ankunft bereichen AmtSrath» K. erwartete, der ihm jedeSmal. für