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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 38 (1858) · p. Seite 152

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
38 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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1S2 > tji Oeffnen der Kutschthürr 5 Sgr., juh'fikn auch ein Bonbon oder eine Spielmarke in die Hand drückte, die dann der alle gemüthliche Herr nichl unter 100 Procenr Schaden danächste Mal lächelnd einlöste. Moritz überlegte, ob er nichl lieber seinen Durst mit frischem, klarem Wasser audem Brunnen im Hofe loschen sollte, stall daß er im Falle einer endlichen besseren Laune de- Herrn Kellner» durch den Genuß desüßlichen Gebräues debraunen Eradlbierejede Erinnerung an den ..faulen Pelz" in Heidelberg oder an Ley in Berlin auf Wochen verlieren sollte, ob er nicht besser thäte, die Stille de? Kammer nach der ermüdenden Fahrt aufzusuchen, al» daß er sein Gehirn, wie zur Cvklopenwerkstitte. dem Klopfen, Schreien und Toben der Zecher Preis gäbe — als auf einmal Stille und in Folge defrischen Luftzüge». der durch ein geöffnete- Fenster einströmte, mehr Licht enstank. - Die Scene entwickelte sich jetzt vor seinen Augen. Ein kleiner untersetzter Mann, mit langem schneeweißem Haare war aufgestanden und. nachdem er noch einige Male auseinem Weichselrohr sich Muth gedampft und sich geräuspert batte, stellte er die Pfeife hinter sich auf den Stuhl und begann mit felbstvergnüglicher Miene unter allgemeiner Spannung: ..So wabr ich Postmeister bin (er war aber in Wirk, lichkeit Sladtfchreiber und Posterpedienr und nur deshalb sv schnell bei seinen Mitbürgern ayancirt. weil er jedem, der ihn bloS Herr Etadtschreiber nannte, keine Paßkarte außerhalb der RathSstube gab und keinen Brief vor und nach der Büreaustunde abnabm) nie bätle ich. geahnt, daß meine alten Ohren in dieser Stadt, die in der Furcht de- Herrn und in der Treue zum Fürsten unwandelbar beharrt. vbn solchem Attentate auf Ordnung. Sitte und Herkommen bören würden, und eher würde ich geglaubt baben, daß ich den alten städtischen Landsturm glorreichen Andenkenwieder commandiren müßte, wie 1913, aldaß von unserm braven Phvsikoein solcher Vorschlag au-gehen könnte, den Juden Löwe und seine Familie in unsere Ressource aufzunehmen. Möchte ich doch eher hier meine Uniform" — — aber de» Satz vollendete er nicht, denn er sah, daß er seinen Schlafrock anhatte. Trotzdem donnerte e» von fast allen Seiten ..Bravo!" ..Aber Herr Postmeister", entgegnete die sonore Stimme de- Krei-phvstku- Or. B.-eineallgemein geachteten. vorurtheil-losen Manne-, ,.wahaben Sie gegen Löwe? Der Mann ist vtnyögend und rechtlich, woblthätig und gebildet. er hat zwar nichl in der Umgegend von (?., die nie einen Franzosen, höchsteneinige Daga. bonden gesehen bat. beim Landsturm gestanden, aber er hat dock in der Englischen Fremdenlegion gedient, bei Leipzig und Waterloo gekochten, worauf.er sich wohl die Tapferkeit de- Herrn Postmeisterm Ehren — eben so viel einbilben kann, alder Herr Postmeister ^>uf die Mist» und Heugabel-'. Piken- und Stangen-Eompagnie, die notorisch ermaßen vor dem wilden Bullen de» Nachbar- Fricke da» Fersengeld gegeben hat." l-orr,>tzoua 4 Dlumenlese. Auszüge von Erzäblungen. Gleichnissen. Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriftstrllen au» hebräischen Werken Bon Joseph Rawicz in Breslau., Mein Sohn, wenn Du meine Worte annimmst! Sprüche 2. 1. Diese Ansprache, bemerkt -o rmrr —i richtet der Allerheiligste an Israel: Du bist mein Sohn, wenn Du meine Worte annimmst! Mit wem wäre diesezu vergleichen? Mit einem Könige, zu dem sich dessen Sobn mit der Bitte nährte: Vater! Mir ist daseltene Glück zu Tbeil worden. Dein Sohn zu sein, ich wünsche aber ein sichtbare- Zeugniß diese- Glücke-, ertheile mir eine Auszeichnung, wodurch da- Volk sich von meiner königlichen Würde überzeuge. Mein Sohn, antwortete ihm der Varer, Du wünschest, daß Alle ewissen mögen, daß Du mein Sohn bist. Ich will Dir hierin willfabren: Kleide Dich in mein Purpurgewand und setze Dir meine Krone auf Dein Haupt, so werden Alle, denen Du in dieser Pracht erscheinst. Dich für meinen Sohn anerkennen. Der Allerheilige spricht zu Israel: Ihr wollet almeine Söhne ausgezeichnet fein. Woblan! Befleißiget Euch deedlen Wirken-, fo wird die ganze Welt Euch almeine erhabenen Söhne preisen. C u r i o s u m. In einer kleinen ungarischen Stadt, wo es der Vorstand an Enheilung de- Ebower nicht fehlen ließ, dennoch aber Anstand nabm, einem Individuum diesen Ehrentitel zu verleihen, kam in diesen Tagen der betreffende Mann zum Vorstände, versehen mit einem Zeugniß dekatholischen Pfarrer- und verlangte auf Grund diese- Zeugnisseden Ebower-Titel. Anekdote. Einen Mann, der viel über seine Leistungen prahlte, frug Einer auder Gesellschaft. waS er denn eigentlich verstehe und könne? Die Antwort lautete: Ich kann vor Allem gute Eizo (Rath) geben. — Ei. erwiederte der Andere, da find Sie mein Mann; geben Sie uns aber zuerst die Eizo. wie wir Sie poter (loS) werden. — Der Detröffnie kraute sich hinter da» Ohr. und sagte endlich: Daist eine schwere Frage —- da weiß ich selbst keine Eizol — Und Allelachte. Allgemeine Zeitung de» Judeathums. Ro. 37. 1858. Leitende Artikel: vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatnr. — Eine Erklärung. — Die unglückliche Familie Morlara in Bologna. — Die Gleichstellung der Juden vom Gesichtspunkte der deutschen Einheit betrachtet, von Chronik. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Coburg. Jever. WormS.— Preußen: Minden. — Donaufürstenlhlmer: Leipzig. — Krankreich: Pari». — Die Schweiz: Neufchatel. — Holla»d: Amsterdam. WF beziehen durch jede» Postamt und jede Bnchbandlnug. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährlich Thaler. Verantwortlicher Redakteur: K. Nabe. »erlas »«ariirtnet'l Bnchha-Vlnns ii k«»r«s. — Druck »08 «texaader Wie»e in Leipzig.

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